Gabriela Simon

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RE: Von Afrika lernen | 15.10.2012 | 10:50

Diesen seltsam verunglückten Satz im 5. Absatz:

"Vorrangig die Bewegung der spanischen Indignados (der „Empörten“) ging für eine „wirkliche Demokratie“ und gegen den korrupten Staat wie soziale Menschenrechte auf die Straße."


möchte ich hier doch richtigstellen. Er lautete in meinem Originaltext:

"Vor allem die Bewegung der spanischen Indignados, (der ‚Empörten‘) ging für „wirkliche Demokratie“, gegen den korrupten spanischen Staat und für die Achtung der sozialen Menschenrechte auf die Straße."

Natürlich wird nicht gegen, sondern für soziale Menschenrechte demonstriert.

RE: Die Schmarotzer aus dem „Club Med“ | 12.08.2012 | 19:21

@ Kritizismus12.08.2012 16:00

Nur auf drei Punkte will ich kurz eingehen - alles andere würde in Arbeit ausarten ...

"Bei diesen Staaten (Club Med) passierte die Herabstufung der Kreditwürdigkeit aber sehr schnell, ... Die Ursache dafür dürfte darin begründet liegen, dass zum einen die Finanzblase dort geplatzt ist und des Weiteren keine starke Exportfähigkeit in diesen Länder vorhanden ist, sondern eine starke Güter-Importabhängigkeit."

Die Finanzblase ist weltweit geplatzt, beginnend mit der Immobilienkrise 2007 in den USA, dann 2008 der Lehman-Crash und nachfolgend die globale Finanzkrise.

Aber Sie werfen eine gute Frage auf: Warum geriet Südeuropa ins Visier der Rating-Agenturen und der Finanzmarktakteure? Das begann mit der Griechenland-Krise Ende 2009. Sehr schnell wurde deutlich, dass sich das Land nicht selbst helfen kann, und dass möglicherweise das gesamte europäische Bankensystem betroffen ist. In dieser Phase haben die Hedgefonds begriffen, dass es in Europa eine Krise gibt, und dass man gegen die Anleihen von Euroländern wunderbar spekulieren kann, weil sie nicht von einer Zentralbank verteidigt werden. Sie haben sich dann einfach immer die schwächsten und angreifbarsten Länder ausgesucht. Zuerst die hochverschuldeten, Irland und Portugal, später Spanien und Italien.

"... der Club Med ... soll halt bloß nicht andere Staaten darum bitten, seine Staatsverschuldung zu finanzieren bzw. dafür zu bürgen."

Von wegen bitten: Sowohl Irland als auch Portugal wurden von der EU unter den Rettungsschirm gedrängt. Der spanische Ministerpräsident Rajoy wehrt sich noch heute mit Händen und Füßen dagegen. Es waren EU und IWF, die auf eine Lösung in der spanischen Bankenmisere drängten. In der Folge stiegen die Zinssätze für spanische Anleihen über 7 Prozent.

"Hätte Deutschland und andere Staaten nicht geholfen, dann hätten sich diese Staaten mit ihren Gläubigern einigen müssen. Was darauf hinausgelaufen wäre, dass diese Staaten in die Insolvenz gegangen wären ... In meinen Augen wäre das die beste Lösung gewesen."

Sie glauben, es wäre die beste Lösung, alle pleite gehen zu lassen? Hacken Sie sich denn immer Arme und Beine ab, wenn die mal weh tun? Ungefähr so würde sich das auf die deutsche Wirtschaft und auf die Bankensysteme und die gesamten Ökonomie in der Eurozone auswirken.

RE: Die Schmarotzer aus dem „Club Med“ | 11.08.2012 | 15:58

sorry, ich vergaß: das bezog sich auf den Kommentar von 'Kritizismus'.

RE: Die Schmarotzer aus dem „Club Med“ | 11.08.2012 | 15:57

Danke für den Link. Und wenn diese Zahlen stimmen, dann bestätigen sie meine Thesen. Deutschland hat dann zuerst 2001 bis 2005 fünf Jahre lang den Stabilitätspakt gebrochen, mit Defiziten über 3 %. Und dann nochmal 2008 und 2009. Im vergangenen Jahrzehnt also insgesamt in 7 von 10 Jahren. Eine merkwürdige Bilanz für den obersten Sparprediger der EU. Noch merkwürdiger, dass das alles ohne Konsequenzen in Form eines Strafverfahrens blieb.

Spanien hat bis zur Finanzkrise seine Staatsschulden abgebaut. Dann folgten hohe Defizite, weil "die Blase platzte", wie Sie richtig bemerken, aber nicht nur die spanische, sondern die globale Finanzblase, an der auch die Deutschen ihren Anteil hatten. Spanien wurde von der EU sofort zu einer krisenverschärfenden Politik gezwungen. Trotzdem sind die spanischen Schulden bis heute nicht so hoch wie die deutschen.

Und dann schreiben Sie: "prompt fiel es massiv in die Miesen und muss andere Länder anbetteln". Die Formulierung zeigt ja schon, woher der Wind weht. Niemand hat hier gebettelt. Aber vielleicht werden wir beide es noch erleben, wie die deutsche Regierung bettelt, wenn Italiener und Spanier keine Lust mehr haben, sich als Spekulationsobjekte zur Verfügung zu stellen. Übrigens sieht man in der Tabelle auch sehr schön die massive Schuldendynamik in UK, weitaus dramatischer als in Spanien. Die Briten brauchen keine Hilfen, weil sie eine vollwertige Notenbank haben, die ihre Anleihen vor Spekulation schützen kann. Soviel zum Thema Zinsen und Vertrauen.

