Versagten deutsche Dienste vor 9/11?

NSA Die deutschen Sicherheitsbehörden haben es vor dem 11.9.2001 versäumt der Hamburger Zelle auf die Spur zu kommen. So die offizielle Leseart.
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9/11: Das Märchen von der unentdeckten Hamburger Terrorzelle

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Screenshot aus dem im Juni 2015 von der CIA freigegebenen Report on Central Intelligence Agency Accountability Regarding Findings and Conclusions of the Report of the Joint Inquiry into Intelligence Community Activities Before and After the Terrorist Attacks of September 11, 2001.

Die nachfolgenden acht Seiten des Kapitels "Hijackers Associates In Germany" sind komplett zensiert.

CIA and FBI counterterrorism operations and investigations prior to September 11, 2001 repeatedly produced intelligence relating to two individuals in Hamburg, Germany – Mamoun Darkazanli, a suspected logistician in Bin Ladin’s network, and Mohammed Zammar, a suspected recruiter for al-Qa’ida. (Joint Inquiry into Intelligence Community Activities before and after the Terrorist Attacks of September 11, 2001, Abschlussbericht Dezember 2002)

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben es vor dem 11.9.2001 versäumt der Hamburger Zelle auf die Spur zu kommen. Mohammed Atta und sein Umfeld blieben unentdeckt und konnten unbemerkt ihre Terrorpläne schmieden. Aus Scham wegen dieses Versagens und als Zeichen der uneingeschränkten Solidarität handelte der damalige Kanzleramtsminister Steinmeier Vereinbarungen mit den USA aus, die den Amerikanern quasi einen uneingeschränkten Zugang zu Daten deutscher Bürger ermöglichte. Das durch Edward Snowden publik gewordene Ausmaß der US-Überwachung wird bis heute mit den Anschlägen des 11.9.2001 legitimiert.

Thomas de Maizière (CDU), Bundesinnenminister am 21.11.2010:

Am 11. September 2001 waren wir schimmerlos. Herr Atta lebte in Hamburg und niemand wusste etwas von ihm.

Zeit-Autorin Mariam Lau in ihrem Artikel “Die Illusion vom guten Amerikaner” vom 15.5.2015:

Europa hat den amerikanischen Verbündeten oft bitter enttäuscht: Die Hamburger Terrorzelle blieb unentdeckt.

Manfred Murck, der spätere Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz der Freien und Hansestadt Hamburg, in der ZDF-Dokumentation ‚Der 11. September – Die wahre Geschichte’:

Wir haben nicht unter der Prämisse gearbeitet, hier sind Terrorgruppen am Werk. Wenn Sie wollen haben wir im Rahmen unserer allgemeinen Aufgabenwahrnehmung da die eine oder andere Beobachtung gemacht. Und die hat nicht belegt, dass es Terrorplanungen gab. (...) Was Atta betrifft, taucht der damals mit einem Namen, den wir damals geführt haben, El-Amir, bei uns auf, er ist aber nicht identifiziert worden als solcher und es gab auch in dem Sinne keine weiteren Anlässe ihm operativ nachzugehen, also die Radikalisierung von Atta haben wir so wie die Radikalisierung der Gruppe als solche nicht wirklich auf dem Schirm gehabt.

Deutsche Welle Journalist in einem Interview mit Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutzim vom 6.5.2013:

Vor den Anschlägen des 11. September 2001 konnten die Attentäter in Hamburg unbemerkt eine Zelle gründen.

Elmar Theveßen, stellvertretender Chefredakteur und Terrorismus-Experte des ZDF, in einer Diskussionsrunde am 4.7.2015:

Dann kam der 11.September 2001 und danach galt vor allen Dingen eines, nämlich Angst davor dass so etwas wieder geschieht und dass es auch in Deutschland geschehen könnte. Und zweites die Scham darüber, dass einige Täter aus Deutschland kamen. (…) Und dieses wurde als Hebel benutzt gegenüber Deutschland auch dafür zu sorgen, das man alles tat was Amerika, die US-Behörden wollten.

