Nürnberg, Ludger Faulbaum

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Bei einem Besuch Nürnbergs zu Zeiten, die vom Christkindlmarkt noch weit entfernt waren, stolperte ich ohne jeden Grund und wurde von einem jungen Mann aufgehoben, dessen Geschichte mich meine überdehnten Bänder vergessen ließ. Anwalt, sagte er mir, sei er, freilich der letzte in einer großen Kanzlei, also der, dessen Name ganz unten auf Briefköpfen zu finden sei, auf dem Schild der Kanzlei jedoch überhaupt nicht, das lohne keine neue Gravur, während Briefköpfe ja höchstens noch kopiert würden.

Er habe, erzählte er mir, zur Übung den Fall des Ludger Faulbaum übernehmen müssen, der in einem gottverlassenen Dorf die Sparkasse mit einem Strumpf über dem Kopf betreten habe, um allerunschuldigst 55 D-Mark abzuheben, woraufhin sich alle in der dörflichen Geldzentrale Befindlichen grundlos zu Boden geworfen und um ihr Leben gewinselt hätten. Der Faulbaum habe jedoch keineswegs die Absicht des Überfalls verfolgt, vielmehr habe er morgens vor dem Spiegel beim Rasieren festgestellt, dass eine Schläfenader hervortrete, weshalb er sich aus Angst vor einer Krampfader, die zu einer Kopfthrombose führen könne, einen Kompressionsstrumpf seiner Mutter übergezogen habe, um so ordnungsgemäß die 55 D-Mark abzuheben.

Alle Zeugen kannten den Faulbaum als grundehrlichen Menschen - aber weiß man´s? Weiß man´s denn wirklich?

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