Wulff Kreditgeber Geerkens: Immobiliengeschäfte auf Staatskosten ?

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Wulff Kreditgeber Egon Geerkens: Immobiliengeschäfte auf Staatskosten ?

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Bildquelle: Rainer Lahmann-Lammert/NOZ

Wer ist eigentlich Egon Geerkens ? Dieser honorige Darlehensgeber, der Wulff einen Scheck über eine halbe Million ausgestellt hat, damit dieser in schwierigen Zeiten (Finanzkrise/Scheidung von erster Frau) sein Leben (neuer Wohnraum/neue Frau) ordnen konnte. Geerkens, gelernter Elektriker, handelte mit Alt- und Edelmetallen, Antiquitäten und betrieb einen Juwelierladen. "Wirklich reich", wurde Geerkens laut SPON jedoch erst mit "geschickten Immobilien-Geschäften".

"Neben Gold und edlen Steinen hatte Egon Geerkens zu dieser Zeit bereits erhebliches Geld in Immobilien investiert. Zusammen mit einem Partner entwickelte er die Theaterpassage (Investitionssumme zehn Millionen DM) und holte zur Eröffnung sogar Hannelore Kohl und Thomas Gottschalk nach Osnabrück. Später verkaufte er dieses innerstädtische Filetstück dann an die Iduna-Versicherungen. Gemeinsam mit einem anderen Osnabrücker Immobilienentwickler war Geerkens an der Markthalle am Nikolaiort beteiligt. Auch im spanischen Marbella war er zeitweilig tätig. Noch 2010 gehörte Geerkens ein erheblicher Teil der Sanierungs-Neubauten an der Dielingerstraße." (NOZ 14.12.2012)

Immobilien, was sonst. Kennt jeder Monopoly-Spieler. Schlossallee! Miete für ein Hotel ? Das kostet ! Gibt es eine bessere Anlage für Menschen, die mal eben wirklich reich werden wollen ? Dass Zigtausende dieser Wertanlagen auch in Spanien leer stehen und die Wirtschaft am Rande des Kollapses steht, nachdem geschickte Investoren den Immobilienmarkt aufgebläht und satte Gewinne eingefahren haben, ist für seriöse Geschäftsmanner wie Geerkens vermutlich sekundär.

"Der Großteil dieser Wohnungen steht leer, sie wurden nur als Wertanlagen konzipiert, um eine Investitionskette in Gang zu bringen. Immobiliengesellschaften, Unternehmen und Banken konnten so mit einem jährlichen Profit von etwa 20 Prozent rechnen. Die Instandhaltung der leeren Wohnungen - jährlich wurden rund 800.000 gebaut - zahlt der Spanische Staat. Für große ausländische Investitionen wurden hunderte Siedlungen mit Golfplätzen auch in extrem trockenen Gebieten errichtet, denn Immobilien dieser Art sind mit Golfplatz mehr wert. Eine solche künstliche Grünfläche verbraucht dieselbe Menge an Wasser wie eine Stadt mit 20.000 Einwohnern." (Let's Make Money)

Die "Badewanne" mit den goldenen Wasserhähnen, die ein Kran in Geerkens Penthouse hievte und in der Wulff bereits 1988 mit seiner ersten Frau Christiane planschen durfte, hat eben ihren Preis. Wer Google nach weiteren Immobilien des "Selfmade-Mannes" (Focus) befragt, stößt beispielsweise auf die Luisenresidenz in Berlin, ein Wohn - und Geschäftshaus in der Luisenstraße 48-52, das Geerkens 1996 bauen ließ:

"Im Gebiet Luisenstraße/Schumannstraße entsteht neben Wohnungen und Läden gegenwärtig auch ein Magazin für das Deutsche Theater. Seit gestern schwebt der Richtkranz über der "Luisenresidenz". Zum Jahresende sind die insgesamt 94 Wohnungen bezugsfertig, 30 Prozent davon entstehen im zweiten Förderweg. Schon jetzt sind rund ein Drittel vermietet. "Luisenresidenz" heißt der klingende Name für den lukrativen Standort in Berlins Mitte, an dem gestern Richtfest gefeiert wurde. Doch Privatinvestor Egon Geerkens aus Osnabrück baut nicht nur Wohnungen. Die Apotheke aus der Charite zieht hierher. Ein Bäcker und ein Supermarkt bieten ihre Waren an. Restaurants sollen das Gebiet beleben. Für den Nachbarn Deutsches Theater entsteht ein Lagerhaus: rund eintausend Quadratmeter Magazin über zwei Etagen. 15 Mark pro Quadratmeter wird das Theater an Miete zahlen müssen, so Geerkens." (Berliner Zeitung 27.6.1996)

30 Prozent entstehen im zweiten Förderweg ? Im Spiegel Interview 2010 hatte Geerkens behauptet:

"1978 habe ich zuletzt öffentliche Gelder für eine Immobilie bekommen."

