wegen entgegen

Präpositionalfalle. der zug der germanischen sprachen ist abgefahren von den deklinationsklippen hin zur simplen nominalphrase ohne fallunterschiede.
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den abgefahrenen zug kann man z.b. im niederländischen und im englischen beobachten. wo es im konservativen deutsch noch (fast) vier fälle gibt, wenn der artikel einbezogen wird, etwa der baum, des baum(e)s, dem baum(e), den baum, heißt es im niederländischen: de boom, (van) de boom, (naar) de boom, de boom und im englischen: the tree, (of) the tree, (to) the tree, the tree.

die verfallenden fälle sorgen für unsicherheiten bei vielen sprechern. wenn die dialekte wie im niederdeutschen auch keine deklination nach altem muster mehr kennen, ist die unsicherheit noch größer. dann hört man statt des ursprünglich allein richtigen "wegen seiner" nun "wegen ihm" oder "seinetwegen". und das ist längst dudenkonform.

für den linguisten gibt es im gegensatz zum deutschlehrer keine fehler, sondern nur unterschiedlichen gebrauch. wissenschaftler versuchen, das gefühl nicht mitsprechen zu lassen. das wird gern missverstanden im sinne von "anything goes". wenn ich aber neuerdings immer öfter höre und lese, dass der präposition 'entgegen' ein genitiv folgt, der eigentlich nach 'wegen' kommen sollte, hingegen 'entgegen' den dativ nach sich zieht, wehrt sich das sprachgefühl (noch).

wenn es noch mehr menschen gibt, die mit alten ohren hören, dann wäre es ein gewinn, wenigstens nach 'entgegen' den dativ zu retten, wo der genitiv nach 'wegen' schon so gut wie passé ist.

23:13 11.07.2012
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Geschrieben von

h.yuren

buchveröffentlichung 2017, KRAH - das rabentagebuch, 350 S., 8 fotos ISDN 978-3-945265-45-1; Tb. 15,-
h.yuren

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