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ein dickes brett vor dem kopf ist stabiler und vollständiger als altfränksche scheuklappen. mit nem brett lebt es sich wunderbar unbeschwert in den tag hinein.
no risk no fun, lispeln die allerhellsten und machen so weiter wie bisher.

beispiele gibt es mehr als sand am meer. sie sind der normalfall.
etwa die freiwillige teilnahme am krieg. oder der beruf des kumpels unter tage, des testpiloten, des rennfahrers.
dann auch die freizeitaktivitäten wie rauchen, trinken (alkohol), bergsteigen, motorradfahren etc.

individuelle wagnisse ohne perspektive.
ich denke darüber hinaus an gefahren, denen viele menschen gleichzeitig und kollektiv ausgesetzt sind.
so leben z.b. ca. vier millionen menschen nah am vesuv. ja, der vulkan ist meist ruhig, wenn auch noch längst nicht erloschen. vor 66 jahren hat er sich zuletzt deutlich geräuspert.

forscherteams beobachten den berg tag und nacht. sie wissen, dass der herd heiß ist und jederzeit überkochen kann, nur wissen sie nicht, wann.
möglich bis wahrscheinlich ist ein ausbruch wie der vor knapp 2000 jahren, als die altrömischen städte pompeii und herculaneum sowie ein paar kleinere orte unter einer bis zu 20 m mächtigen schicht aus asche und lava verschwanden.

bezeichnend für die allzu menschliche kühne ahnungslosigkeit oder verbretterung ist der umstand, dass die wiederherstellung der straßen und häuser nach dem schweren erdbeben des jahres 62 noch nicht abgeschlossen war, als der vesuv im jahr 79 ausbrach und ein inferno verursachte.

rund um den pazifik bedroht der vulkanismus viel mehr menschen als in neapel und umgebung. dies beispiel steht zudem für alle anderen naturkatastrophen wie seebeben, überflutungen, stürme, dürren usw., mit denen mensch mehr schlecht als recht lebt.
historisch relativ neu ist die gefahr, die vom menschen für den menschen ausgeht. sie gewinnt mit der zeit an bedeutung und übertrifft inzwischen die bedrohung durch die natur.
allein bei verkehrsunfällen kommen pro jahr etwa eine million menschen um.

menschengemacht sind raketen und bomben, die auf menschen zielen, ja, überhaupt dazu ersonnen wurden, menschen zu töten, während die natur blindlings wütet.
wie die napolitaner mit dem vulkan leben, müssen alle menschen mit der h-bombe leben. kein experte kann uns sagen, wann und wo sie explodiert.
wahnwitzig produziert der mensch mit hilfe der atom-industrie jahr für jahr berge radioaktiven abfalls, der für viele jahrtausende hochgiftig bleibt und für den es keine sichere deponie gibt.
damit vergleichbar ist der wachstumswahn, der die wirtschaft beflügeln soll, wenngleich wir seit 40 jahren wissen, dass der zug der wachstumswirtschaft auf eine felswand zurast, die weithin sichtbar den schriftzug trägt "Die Grenzen des Wachstums".

mensch verschließt die augen vor der realität wie ein kind, das etwas unangenehmes nicht wahrhaben will.
die vollauf erwachsenen kindisch. weitsicht fehlanzeige. prometheus war einmal. lifestyle-boards sind schwer in. und die zukunft der menschheit ist ein schwarzes brett.

23:44 27.04.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

h.yuren

buchveröffentlichung 2017, KRAH - das rabentagebuch, 350 S., 8 fotos ISDN 978-3-945265-45-1; Tb. 15,-
h.yuren

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