die hochgehandelte.

demosherrschaft. platon schätzte sie nicht. sie sei die vorstufe zur tyrannei, schrieb er. der westen heute lobt sie über den grünen klee. dazwischen liegen zwei satte jahrtausende.
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platon konnte sich nicht nur auf seine beobachtungen in athen berufen. er war aristokratensohn und macht kein hehl daraus. als die abendländler vor einigen hundert jahren das gelobte land neu entdeckten in althellas, wurde die renaissance daraus. altes lebte noch einmal neu.

es dauerte geraume zeit, bis die alten staatsformen an der reihe waren, speziell die demokratie. das ancien régime in der absolutistischen monarchie frankreichs bot den boden dafür. montesquieu forderte die konsequente teilung der gewalten, die bis heute gültige gewaltenteilung von legislative, judikative und exekutive.

andere lumières gingen noch ein paar schritte weiter mit ihren forderungen. die überkommene herrschaft von klerus und adel stellten sie grundsätzlich in frage. schließlich hielten sie die menschenrechte gegen die privilegien der herrschenden. die schaukelfahrt der geschichte ließ den alten adel untergehn und schloss den klerus vom staatsgeschäft aus. revolution ist der name der veränderungen.

die usa hatten es einfacher. sie mussten sich nur vom herrn, dem kolonialherrn des britischen empire, lossagen. eine party reichte. seitdem sind freedom und democracy die schlagworte, mit denen die weltmacht werbung in eigener sache macht. mit platon zu reden, ist das ergebnis nicht demokratisch, eher wohl oligarchisch zu nennen.

als aussichtsreichster aspirant auf demokratische loorbeeren steht allein die kleine schweiz zur wahl. an ihren verhältnissen müssen sich alle demokratien messen lassen. selbst platon würde nicht zweifeln an der demokratie der eidgenossen. nur, ablehnen als verwerfliche staatsform würde er sie ebenso gewiss. zu parteiisch und zu unwissend waren dem schreiber der nomoi die wahlberechtigten aller länder.

11:20 04.06.2016
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Geschrieben von

h.yuren

buchveröffentlichung 2017, KRAH - das rabentagebuch, 350 S., 8 fotos ISDN 978-3-945265-45-1; Tb. 15,-
h.yuren

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