"Die Zukunft pflanzen"

Dokumentarfilm. vorgestern nachmittag brachte arte den dokumentarfilm von marie-monique robin "Die Zukunft pflanzen". seitdem überlege ich, ob ich mir nicht einen fernseher zulege.
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in den nachrichten geht die meldung fast unter, dass noch immer ein sechstel der weltbevölkerung hunger leidet. jean zieglers reden und büchern zum trotz. auch die millenniumsziele der uno haben daran nichts verändert.

die filmemacherin robin setzt ein hoffnungszeichen dagegen. sie zeigt anhand vieler beispiele aus mexiko, japan, malawi, kenia, senegal, usa und mehreren europäischen ländern, dass ökologische landwirtschaft den hunger besiegen könnte.

die über den globus verstreuten initiativen, die robin dokumentiert, leisten wirklich erstaunliches, ja, bewegendes. schlaue bauern in afrika kooperieren mit forschungsinstituten der ökolandwirtschaft. das ergebnis: wo hunger herrschte im dorf, sind plötzlich ohne gift und gene höhere und gesunde erträge auf den feldern als mit der üblichen üblen agroindustrie.

robin leitet daraus die kühne these ab, mit bio könnten selbst neun milliarden menschen gesund ernährt werden. bedingung: radikale abkehr von der konventionellen agroindustrie sowie entwicklung und förderung der bäuerlichen ökolandwirtschaft.

freilich stehen der nachhaltigen nahrungsmittelproduktion die etablierten agrokonzerne mit ihren unterstützern in fast allen regierungen der welt im weg. die wollen ihren verschwenderischen kurs beibehalten, weil er vorübergehenden gewinn verspricht.

das alternativprogramm wendet sich weitgehend vom weltmarkt ab. es bevorzugt die direktvermarktung lokal oder regional. kurze wege, gesunde produkte, ein intakter boden sind die merkmale der neuen wirtschaftsweise. nicht zuletzt ist es die persönliche bekanntschaft von produzenten und konsumenten, die für den neuen umgang so bezeichnend ist wie das beiderseitige interesse am ökologischen wirtschaften.

der japanische kleinbauer (mit zwei bis drei hektar anbaufläche), der in der nähe von tokio seine städtische kundschaft mit individuell sortierten produktkörben versorgt, ist typisch und inzwischen ein weltweit praktiziertes modell. der britische ökonom e.s. schumacher, der das wirtschaften im kleinen format mit dem slogan "Small is beautiful" propagierte, hätte seine freude an dieser entwicklung.

die ökologische landwirtschaft, wie sie im film gezeigt wird, geht einher mit einer weitreichenden dezentralisierung, bis hin zu kleinen autarken kreisläufen. das ist eine bemerkenswerte parallele zur dezentralen energiegewinnung, die heute technisch überall möglich ist, aber von den alten strukturen der netze mit den dicken spinnen der konzernzentralen und großkraftwerke darin gebremst und möglichst verhindert wird.

ein hausbesitzer, der keine energie selbst produziert, ist genauso ein banausischer ressourcenverschwender wie der landbesitzer, der den boden nicht ökologisch nutzt.

mich erinnert robins dokufilm an den pädagogen comenius, der im 17. jahrhundert lehrte, es sei doch zweckmäßiger, dass ein schulmeister nach dem vorbild des bäckers, der im großen backofen statt einiger weniger brote gleich hundert in einem durchgang produziert, dank neuer didaktik hundert schüler gleichzeitig unterrichte. das war die mechanikbegeisterung jener tage, die heute ihre größten erfolge feiert und dabei ist, mensch und erde zu verbrennen.

09:56 10.11.2012
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Geschrieben von

h.yuren

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h.yuren

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