Peter Carstens in der FAZ am 4.5.2011:

Die Regierung Schröder/Fischer hatte den Vereinigten Staaten nach den Anschlägen von New York und Washington „uneingeschränkte Solidarität“ zugesichert. Zugleich stand sie selbst unter starkem Druck, weil der Kern der 9/11-Zelle von Al Qaida jahrelang unbemerkt in Hamburg gewachsen war.

Soweit die offizielle Leseart, die in diesem Artikel hinterfragt werden soll: Waren die deutschen Behörden tatsächlich "schimmerlos"? Niemand wusste von Atta? Die Hamburger Zelle blieb unentdeckt? Wurden die USA von ihren deutschen Verbündeten enttäuscht? Wo liegen die Gründe für das Versagen deutscher Verfassungsschützer? Die nachfolgend zusammengefassten Medienberichte widerlegen das Bild der ahnungslosen deutschen Behörden. Sie verdeutlichen, dass die CIA dem FBI und auch deutschen Verfassungsschutzbehörden wichtiges Material vorenthielt, mit dessen Hilfe die Anschläge vom 11.9.2001 hätten verhindert werden können. Auch die NSA verweigerte der CIA und dem FBI wichtige Daten, die hilfreich bei der Aufdeckung der Anschlagsplanungen gewesen wären.

U.S. officials say that at least three of the hijackers—al Midhar; his associate aboard the Pentagon flight, Nawaf al Hamzi, and Mohammed Atta, who was on American Airlines flight 77—had been known as associates of Islamic terrorists well before last Tuesday’s attacks. (Newsweek 20.9.2001)

Mohamed Atta stand von Januar bis Mai 2000 in der BRD unter der Beobachtung eines amerikanischen Geheimdienstes. Eine Spezialeinheit des US-Verteidigungsministeriums namens "Able Danger" hatte schon mehr als ein Jahr vor dem 11. 9. 2001 Mohammed Atta und drei seiner Komplizen in den USA observiert und als Al-Qaida-Mitglieder identifiziert.

Entgegen der Aussagen des damaligen Präsidenten des Hamburger Verfassungsschutzes verfügte das LfV über einen Mitarbeiter, der den Staatsschützern detaillierte Informationen über die Al-Quds-Moschee und die Gruppe um Mohammed Atta liefern konnte. Die Hamburger Islamisten schlossen sich unter den Augen diverser Nachrichtendienste zu einer Terrorgruppe zusammen.

1997 startete das BfV die aufwendige Überwachung von Mohammed Haydar Zammar ("Operation Zartheit"). Zammar, in Syrien geboren wurde 1982 deutscher Staatsbürger. In den Neunzigern zog er in den Glaubenskrieg in Bosnien und Afghanistan und erhielt persönlich eine Einladung von Usama Bin Laden. Der mutmaßliche al-Qaida-Rekrutierer wurde verfolgt, abgehört, sowie alle seine Anfrufe aufgezeichnet.

Die deutschen Behörden teilten den Großteil ihrer Informationen mit der CIA, einschließlich Zammars Telefonkontakten mit den Mitgliedern der Hamburger Terrorzelle, Marwan al-Shehhi, Mohammed Atta, Ramzi Binalshibh und Said Bahaji. Ein Versuch des BfV, Zammar als Informanten zu gewinnen schlug fehl. In den aufgezeichneten Gesprächen des Hamburger al-Qaida Anwerbers, die das BfV abhörte, fiel Mohammed Attas vollständiger Familienname, "Mohammed Atta Al Amir". Auch Vorname, Nationalität und Telefonnummer des zweiten mutmaßlichen Hamburger Todespiloten, Marwan Al Shehhi, wurden auf diesem Weg ermittelt. Das BfV informierte anschließend die CIA und bat um mehr Informationen zu dem Mann aus den Vereinten Arabischen Emiraten, der mit Atta und Ramzi Binalshibh die WG in der Hamburger Marienstraße bezog. Die deutschen Verfassungsschützer erhielten keine Antwort. Drei Monate nach 9/11 verschleppte die CIA Mohammed Zammar mit Hilfe deutscher Behörden nach Syrien, wo er von Beamten des Bundeskriminalamtes, des Bundesnachrichtendienstes und des Verfassungsschutzes im berüchtigten Folter-Gefängnis des Militärgeheimdienstes verhört wurde.