Na ja, vielleicht hat er einfach den Überblick verloren im Laufe der Jahre. Die Luisenresidenz wurde im Übrigen von einem Osnabrücker Arichitekten entworfen. Der Auftrag für das Tapezieren und Streichen des Komplexes ging an eine kleine Firma (Pieper Der Malermeister GmbH) aus Wallenhorst im Landkreis Osnabrück. Das Auftragsvolumen von 30.000 qm war für die Firma des Wallenhorster CDU-Mannes Wiho Pieper eine "große Herausforderung". Warum Egon Geerkens ausgerechnet die Mitarbeiter des Osnabrücker Malermeisters Pieper, eines zukünftigen CDU-Schatzmeisters und CDU-Ratsherrn der Gemeinde Wallenhorst, auf Montage nach Berlin einlud, bleibt offen. Pieper hat das Engagement jedenfalls nicht geschadet, so sahen er und seine Gattin Sabine sich ein paar Jahre später in der beneidenswerten Lage, das ehemalige Elternhaus von Christian Wulff zu ersteigern:

"Das „Alte Haus Wulff“ in Westerkappeln erstrahlt in neuem Glanz. Nach elfmonatiger Renovierungszeit präsentierten gestern die Eigentümer Sandra und Wiho Pieper das „Neue Haus Wulff“. Zur Schlüsselübergabe ihres ehemaligen Elternhauses waren auch die Geschwister Elisabeth und CDU-Politiker Christian Wulff nach Westerkappeln gekommen. „Das ist ein toller Tag hier heute in Westerkappeln“, meinte Wulff, der Vorsitzende der CDU in Niedersachsen. Das Haus sei mehr als 100 Jahre im Besitz der Familie Wulff gewesen. Er verbinde dieses Gebäude stark mit seinem Großvater, dem Hauptlehrer Wilhelm Wulff, obwohl er ihn ausschließlich durch die zahlreichen Schriften von Adolf Wiartalla kennen gelernt habe, erzählte der Politiker. Die Eheleute Pieper seien die idealen Käufer für dieses Objekt. Sie hätten das nötige Handwerkszeug durch ihre Maler- und Gerüstbaubetriebe mitgebracht und zusätzlich noch eine Menge innovativer Ideen. „Das Haus ist wunderschön geworden. Ein Glanzpunkt in Westerkappeln“, so Wulff zum Abschluss. Er überreichte dem Ehepaar einen Gutschein für einen Setzling. (...) Denn eigentlich sollte Wiho Pieper lediglich einen Kostenvoranschlag für die Sanierung ausarbeiten. Doch das alte Haus Wulff habe ihn begeistert. Als Handwerksbetrieb hätten sie schon einige Sanierungen begleitet. Das Haus sei eine deutliche Aufwertung des Stadtbildes, hob Bürgermeister Ullrich Hockenbrink hervor. Zudem passe das Gebäude zumindest zu zwei Begriffen des Westerkappelner Logos. „Tradition und Zukunft“ würden sich in diesen Wänden verbinden. Nach den Ansprachen machten sich die Gäste auf den Weg, die Gewerberäume in der unteren Etage sowie die vier Wohnungen in den oberern Stockwerken zu entdecken. Für alle Mietobjekte gebe es bereits die ersten Bewerber, teilte Wiho Pieper mit." (NOZ 2.2.2002)

"Westerkappeln - Wenn das nichts ist: ein Büro, 180 Quadratmeter in einem der schönsten Gebäude Westerkappelns - und ein Garten, in dem Bundespräsident Christian Wulff als kleiner Junge mit seiner Schwester herumgetollt ist. Seitdem ein Autozulieferer mit seinem Büro nach Osnabrück gezogen ist, steht das Erdgeschoss leer. Nun sucht Wiho Pieper, Maler, Gerüstbauer und Besitzer der Villa, einen Nachmieter. (...) Der Vermieter hat Wulff 2000 kennen gelernt. Der Politiker bat ihn damals, einen Kostenvorschlag für die Sanierung der unbewohnten Villa zu erstellen. Pieper zögerte nicht lange: Er hatte schon lange ein Auge auf die alte Villa geworfen. Das historische Gebäude von 1884 ist ein „absoluter Blickfang, eines der schönsten Anwesen in Westerkappeln“, schwärmt der Handwerker. Als Wulff die Sanierung zu aufwendig wurde, bot er Pieper an, das Haus zu kaufen. Der und seine Frau Sabine schlugen schnell zu - zumal beide ein gemeinsames Ziel hatten. Das Wulffsche Haus, wie es die Einheimischen nennen, wieder in ein gepflegtes Anwesen zu verwandeln. Pieper entkernte das Haus, sodass es jetzt fünf Mietern Raum bietet, die es als Büros und Gewerbeflächen nutzen - unter anderem eine Ladenbaufirma, ein Steuerberater und eine Catering-Firma." (Westfälische Nachrichten 14.7.2010)

Unabhängig davon, ob Piepers Frau nun Sabine oder Sandra heißt: die Wege des Clubs Der Unternehmer sind oft verschlungen im Land der Volkswagenbauer.

12:05 15.12.2011
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