kontinuität.

tradition. es dauerte nicht lange, bis die rede von der "stunde null" kritisiert wurde. die hatten sich leutchen ausgedacht als das ende des 1000-jährigen reichs.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

es sollte danach alles besser werden. ein totaler neuanfang nach dem totalen krieg. man kennt das ja aus der filmtechnik: schnitt.

die millionen menschen aber lebten weiter. ihr leben kannte die zäsur vielleicht im staatsbetrieb. keine deutsche uniform, kein deutscher beamter mehr.

doch das gebräu, aus dem die nazifurie aufstieg, das gebräu war noch da. und täter kamen ja auch bald wieder zu ehren und ämtern. nachzulesen im braunbuch der ddr.

irgendwas war unfertig liegen geblieben in den 1000 jahren. zum beispiel der vw, der volkswagen für die volksgemeinschaft. es dauerte nicht lange, bis das projekt "jedem deutschen ein auto" wieder aufgegriffen wurde. mit was für einem erfolg!

millionen autos liefen vom fließband in wolfsburg und anderswo. und tausende straßentote und straßenkrüppel lagen auf dem asphalt. es gab eben wieder kollateralschäden, an die man gewöhnt war. kein grund zum nachdenken. treu deutscher tradition.

und dann gab es die geförderte möglichkeit, ganz groß einzusteigen ins geschäft mit der wunderwaffe. nichts wie hin! da durften wir nicht fehlen. die atomkraft hielt einzug. bis heute weiß niemand, wohin mit dem radioaktiven müll. kein grund zu zweifeln. treu deutscher tradition.

noch vor wenigen jahren beschloss die regierung der amtierenden kanzlerin, den ausstiegsbeschluss der grünroten vorregierung zu kippen und weiterzumachen wie bisher. treu deutscher tradition.

erst fukushima und die darauf folgenden umfrageergebnisse rangen der kanzlerin die revision ab. aus eigener einsicht war nichts zu erwarten. alle rechten regierungen trieben eine atompolitik, deren folgen sie nicht einmal ahnten. abgesehen von der psychopathenhaltung: nach mir die sintflut. treu deutscher tradition.

die naziverbrechen sind eine ewige schande für dieses land. die nachfolgeregierer aber erwiesen sich als brave erben des unheils. ein blick auf die straßenleichen und die millionen jahre strahlende zukunft müssen genügen.

22:32 23.02.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

h.yuren

buchveröffentlichung 2017, KRAH - das rabentagebuch, 350 S., 8 fotos ISDN 978-3-945265-45-1; Tb. 15,-
h.yuren

Kommentare 15