Er entschuldigte sich

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im deutschen gibt es zweiffellos zuviel reflexive verben. 'sich entschuldigen' ist ein hübscher beleg dafür. doch dudens finden sich nichts dabei: "(e. + sich) jmdm. sagen, dass es einem Leid tut, was man getan hat; jmdn. wegen eines falschen Verhaltens o.Ä. um Verständnis, Nachsicht, Verzeihung bitten: ... "
auf das letzte wörtchen kommt es an: man bittet um verzeihung, verständnis. sich (selbst) zu entschuldigen ist allzu bequem. und es ist unglaubwürdig, wenn es aus dem mund eines politikers kommt, der in der sache ein wiederholungstäter ist wie aktuell jürgen rüttgers, der nrw-ministerpräsident (cdu). rüttgers hat wiederholt in wahlkampfreden generell die arbeitshaltung der rumänen in diskriminierender weise als unzuverlässig bis wertlos dargestellt. wenn der ministerpräsident im wahlkampf ein kollektivurteil einsetzt, wenn er die öffentliche herabsetzung DER rumänen für seine politischen ziele nutzt, hat er sich so gründlich in der wahl seiner mittel vergriffen, dass für ihn ab sofort ein redeverbot gelten müsste.
aber nein, der herr entschuldigte sich. und damit ist für ihn der fall erledigt. er kann weiterreden.
doch der cdu-generalsekretär hendrik wüst unternimmt sicherheitshalber zusätzlich den versuch, den nrw-ministerpräsidenten mit der frage zu entschuldigen, was denn schlimm daran sei, wenn jürgen rüttgers sich vor die arbeiter in nrw stelle.
für diesen entschuldigungsversuch , der die diffamierung der rumänen geflissentlich verschweigt, müsste der herr wüst nun seinerseits um verzeihung bitten: die für den wahlkampf diskriminierten rumänischen arbeiter und die deutsche öffentlichkeit.
aber auf gut deutsch nennt man die aktion des sekretärs wüst wohl eher 'schützenhilfe'. man soll ja nicht jedes wort auf die goldwaage legen, nicht wahr?

09:48 08.09.2009
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Geschrieben von

h.yuren

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h.yuren

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