Ein weiterer Deutsch-Syrer, der in dieser Zeit in Hamburg als Informant geworben werden sollte, war ein langjähriger Bekannter und Arbeitskollege von Zammar: Mamoun Darkazanli. Die CIA hatte ihn seit 1993 auf dem Radar und drängte die deutschen Dienste, Darkazanli als Quelle zu gewinnen. Im Jahre 1996 ermittelte das BKA erstmals gegen ihn wegen Verdachts der Geldwäsche. Der Geschäftsmann aus Hamburg besaß seit 1995 eine Vollmacht über ein Konto des mutmaßlichen Finanzchefs Bin Ladens, Mamdouh Mahmud Salim, der 1998 in der Nähe von München verhaftet wurde. Über dieses Konto wurden angeblich die Flugstunden der Attentäter bezahlt. Das saudische Unternehmen Twaik Group deponierte 250.000 US-Dollar auf Darkazanlis Konto. Laut Chicago Tribune gingen deutsche Geheimdienste davon aus, dass die Twaik Group als Fassade des saudischen Geheimdienstes agierte und mit dessen langjährigem Chef Prinz Turkai al-Faisal in Kontakt stand. Zwei Twaik-Manager sollen gleichzeitig für Al-Qaida gearbeitet haben. Wegen des Verdachts der Unterstützung der Madrider-Al-Qaida-Zelle, wurde Darkazanli 2003 von einem spanischen Gericht angeklagt und beschuldigt, der Finanzier Bin Ladens in Europa gewesen zu sein. Seiner Auslieferung nach Spanien entzog er sich durch eine Verfassungsbeschwerde. Darkazanl lebt seither unbehelligt von den Behörden in Hamburg. Ein Ermittlungsverfahren gegen Darkazanli stellte die Bundesanwaltschaft am 14. Juli 2006 mit folgender Begründung ein:

Der Beschuldigte Darkazanli fungierte zwar zwischen 1993 und 1998 als Ansprechpartner verschiedener Al Qaeda Verantwortlicher und war vermittelnd, betreuend und verwaltend in die international angelegten unternehmerischen Aktivitäten des Al Qaeda Firmengeflechts eingebunden. Diese der Al Qaeda Organisation zugute gekommenen Aktivitäten erfüllen jedoch nicht die Voraussetzungen einer Strafbarkeit nach § 129a StGB.

Die Los Angeles Times berichtete, amerikanische Offizielle vermuten, dass der sogenannte Chefplaner der 9/11-Anschläge, Khalid Shaikh Mohammed, 1999 in Deutschland war und sich mit mehreren am Terrorplot beteiligten Männern traf. Möglicherweise habe er sogar in dieser Zeit in Deutschland gelebt. Nachfragen deutscher Behörden bezüglich dieses Themenkomplexes wurden von amerikanischer Seite nicht beantwortet. Vermutlich befindet sich Khalid Scheich Mohammed derzeit immer noch auf dem US-Militärstützpunkt Guantánamo Bay, wo er allein im März 2003, 183 Mal der Waterboarding Folter ausgesetzt war und vor dem Militärtribunal die Verantwortung für die Anschläge am 11. September 2001 übernommen haben soll. Foto- und Filmaufnahmen sind beim Prozess in Guantanamo verboten. Sowohl die Anklage als auch die Ergebnisse im offiziellen 9/11-Untersuchungsbericht stützen sich in weiten Teilen auf Geständnisse aus CIA-Verhören, die unter Anwendung von Folter erfolgten.