RE: Die Büchse der Pandora ist leer | 22.03.2012 | 13:04

Tatsächlich gab es schon im Sommer letzten Jahres viele Experten und Politiker, die eine geordnete Insolvenz forderten. Was folgte, waren die unsäglichen monatelangen Verhandlungen um einen freiwilligen Schuldenschnitt, zu den es letztlich nie kam. Dass Angela Merkel hier die "Hauptschuldige" war, bezweifle ich allerdings. Die CDS-Risiken bei Insolvenz bzw. erzwungenem Schuldenschnitt sind auch für die Regierungen schwer zu überblicken.
Die Finanzaufsichtsbehörden können zwar beim DTCC eine Anfrage stellen, was die Anleihen ihrer eigenen Staaten betrifft. Aber wie gut das funktioniert, ist unklar. Zumindest gibt es darüber widersprüchliche Informationen
Um die Risiken einer Insolvenz einschätzen zu können, braucht man tatsächlich Transparenz auf diesem globalen Markt. Angela Merkel bzw. die deutsche Regierung alleine kann das nicht durchsetzen. Und - man mag von ihr halten was man will - ich glaube nicht, dass sie in diesem Punkt die Bremserin war.

RE: Schockstrategie für Europa | 21.12.2011 | 12:50

@ Rapanui schrieb am 21.12.2011 um 10:28

"wer sind die "Gläubiger"?"

"Wem also gehören die Fonds und Gesellschaften? Die Namen sind von öffentlichem Interesse, deshalb sollte diese permanent öffentlich gemacht werden."

tja, ich fürchte so einfach ist das nicht. Ein großer Teil des Mittelstands hat seine Ersparnisse auch irgendwie in Staatsanleihen angelegt. Fragen Sie mal in Ihrem Umfeld. Die meisten Leute in meinem Bekanntenkreis halten auch Anleihen oder Anteile von entsprechenden Fonds als sicheres Investment.

Eine schöne Geschichte gab es vor etwa 10 Jahren, als Argentinien pleite war und seinen Haircut vorbereitete. Da stellte sich heraus, dass ungefähr 40.000 Deutsche ihr geld in argentinische Anleihen investiert hatten. Dabei viele ganz normale Rentner oder Leute aus der Mittelschicht, die eben mal ein lukratives Investment wagen wollten.

Dazu kommen die diversen privaten Versicherungen, zu denen man aufgrund der "Reformen" der vergangenen Jahre mehr und mehr gezwungen wird - wie etwa Riesterrente, private Rentenversicherungen; hier werden die Beiträge zum großen Teil in Staatsanleihen investiert. Aber auch, wer eine ganz normale Lebensversicherung hat, steckt automatisch in dem Markt mit drin.

Und Staatsanleihen sind dabei noch die harmloseste Variante. Deutsche Versicherungen dürfen einen festgelegten Anteil ihrer Gelder (die sie von den Beitragzahlern bekommen) in Hedgefonds investieren. Und Hedgefonds dürfen bekanntlich so gut wie alles, zum Beispiel auch mit Nahrungsmitteln spekulieren... Durch den Abbau der Solidarsysteme und die zunehmende Privatisierung der Risiken ist ein großer Teil der Gesellschaft längst zum Bestandteil der Finanzmärkte geworden, außer denen, die gar nichts haben.

RE: Schockstrategie für Europa | 20.12.2011 | 14:48

so funktioniert der link natürlich nicht. Über die Kopierfunktion könnte es klappen.

RE: Schockstrategie für Europa | 20.12.2011 | 14:41

@ debug schrieb am 19.12.2011 um 22:30

" ... man von einer Interessentengruppe ausgehen muss, die partei- und institutionsübergreifend über unterschiedliche Legislaturperioden hinweg diese Startegie im Konsens mit einem internationalen Trend verfolgt."

Ein in diesem Sinne sehr interessanter Text über Trichet und die Politik der EZB findet sich in der aktuellen Ausgabe der le monde diplomatique. Die taz hat ihn vor ein paar Tagen ins Netz gestellt:

www.taz.de/Aus-Le-Monde-diplomatique/!83778/

Sehr lesenswert!

RE: Schockstrategie für Europa | 19.12.2011 | 17:10

@ Rapanui schrieb am 19.12.2011 um 15:45

darüber könnte man jetzt endlos diskutieren. Für heute nur noch eine Überlegung: Wir Weltverbesserer müssen vor allem immer aufpassen, dass wir uns nicht maßlos selbst überschätzen. "Für Milliarden von Menschen das Überleben sichern", das kann niemand, es wäre einfach eine Anmaßung, sich so etwas vorzunehmen, auch wenn manche UN-Organisationen immer wieder mit solchen Formeln hantieren. Ist es nicht eher so: Es gibt Milliarden Menschen auf diesem Planeten, die mit ihren Ideen und Fähigkeiten dazu beitragen können, die Probleme auf dieser Welt zu lösen und Neues ins Spiel zu bringen, das wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können. Ist es so betrachtet nicht eindeutig realistischer und hoffnungsvoller?

Herzliche Grüße

RE: Schockstrategie für Europa | 19.12.2011 | 15:49

@rapanui

Ihren letzten Satz finde ich beneidenswert schön, hätte ich gerne selbst geschrieben.

Mit "Schockstrategie" bezeichnete Naomi Klein eine Strategie, die den Schock systematisch als Mittel einsetzt, so wie die US-Armee mit ihrer "shock and awe"-Strategie im Irakkrieg. Im Kontext von Schuldenkrisen waren es die IWF-Programme, die Schock-Methoden umsetzten, und darauf bezieht sich der Begriff auch in dem Artikel.