RE: Liu Xiaobo, 1955 - 2017 | 16.07.2017 | 11:42

Es erstaunt mich die immer wieder, was einen in autoritären Regimen alles hinter Schloß und Riegel bringen kann. Für China öffentlich 300 Jahre Kolonialherrschaft als Mittel der Demokratisierung zu fordern erscheint mir versponnen und wenig geeignet, "das Volk" gegen die Partei aufzuwiegeln.

RE: Wie eine Dampfwalze | 01.07.2017 | 22:28

Was ich gern einmal von den Kritikern der zu schnellen Einheit erklärt bekommen würde: Wie hätte die DDR nach 1989 als eigenständiger Staat stabilisiert werden sollen? Es ist doch absurd anzunehmen, dass der Westen dauerhaft Waren und Geld gen Osten transferiert, ohne dass dessen Führung im Gegenzug dort die Kontrolle übernimmt. Und ohne Stützung durch die BRD, aber ohne jede kulturelle und rechtliche Hürde für Auswanderer, was hätte die Menschen, welche zuvorderst an der Verbesserung ihrer Konsummöglichkeiten interessiert waren (vermutlich nicht wenige) in der DDR gehalten? Die Aussicht auf tolle Experimente bezüglich Demokratie, Selbstverwaltung, etc.?

Dass die Einheit am Ende einen Großteil der ehemaligen DDR-Bürger zu wirtschaftlich, kulturell und politisch Benachteiligten im gemeinsamen Staat wetden ließ, keine Frage. Aber die Vorstellung, dass da eine irgendwie reformierte DDR auf Jahre hätte weiterexistieren können, erscheint mir komplett illusorisch.

RE: Politisches Erdbeben | 15.05.2017 | 14:56

Wie wär's mit Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Reichensteuer?? Spürbare Erhöhung von HartzIV, Kindergeld, Mindestlohn, Steuersenkung für niedrige bis mittlere Einkommen?

Nicht, dass ich etwas gegen diese Forderungen einzuwenden hätte. Aber ist das nicht im Wesentlichen die Wunschliste der Linkspartei, mit der sie in den westlichen Bundesländern kaum mal einen Fuß auf den Boden bekommt?

RE: Politisches Erdbeben | 15.05.2017 | 14:52

Ich wohne zwar nicht in NRW, aber hier erlebe ich es so: „Es ändert sich eh nix, ausser dass es langsam schlechter wird. Man muss sich halt durchfretten.“

Dieser Eindruck ist nur schwer mit dem deutlichen Anstieg der Wahlbeteiligung in Einklang zu bringen.

RE: Angst ist ein schlechter Ratgeber | 14.02.2017 | 15:40

Der Masernimpfstoff kostet gut 35 Euro pro Injektion. Zu behaupten, dass es ökonomisch sinnvoller sei, jeweils den Antikörperstatus zu überprüfen (Blutprobe->Labor->gegenbenenfalls neuer Arzttermin mit Impfung), anstatt einfach die gesamte Bevölkerung zweifach zu impfen, erscheint mir sehr fragwürdig.

Auch ist für mich nicht nachvollziehbar, dass man zwar die Pocken dank Impfkampagnen ausrotten konnte, dies aber im Fall der Masern unmöglich sein soll.

Dass die Masern früher als weniger dramatisch angesehen wurden, liegt an dem damals ungleich höheren Aufkommen von schweren Erkrankungen und Todesfällen. So war meine Mutter (geb. 1956) ein kränkliches Kind. Als sie im Alter von 3 Jahren für Wochen nicht aus dem Bett kam, meinte ihr Großvater zu den Eltern "Das Kind werden wir wohl verlieren". Der Mann entstammte eben einer Zeit, in der Menschen starben wie die Fliegen.

RE: Wie der Tagesspiegel Fakten verdreht | 14.02.2017 | 14:23

Wozu dieser Artikel? Jede Seite kann für sich in Anspruch nehmen, nur deswegen zu schießen, weil die andere Seite ja auch schießt. Und wer schießt, der trifft auch Unschuldige.

RE: „Ohne die Kinder hätte ich das nicht gemacht“ | 26.11.2016 | 22:40

Die Frau ist arm dran. Ich weiß, dass man ihr und den Kindern nur das Beste wünschen kann und Vorwürfe nicht angebracht sind. Wenn ich aber dies hier lese ...