Auch Atta Mitbewohner Ramzi Binalshibh befindet sich nach mehreren Aufenthalten in Geheimgefängnissen seit 2006 in Guantanamo, wo ihm bereits 2009 in einem psychologischen Gutachten Unzurechnungsfähigkeit attestiert wurde. Seine Anwälte erklärten, dass die brutalen Verhörmethoden der CIA bei ihm mentale Schäden ausgelöst hätten. Binalshibh, der als einer der Planer der Anschläge vom 11. September 2001 gilt, stand ebenfalls im Visier der Geheimdienste. Spanische Ermittlungsbehörden wollen von deutschen Diensten im Juli 2001 über ein Treffen Ramzi Binalshibhs mit Mohammed Atta in Spanien informiert worden sein. Im Januar 2000 reiste Binalshibh von Hamburg nach Kuala Lumpur zu einem geheimen Al-Qaida Treffen, bei dem womöglich entscheidende Planungen für die Anschläge in den USA aufgestellt wurden. Das Meeting wurde im Auftrag der CIA vom malaysischen Secret Service sorgfältig überwacht. Binalshibh flog anschließend zurück nach Hamburg. Über seinen Aufenthalt in Malaysia schwieg sich die CIA gegenüber ihren deutschen Partnerdiensten aus.

An dem Treffen in Malaysia nahmen auch die mutmaßlichen 9/11-Attentäter Nawaf al-Hasmi und Chalid al-Midhar teil. Die CIA weigerte sich jedoch im Jahr 2000 Informationen mit dem FBI (oder einer anderen Agentur) über die Ankunft der beiden bekannten Al-Kaida Akteure in den Vereinigten Staaten zu teilen, obwohl die Agency sie seit Jahren genauestens verfolgt hatte. Als der FBI-Agent Mark Rossini innerhalb einer Spezialabteilung der CIA, die mit der Ergreifung Bin Ladens befasst war, Informationen über al-Midhar und sein Visum für mehrere Einreisen in die USA, ans FBI Hauptquartier weiterleiten wollte, erwiderte ein CIA Offizier:

Dies ist nicht Sache des FBI. Der nächste El-Kaida Angriff wird in Südostasien stattfinden und ihre Visa für Amerika sind nur ein Ablenkungsmanöver. Sie sagen dem FBI nichts. Wir werden es sagen, falls und wenn wir uns entscheiden, dass das FBI es wissen soll.

Rossini und sein Kollege Miller wurden nach dem 11.9.2001 von der CIA angehalten über diese Episode Stillschweigen zu bewahren. Ihre 2009 bekannt gewordenen Enthüllungen fanden somit keinerlei Eingang in die Ermittlungen der US-Regierung. Der ehemalige Anti-Terror-Berater von Clinton und Bush, Richard A. Clarke, erklärte, dass die Chefs des CIA’s Counterterrorism Center, Cofer Black und Richard Blee, ihm 1999 von dem Versuch berichteten einen Al-Qaida Terroristen als Doppelagenten anzuwerben. Clarke wunderte sich, dass Black und Blee bei einem Notfall-Treffen im Weißen Haus am 10. Juli 2001, gegenüber CIA-Direktor George Tenet nie erwähnten, dass bereits zwei Al-Qaida-Terroristen in die Vereinigten Staaten eingereist waren. Clarke vermutete, dass sie eine illegale landesinterne Operation zur Rekrutierung von Al-Mihdhar oder Al-Hazmi durchführten, bei der dass das FBI nicht hereinplatzten sollte.

