Angeseilt in den Bundestag

Parteisteiger Die Linke, eine Partei im Bundestag, hat einen Anspruch. Doch der Mitgliederverlust legt politische Flächen brach. Entschuldigen kann man das nicht, doch erklären.
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Die Linke im Osten klopft sich oft auf die Schulter, wenn Wahlergebnisse realpolitisch aufgewertet werden. Schweigen im politischem Walde vernimmt man dagegen, wenn es um die Mitgliederentwicklung geht.
http://i.imgur.com/FVZ7oYz.jpgOb der Parteisteiger nun gerade klettert oder absteigt, ist abhängig vom Betrachtungswinkel. Ich schaue mal von ganz unten...

Gerade hat die Linke in Thüringen ihre Landesliste für die Bundestagswahl beschlossen. Man setzt auf bewährte Namen:

  1. Bundestagsabgeordnete
  2. Bundestagsabgeordneter
  3. Landtagsabgeordnete


Leider lief bis dahin nicht alles medienwirksam glatt, da die Spitzenkandidatin, die vom Landesvorstand vorgeschlagen wurde, weniger als 50% bekam. Die Vertreterkonferenz musste sich unterbrechen. So richtig wollte im Vorfeld aber keiner sich gegen die Kandidatin aussprechen. Es gab keine Fragen, keine Gegenkandidatin, nur ein Abstimmen gegen den Vorschlag des Landesvorstandes. Man hat nur noch Kreuz, aber keinen Mut, das Wort zu führen...

Berlin hat es ja vorgemacht, wie Mann und Frau einen Generationswechsel verstehen sollen. Er findet einfach nicht statt. Weit weg sind Themen, linke, demokratische Haltungen, die die Begrenzung von Amtszeiten fordern, um ein Berufspolitikertum und dessen Gewächshausatmosphäre zu unterbinden.

Immer, wenn es um bezahlte Abgeordnetenplätze in Land- oder Bundestag geht, finden sich genügend Linke, die sich auf den vorderen Plätzen drängeln. Jene, die schon Jahre und Jahrzehnte in Diätentagen sitzen, halten sich meist besonders fest an ihren Stuhllehnen fest.

Eine große Lücke klafft dagegen, wenn es um linke Bewerber für Mandate in kleineren Städten und Gemeinden geht. Das bürgerliche und freibürgerliche Lager schafft es fast immer, genügend Kandidaten für den Gemeindevorschlag aus allen Orten zu organisieren. Hier wird die wahre Verankerung der Ostlinken deutlich. Zwar gibt es Orte, in denen bis 40% für die Linke bei Land- und Bundeswahlen stimmen, aber kein Mitglied vor Ort aktiv oder gar ansprechbar ist. Das Land dünnt sich aus, auch dort, wo linke Bundestagsabgeordnete ihren Wahlreis haben. Politisch unnachhaltig werden Zukunftsfragen der Feuerwehr überlassen. Wer allerdings in 5 oder 10 Jahren hier wirklich löschen soll, ist fraglich.

Und was passiert? Zunehmend bildet sich ein Geflecht aus Abgeordneten aus Landtag und Bundestag, aus Mitarbeitern der Abgeordneten, aus hauptamtlichen Funktionären und Geschäftsstellenleitern. Jenes Geflecht ist stabil und strukturiert sich nach jeder Wahl neu. Es bildet sich aus, wenn die http://imgur.com/wiyC9NC.jpgWahlergebnisse es zulassen, dass anschließend genügend Abgeordnete bürgerliche Diäten bekommen. Zugleich wird der Anteil normaler Mitglieder immer geringer. Sie sterben einfach weg. Es wird für jene, die die Kraft haben, immer schwieriger, das Geflecht aufzuschneiden. Sie werden zu Nörglern erklärt. Dabei ginge es doch immer um Geschlossenheit vor dem Wähler. Streit wird vertagt, verliert sich in Unmotiviertheit und Resignation.

Die Partei wird immer professioneller. Man arbeitet jetzt zeilenweise, um Erfolge, falls sie denn kommen in eine Wahlstrategie kurzfristig einarbeiten zu können.
http://i.imgur.com/zvY7mPc.jpgPeinlich, wenn die Landespresse davon Wind bekommt, da das Dokument frei im Internet zur Vorbereitung des Landesparteitages verfügbar war.

Natürlich wollen wir ältere Menschen nicht diskriminieren. Natürlich sollen sie aktiv am Leben, am politischen Leben teilnehmen, sich einmischen. Letztenhttp://i.imgur.com/samS2Yw.jpgdlich werden wir, ich auch mal alt, so richtig.
Doch manch Pressefoto, manch Versammlung, manch Besuchergruppe im Bundestag, manch Wahlveranstaltung erinnert an den Ausflug einer Seniorengesellschaft, bei der nur noch der Vertreter für Wärmedecken fehlt.

Haben wir den Ernst der Lage erkannt? Zwar haben andere Parteien ähnliche Probleme, doch die Linke plakatiert einen anderen Anspruch. Zwar redet die Linke oft von Nachhaltigkeit, das betrifft jedoch nicht die eigene Partei.

Und nun? Herr Debes von der Landespresse wird in die Tasten hauen: "Machtkämpfe offen ausgebrochen, stellvertretende Landtagspräsidentin abgestraft, blasser Kompromisskandidat".

Die Kandidaten der Linken werden doch (auch) geschult, um mit solchen Dingen offensiv umgehen zu können. Jemand, der seit 1990 oder schon zu DDR-Zeiten hochpolitisiert nie eine Schippe in der Hand hatte und das Rotationsprinzip immer nur bei anderen gesucht hat, sollte doch so langsam frei reden können. Oder? Die bessere Doppelhaushälfte hat er ja schon...

http://kyf.net/freitag/utb.php?d=02.03.2013

13:04 02.03.2013
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Geschrieben von

Gustlik

aufgedacht und nachgeschrieben
Gustlik

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