„Wären die Kinder nicht gewesen, hätte ich das nicht so gemacht“, sagt sie. Dann wäre sie nicht immer wieder zu Stefan zurückgekehrt.

... dann will ich schreien vor Wut!

Können diese Frauen denn nicht begreifen, dass sie gerade um ihrer Kinder willen, den Kontakt mit ihren gewalttätigen Partnern schnellstmöglich hätten abbrechen müssen? Glauben die das wirklich, dass sie sich aufopfern müssen, damit ihre Kinder solche Väter haben dürfen? Oder ist es eine Schutzbehauptung, weil es am Ende doch sie selbst sind, die sich nicht trennen wollen/können? Wie kann man so ein blind sein, die eigenen Kinder dem auszuliefern? Wie kann man es gut finden, wenn die Kinder zutrauen fassen zu jemanden, der sie bald darauf quälen wird? Der Witz ist ja, dass Vertrauen und Zuneigung alle psychologischen Abwehrmachnismen, die gegen Böses von Seiten von "Fremden" bereit stehen, lahmlegen.

Meine Mutter hat mir auch so eine - nennen wir es mal - "Bezugsperson" beschert für ein paar Jahre. Bald ein Vierteljahrhundert später bin ich immerhin soweit, die Schäden in meiner Psyche zu begutachten und Aufräumarbeiten ins Auge zu fassen.

RE: Begründete Selbstzweifel | 26.11.2016 | 22:17

Statt der Erleichterung, dass Russland diese Länder ohne Widerstand, schon gar keinem blutigen, in die Unabhängigkeit entließ, bauen gerade diese Länder hetzerisch eine nicht vorhandene Feindschaft auf!

Diese Länder wurden "entlassen" in einem Moment beispielloser Kraft- und Hilflosigkeit der sovietischen bzw. russischen Führung. Mit Großmut oder Friedfertigkeit seitens der Kremlführung hatte das nichts zu tun. (Und - soviel Klugscheißerei sei mir gestattet - völlig unblutig lief die Geschichte auch nicht ab, siehe Litauen.)

Dass ein wiedererstarktes Russland bereit und in der Lage ist, seine Interessen in Nachbarländern auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen, sorgt in einigen Staaten Osteuropas verständlicherweise für Panik. Man hat dort so seine Erfahrungen. Ebenso wie viele andere Nationen auf der Welt, die unter imperialistischer Knute zu leiden hatten.

Freilich braucht das kein Grund zu sein, sich die Weltsicht dieser Staaten zu eigen zu machen.

RE: Keine Solidarität | 15.11.2016 | 12:49

Ebenso die Freundinnen, Mütter, Schwestern und Kinder der drei Millionen, die demnächst zurück nach Haus ins Latinoland geleitet werden; für die wird sich auch nichts zum Nachteil ändern, wieso auch?

Gut möglich, dass sich in dieser Hinsicht unter Präsident Trump gar nicht soviel ändert. Je nachdem wie man die genannten Zahlen interpretiert, kann man diese "Abschiebungsquote" auch mit business as usual erreichen: http://fivethirtyeight.com/features/there-arent-2-to-3-million-undocumented-immigrants-with-criminal-records-for-trump-to-deport/

Bei dem Wenigen, was er bisher seit der Wahl von sich gegeben hat, agiert Trump erstaunlich geschickt.

RE: Keine Solidarität | 14.11.2016 | 12:57

What's the big difference?

1) Trump hat eine sehr gefährliche Rhetorik hochffähig gemacht. Z. B. das missliebige Urteil eines Richters darauf zurückzuführen, dass dieser ein Hispanic ist. Selbst der verrückteste, gottloseste Liberale könnte sich ja irgendwann in einen vernünftigen konservativen Christen wandeln. Die Ethnie dagegen kann man nicht wechseln. Solches Gerede stand immer am Anfang, wenn man sich hinterher über ethnische Konflikte wundert. Und es gibt verdammt gute Gründe, warum dergleichen in den USA bis gerade eben verpönt war.

2) Clinton hat - vermutlich nicht zuletzt unter dem Eindruck von BERNIE - einige Verbesserungen im Bereich der Sozialpolitik in Aussicht gestellt. Siehe oben z. B. den bezahlten Mutterschaftsurlaub. Das wurde halt katastrophal verkauft.