Ein Runder Tisch ohne Stühle

Eckwerte Tischler sterben aus. Die westliche Werteordnung muss sich beeilen, um noch einen Runden Tisch in Auftrag geben zu können.
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Historisch gesehen läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken, wenn ich mich an den Blick auf das Tor der Gdansker Lenin-Werft erinnere.
Völlig aus der Art geschlagen konnte man die letzten Wochen die Geschichte von Jan Palach im Fernsehen verfolgen. Und nun gab es Nachschlag mit einem Brief an Eva.

Es ist immer wichtig, sich mit Geschichte zu beschäftigen. Man möge den jungen Menschen heute sagen, dass viele Antworten in einem Blick ins Zurück zu finden sind. Natürlich muss man sich die Fragen stellen wollen. Hört man doch nur zu oft: "Da habe ich jetzt gerade nicht so den Überblick!?"

Barrikaden wurden in allen Jahrhunderten gebaut. Und sie werden gebaut werden. Auf einen Aktivisten kommen heute fünf Passivisten, die mit ihren Handlichen daneben stehen, um Zeitgeschichte zu twittern. Sie könnten die Sache wirklich beschleunigen, wenn sie mehr Augenzeuge und weniger Handyzeuge wären.

Zwischen den Zeilen suche ich den Rest der ungarischen Reformkommunisten, die den Stacheldrahtzaun abgerissen haben. Was ist davon geblieben?
Wenn ich mir ein gutes Stück ungarische Salami anschneide, wird der typische Geschmack mehr und mehr von Jobbik zerstört.
Von Imre Pozsgay zu Viktor Orbán? Manche werden sagen, dass sie schon immer, auch unter Hammer und Sichel, ostblockiert darauf hingearbeitet haben. Andere werden...

"Unsereiner, der vor einem Vierteljahrhundert so naiv war, in der staatlichen Zensur die größte Gefahr für die Pressefreiheit zu sehen, schreibt in linken Zeitschriften, die kein Geld für Honorare haben."
Julian Bartosz (ND 5.4.14)

Ob es jemals wieder Runde Tische geben wird?
Zu einem Machtverlust nach einer Machtteilung wird es nie wieder kommen. Wenn das System heute mit dem Rücken zur Wand steht, gibt es keine Tischler mehr. Jeder kann sich seinen eigenen Span darauf machen und sich einen Reformkorb holen.
Es besteht auch keine Gefahr, dass Reformkapitalisten die heutigen Stacheldrähte durchschneiden, um so die Verteilungsverhältnisse zu verändern.

Ein Blick zurück... und es bleibt alles beim Alten.

http://kyf.net/freitag/utb.php?d=07.04.2014

09:46 07.04.2014
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Geschrieben von

Gustlik

aufgedacht und nachgeschrieben
Gustlik

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