Auch die NSA hielt wertvolle Informationen zurück mit deren Hilfe die Terroranschläge vom 11.9.2001 hätten verhindert werden können. In einem aktuellen Foreign Policy Artikel widerlegen NSA-Experte James Bamford und NSA-Whistleblower Thomas Drake, die von Präsident Obama und dem ehemaligen Chef der CIA und der NSA, Michael Hayden, kolportierte These, die NSA habe vor 9/11 keine technische Möglichkeit besessen, die Anrufe des mutmaßlichen Hijackers Chalid al-Midhar, der von San Diego aus mit der Al-Qaida Operationsbasis im Jemen telefonierte, in die USA zurückzuverfolgen. Folgerichtig legen Whistleblower wie Drake nahe, dass die post-9/11 Metadatenüberwachung in den USA, die mittlerweile von einem Gericht als illegal eingestuft wurde, auf einer Lüge basierte:

In an agency filled with secrets, the NSA’s failure to detect the 9/11 plot or help other agencies do so is probably its deepest and darkest. For years, rather than reveal the true nature of the blunder, the agency has instead propagated the fable that it missed that San Diego call in 2000 for technical reasons. Consequently, the Bush and Obama administrations conducted what amounted to ironclad surveillance of Americans’ phone activity for more than a decade.(...) The dragnet metadata operation, finally declared illegal by a federal appeals court this year, was likely the largest and most secretive domestic surveillance program ever undertaken. Yet the public only became aware thanks to the information leaked by Edward Snowden. Today, other NSA whistleblowers are claiming that the program was based on a lie. They’re also demanding answers to tough questions: How were certain key phone numbers missed in surveillance—or were they at all? And why did the NSA refuse to share with the CIA and FBI the full details of what it collected from bin Laden’s operations center in Yemen? Fourteen years after the 9/11 attacks, it seems time for the NSA and the White House to reveal what really happened—and to replace, once and for all, fiction and lies with facts and the truth.

Am 11.9.2001 waren wir schimmerlos.

Thomas De Maizière, ehemaliger und aktueller Bundesinnenminister, ehemaliger Verteidigungsminister, ehemaliger Chef des Bundeskanzleramts und Beauftragter der Bundesregierung für die Nachrichtendienste, sollte es besser wissen.

Wir alle sollten es besser wissen.

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Screenshot:Global Terrorism True Faces of Evil - Graphic Coloring Novel Never Forget

Der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie in einer Stellungnahme, nachdem er die 28 zensierten Seiten des Abschlussberichts der "Gemeinsamen Untersuchung der Aktivitäten der Geheimdienste vor und nach den Terroranschlägen am 11. September 2001" gelesen hatte:

I had to stop every couple pages and just sort of absorb and try to rearrange my understanding of history for the past 13 years and the years leading up to that. It challenges you to rethink everything, and so I think the whole country needs to go through that. It's gonna be difficult, and it could be embarrassing. But that is no reason to keep the truth from the American people.

Ein Überblick aus dem Jahr 2011:

Um die offizielle US-Verschwörungstheorie zum 11.September als Vertuschung zu entlarven, genügt ein Blick auf die von George W. Bush am 10.11.2001 vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen, gehaltenen Rede. Zusammengefasst lautete seine Botschaft an die Welt wie folgt: Am 11. September 2001 wurde Amerika, mithin die westliche Zivilisation,von bösen muslimischen Terroristen angegriffen, die unsere Freiheit hassen und nicht davor zurückschrecken Massenvernichtungswaffen gegen die freie Welt einzusetzen. Die Terroristen und jene Regierungen, die sie beherbergen und unterstützen werden einer gerechten Strafe zugeführt. Die afghanische Bevölkerung wird vom terroristischen Taliban-Regime befreit und das Land von den USA wieder aufgebaut. Abscheuliche Verschwörungstheorien und bösartige Lügen sind nicht zu tolerieren, da sie nur den Versuch darstellen die Schuld der Terroristen anderen zuzuschieben:

Every civilized nation here today is resolved to keep the most basic commitment of civilization: We will defend ourselves and our future against terror and lawless violence.(...) The terrorists call their cause holy, yet fund it with drug dealing.(...) We must speak the truth about terror. Let us never tolerate outrageous conspiracy theories concerning the attacks of September 11th - malicious lies that attempt to shift blame away from the terrorists themselves, away from the guilty.(...) As I told the American people, freedom and fear are at war. We face enemies that hate, not our policies,-but our existence - the tolerance and openness and creative culture that define us.(...) We know that evil is real, but good will prevail against it.

