Zeigt her eure Füße

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auf der titelseite der renommierten wissenschaftlichen zeitschrift "Nature", nummer 463 vom 28.1.10, sind füße abgebildet. genau genommen sind vor allem die fußsohlen kenianischer läufer zu sehen, die noch nie in schuhen steckten.
wie in den beiden ersten zeilen des kinderlieds "Zeigt her eure Füße, Zeigt her eure Schuh'" befasste sich ein forscherteam mit der frage, welchen effekt schuhe auf die gelenke haben, im vergleich mit barfußläufern.
die wissenschaftliche arbeit im bereich biomechanik wurde wahrscheinlich nicht von der schuh-industrie gefördert, weil hier im ansatz schon das forscherteam es wagte, die schusterlichen fortschritte der vergangenen jahrzehnte in frage zu stellen. das nun in "Nature" vorgestellte ergebnis der untersuchung fiel denn auch niederschmetternd für die unterbeinbekleider aus: barfuß laufen ist in jedem fall gesunder, selbst auf felsenfestem grund.

wer hätte sich angesichts der auffälligen gurken, mit denen jugendliche ins leben stolpern, nicht schon mal gefragt, welche folgen die plumpe versportlichung der schuh' für die füße haben werden? jetzt haben wir es schwarz auf weiß. die wissenschaftler fanden bei der analyse des bewegungsablaufs heraus, dass noch so gepolsterte treter dazu führen, den fuß meist mit der hacke aufsetzen zu lassen; ohne schuh setzt der fuß dagegen weiter vorn auf. dadurch schont der barfußgang die gelenke, während der hackenauftritt der beschuhten füße sie stärker belastet. die folgen sind nach jahren spürbar, in den fußgelenken selbst, aber auch in knie und hüfte.
schlappen und sandalen kommen dem effekt des barfußlaufens nah, sind also auf jeden fall gesunder als die üblichen bergsteiger an den eingepferchten füßen.

in einem kommentar zu magdas schuhgeschichten plädierte ich für freifüßiges laufen in offenen schlappen und sandalen aufgrund der eigenen schmerzlichen erfahrung mit hartem geschlossenem schuhzeug und anschließendem wechsel zur leichten alternative.
dieser winter mit diesen schneemengen ist freilich der ausnahmezustand für alle leichtfüße. nur ein hund fühlt sich pudelwohl im tiefen schnee ohne stiefel.

der frauenschuh ist eine einheimische orchidee und ein gesondertes kapitel. die extravaganten formen fügen den füßen zusätzlichen schaden zu. das weiß frau mit den jahren stets besser, weil sie die folgen fühlt. ein ernster fall für den podologen.

13:40 04.02.2010
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Geschrieben von

h.yuren

buchveröffentlichung 2017, KRAH - das rabentagebuch, 350 S., 8 fotos ISDN 978-3-945265-45-1; Tb. 15,-
h.yuren

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rahab | Community
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