Steinbrück will mehr

17.000€: zu wenig Steinbrück macht sich wieder 'beliebt': mehr Gehalt für kanzler. Politiker arbeiteten viel und leisteten mehr als mehr verdienende Sparkassendirektoren.
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Da war er mal wieder auf seine Art zumindest ehrlich, der Steinbrück. Er hält 17000€ für Bundeskanzler zu niedrig angesetzt, wie überhaupt Politiker, auch die Abgeordneten zu wenig erhielten (die kriegen ohne die steuerfreie Zulage ca. 8000€ monatlich). Jeder Sparkassendirektor, so unser Sozialdemokrat, verdiene mehr und habe keinen Job rund um die Uhr und das auch noch sieben Tage in der Woche.

Der Vergleich mag so stimmen, die Frage ist doch aber, ob der immer wieder, nicht nur von Steinbrück, auch von manchen Journalisten gebrachte Hinweis auf die Gehälter in der Wirtschaft legitim ist. Erstens leben Politiker von - unseren - Steuergeldern, zweitens ist es heuchlerisch, einerseits auf die astronomischen Managerbezüge und ihre Boni kritisch hinzuweisen, um dann bei anderer Gelegenheit sich mit ihnen zu vergleichen und auch mehr vom Finanzkuchen abschneiden zu wollen. Zumal man unterstellen darf, dass viele in die Politik gehen, weil sie wissen, dass sie im Falle eines (Partei-)Postens ausgesorgt haben dürften. In ihren früheren Berufen , so sie denn überhaupt nach dem Studium darin gearbeitet haben, haben Politiker weit weniger verdient: welcher Lehrer kriegt 8- oder mehr tausend Euro, welcher Jurist, welcher sonstige Beamte etc.? Und nicht jeder HInterbänkler - das sind die meisten - arbeitet rund um die Uhr an sieben Wochentagen, wie Steinbrück suggeriert.

Ich denke, von 17000€ und auch von den 8000 oder 12000€ (mit Zulagen) kann ein Mensch gut leben, das erst recht, wo unsere Damen und Herren Volksvertreter doch rund um die Uhr arbeiten und gar keine Zeit haben dürften, ihr vieles Geld auszugeben. Steinbrück will mit seinem Plädoyer wahrscheinlich die Wertschätzung von sich und Seinesgleichen Arbeit angehoben wissen. Bei Einkünften ab einer gewissen Größenordnung hat das Geld mehr eine psychologische als eine rein materielle Bedeutung. Denn, wie gesagt, sehr gut leben kann man auch von den gegenwärtigen Politikerbezügen.

Hinzu kommt der Skandal der Übergangsgelder und Versorgungsregelungen für Politiker, die im Vergleich zu denen von uns Normalbürgern nachgerade obzön sind.

Nein, Steinbrück hätte es gut angestanden, sich beispielsweise für deutlich mehr Geld für Krankenschwestern und Krankenpfleger, Sozialarbeiter, Einzelhandelsmitarbeiter etc. zu fordern. Aber die sind ihm, allen jetzt vorgetäuschten Lippenbekenntnissen zum Trotz, egal.

Brisant wird Steinbrücks neuerlicher Vorstoss durch die Tatsache seiner Kanzlerkandidatur, zeigt er doch, was ihm zuvörderst wichtig ist. Wahrscheinlich wird man in der SPD über seine neue Eskapade nicht glücklich sein, aber den Mut auch nicht aufbringen, ihm die rote Karte zu zeigen. Möglicherweise wollen sie das auch gar nicht, schließlich ist die SPD ungeachtet aller wahlkampfgeleiteten Modifikationen mancher alten Positionen schon längst keine soziale Partei mehr. So gesehen muss man Steinbrück schon wieder dankbar sein, macht er das besonders deutlich.

Wahrschdeinlich wird die Kritik an Sterinbrücks Vorstoss wieder schnell als "Neiddebatte" bezeichnet werden. Abner das ist sie nicht, hier geht es um Maßstäbe und m Gerechtigkeit. Und um die Prioritäten eines Kanzlerkandidaten.

19:46 29.12.2012
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Geschrieben von

H.Hesse

"Wenn es nur eine Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen." Pablo Picasso
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