Die Essenz seiner Kriegserklärung, deren Grundlagen bereits 2000 im PNAC-Strategiepapier "Rebuilding America's Defences" dargelegt wurden, veranschaulicht dieses Comic-Video für Kids, die Zeitreisen in die glorreiche Vergangenheit der USA unternehmen möchten, das von dem republikanischen Theokraten und Fox Moderator Mike Huckabee promotet wird. Freunde von patriotischen Kinder-Malbüchern, bildungsferne US-Schüler und von Guido Knopp indoktrinierte Coach Potatos mögen für die von den Neocons bemühte Dichotomie (böse Terroristen/gute Amerikaner) empfänglich sein.

Warum allerdings politisch Verantwortliche aller Parteien gefolgt von diversen Lohnschreibern der sog. Vierten Gewalt einem kollektiven Blackout anheim fielen, ist logisch nicht nachvollziehbar. Die in Endlosschleifen gesendeten Bilder der kollabierenden Twin Towers ( Aufnahmen vom Einsturz des WTC 7 wurden seinerzeit in der BRD nicht gezeigt ) sowie die markigen Worte des US-Präsidenten beeindruckten offensichtlich auch deutsche Politiker. Die Freiheit verteidigen, für grenzenlose Gerichtigkeit sorgen. Das klang gut und so beeilte sich Gerhard Schröder den USA unsere uneingeschränkte Solidarität zuzusichern. Peter Struck befand, wir seien alle Amerikaner und empfahl Deutschlands Sicherheit zukünftig auch am Hindukusch zu verteidigen.

Dabei ist es kein Geheimnis, dass die USA in Kooperation mit Saudi-Arabien und Pakistan, den von Bush so vehement beklagten islamischen Extremismus im Kalten Krieg mit Milliarden Dollar gefördert hatte. Finanziert wurden die Bewaffnung und das Training fundamentalistischer "Freiheitskämpfer", im Drogenhandel tätige Warlords (Gulbuddin Hekmatyar), jihadistische Lehrbücher für Schüler, der Tunnel Komplex von Tora Bora.Vieles deutet darauf hin, dass diese indirekte US-Unterstützung muslimischer Extremisten durch den pakistanischen Geheimdienst, bzw. das Militär nach dem Ende des Kalten Krieges nicht beendet wurde. Im Anschluss an den Abzug der Sowjets nahmen westliche Politiker und Energieunternehmen keinen Anstoß an Verhandlungen mit den muslimischen Fundamentalisten um ihren Führer Mullah Omar. Die strategisch wichtige Lage Afghanistans, als mögliches Transitland für Öl und Gas aus der Kaspischen Region begründete die US-Unterstützung für die Taliban, denen die Schaffung eines stabilen Umfeldes für den Pipeline-Bau durch Afghanistan zugetraut wurde.

Ende der Neunziger kam es zu einer Kehrtwende in der US-Strategie. Weder der Sicherheitsrahmen für das Pipielineprojekt, noch eine amerikafreundliche Politik schien mit den Fundamentalisten machbar. Parallel zu diesem Richtungswechsel erörterten amerikanische, russische und indische Diplomaten bereits vor 2001 Planungen zum Sturz der Taliban. Trotzdem wurden noch bis zum Sommer 2001 mehrere Geheimverhandlungen geführt, während derer US-Diplomaten unverhohlen mit Krieg drohten, sollten die Taliban nicht auf amerikanische Forderungen eingehen. Der Plan für den War On Terror lag bereits auf dem Schreibtisch des neuen Commander In Chief.

