das superding.

ein lehrstück. in der öffentlichkeit ist es still geworden um die teuren und ungeliebten stromtrassen von norden nach süden. der gesetzgeber hats genehmigt. widerstand zwecklos.
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das superding hieß mal desertec, das über tausende von kilometern kabel solarstrom aus der sahara nach europa leiten sollte. nach dem erkalten des arabischen frühlings ist man ein wenig bescheidener, bleibt im lande und baut südlink, die ca. 800 km lange stromtrasse von schleswig-holstein nach bayern.

noch regt sich, wenn auch kaum noch wahrnehmbar, entlang der geplanten hochspannungsleitung protest. was aber einmal genehmigt ist, lässt sich nicht so leicht wegprotestieren - von ein paar anwohnern. so ist nun mal das her- und auskömmliche demokratiestaatsverständnis.

was heißt es da schon, gegen das superding südlink zu argumentieren, es sei so überflüssig wie eine mittlere sturzregenüberschwemmung, weil durch einen dezentralen netzaufbau nicht nur der protest eingespart werden könnte, sondern auch die milliardeninvestition?

das superding südlink ist aber kennzeichnend für die zentralistenmasche, zu klotzen statt zu kleckern. denn nur so können höchste summen eingesetzt und schließlich auch wieder hereingespielt werden. der widerstand - auch in ohm - oder die störanfälligkeit der zentralen stromversorgung sind längst vom tisch gewischt.

die ausgangslage sagt, die nordlichter hätten den meisten wind. das ist unleugbar richtig. müssen sie aber darum die dreimal teureren offshore-windparks (als die an land) bauen, um den südstaatlern in bayern und baden-württemberg strom zu liefern, den die bequem aus der sonne pflücken können? die milliardenkosten sind offenbar kein hindernis. im gegenteil. das ist eine sichere geldmaschine. zentralismus und kapitalismus sitzen im selben boot.

mit der energiewende geld zu verdienen, ist ja nicht ganz verboten. geld zu verlieren, aber auch eine möglichkeit, die z.b. von rwe, einem der gröbsten, öhm, größten player im fossilen energiegeschäft, gründlich genutzt wurde. jetzt hat der konzern schon seine zentrale in essen zu geld machen müssen. aber südlink ist kein projekt der energiewende, wenn es auch so verkauft wird.

21:01 02.10.2014
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Geschrieben von

h.yuren

buchveröffentlichung 2017, KRAH - das rabentagebuch, 350 S., 8 fotos ISDN 978-3-945265-45-1; Tb. 15,-
h.yuren

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