William E. Odom (Leiter der National Security Agency unter Ronald Reagan):

Because the United States itself has a long record of supporting terrorists and using terrorist tactics, the slogans of today’s war on terrorism merely makes the United States look hypocritical to the rest of the world.

Dann kam der 11.September, dessen Urheberschaft sofort Bin Laden/Al Qaida zugeordnet wurde. Der "Terrorfürst", der noch im Juli 2001 während eines Krankenhausaufenthalts in Dubai den CIA-Agenten Larry Mitchell getroffen haben soll, bestritt diesen Verdacht und die dünne Beweislage gegen ihn musste selbst das FBI eingestehen. Gegenüber der landläufig kolportierten These einer mangelnden Kooperation der Taliban bezüglich seiner Auslieferung sind Zweifel angebracht. Zwischenzeitlich erklärte die Bush Administration Bin Ladens Ergreifung zur Nebensache.

Hartnäckige Spekulationen über seinen Tod standen im Widerspruch zu regelmäßig kursierenden Video- und Audiobotschaften. Auch die divergierenden offiziellen Stellungnahmen zur diesjährigen Erschießung/Entsorgung Bin Ladens brachten wenig Licht in das Dunkel um seine Person. Etliche Bewohner der Garnisonsstadt Abbottabad halten die zuletzt veröffentlichten Videos für wenig authentisch. Die amerikanische Sicherheitsexpertin Raelynn Hillhouse berichtet über Geheimdienstinformation nach denen Bin Laden, einen von Saudi Arabien finanzierten Schutz des pakistanischen ISI genoss, jenem ambivalenten Geheimdienst dessen ehemaliger Chef General Mahmud Ahmad einst 100.000 Dollar an Mohamed Atta überwies. "Bin Laden leistete Widerstand!", behauptete Regierungssprecher Jay Carney im Mai 2011. Nun droht das Pentagon dem Navy Seal Mark Owen wegen Geheimnisverrats, weil der in seinem Buch "No Easy Day" schreibt, Bin Laden sei unbewaffnet gewesen und habe keinen Widerstand geleistet.

Während den Finanzquellen des Terroranschlags von offizieller Seite stets wenig Beachtung widerfuhr konnten die Attentäter vom 11. September umgehend identifiziert werden.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte rief der Nato-Rat am 12. September 2001 unter fragwürdigen Prämissen den Bündnisfall aus. Nach Beginn der völkerrechtlich umstrittenen Operation Andauernde Freiheit (ursprünglicher Name: Operation Grenzenlose Gerechtigkeit) wurde auf dem Petersberg unter amerikanischer Federführung (u.A. ex-Unocal Berater Zalmay Khalilzad ) die Marionettenregierung des Paschtunen Hamid Karzai (ex-Unocal Berater ) installiert, die im Wesentlichen auf der Macht von Warlords und Drogenhändlern der Nordallianz beruht(e). Wahlfälscher Karzai fungierte in den 80ern bereits als Kontaktmann der CIA im heimlichen finanzierten Kampf der Mujahideen gegen die Sowjets.

Der Rest ist Geschichte: Bin Laden, dem die ehemalige FBI-Übersetzerin Sybel Edmonds enge Beziehungen zu den USA nachsagte und dessen Familie gleichermaßen Geschäftsbeziehungen mit führenden Republikanern, einschließlich der Bush Familie pflegte, konnte unter mysteriösen Umständen entkommen. Den Taliban, die vor 9/11 im Zuge der TAP-Pipeline Planungen von den USA hofiert und unterstützt wurden, gelang es wieder Fuß zu fassen, unter den Augen der Nato boomt seither der Mohnanbau, von dem überwiegend Personen aus dem Regierungsumfeld profitieren.

Die USA/CIA setzten Drogenhändler und Warlords auf ihre Gehaltslisten (darunter z.B. Ahmed Wali Karsai, den Bruder des Präsidenten), zahlten indirekt Schutzgelder an die Taliban um ihre Nachschubrouten zu sichern.

Die Fähigkeiten der afghanischen Sicherheitskräfte werden völlig überschätzt, die Trennung von Kampfmandat und Aufbaumission (OEF/ISAF) existiert nur auf dem Papier. Spezialkommandos, CIA und Söldnertruppen agieren jenseits parlamentarischer Kontrolle, deutsche Soldaten leisten Beihilfe zu gezielten Tötungen und tolerieren/unterstützen geheime Einsätze amerikanischer Spezialkräfte in ihrem Einsatzgebiet.

Geheimdienste nähren Zweifel am "Fortschritt" des Krieges, auch in Pakistan sterben bei "gezielten" Drohnenangriffen Hunderte Zivilisten, im US-Militärknast Bagram werden weiterhin verschleppte Verdächtige gefoltert, 39% der Afghanen befürworten laut Umfragen Anschläge auf NATO-Truppen, die Lage im Land ist so schlecht wie seit 30 Jahren nicht mehr (IKRK). Die Polizisten-Ausbildung pausiert mittlerweile, weil immer mehr NATO-Soldaten von Bewaffneten in afghanischen Uniformen getötet werden.

Der Krieg gegen den Terror wurde 2003 auf den Irak ausgeweitet, 9/11 diente erneut als Vorwand für die Sicherung amerikanischer Hegemonialbestrebungen mittels militärischer Macht. Dem Regime des Ex-Kumpels Hussein wurden Massenvernichtungswaffen und Al Qaida -Verbindungen angedichtet.

Die Verbrechen/Motive der USA und ihrer Verbündeten, der Koalition der Willigen, können ausführlich in Naomi Kleins "Schock-Strategie" oder auch Jeremy Scahills "Blackwater" nachvollzogen werden. Fast unnötig zu erwähnen, dass die Sichheitslage im Zweistromland, ähnlich wie im besetzten Afghanistan, bis heute katastrophal bleibt. Beide Länder versinken im Chaos und die billionenschweren Kriegskosten heizen die Rezession fleißig an, wie Joseph Stiglitz schon 2008 bemerkte. Parallel hierzu wurden, vor allem in den USA, im Namen der nationalen Sicherheit massiv Freiheitsrechte abgebaut , ausufernde, zum Teil illegale Überwachungsmaßnahmen installiert und ein aufgeblähter Geheimdienstapparat finanziert. Unterstützer der Anti-Kriegs Plattform Antiwar.com wurden vom FBI überwacht und als potentielle Gefahr für die Nationale Sicherheit eingestuft. Sowohl in Afghanistan, als auch im Irak agier(t)en die USA und ihre Verbündeten immer wieder unter Missachtung internationalen Rechts .

Mit dem Amtsantritt von Friedensnobelpreisträger Obama hat sich diesbezüglich nicht viel verändert. Bislang wurde, wie ihm Wahlkampf versprochen, weder Guantanamo geschlossen, noch sind die Militärtribunale (Khalid Sheikh Mohammed) abgeschafft worden. Der Prozeß gegen Waterboarding-Opfer Khalid Sheikh Mohammed , Ali Abd al-Aziz Ali, Mustapha al-Hawsawi, Ramzi Binalshibh und Walid bin Attash vor dem Militärgericht auf Guantanamo, wird wahrscheinlich nicht vor 2016 beginnen.

Der verdeckte Krieg inklusive geheimer Operationen, gezielter Tötungen und unbemannter Drohnenangriffe wurde unter Obama intensiviert, die verantwortlichen Folterknechte der Bush-Administration vor Strafverfolgung geschützt.

16:12 29.07.2015
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