Findelkind sorgt für Strafanzeige

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Vor wenigen Tagen wurde in der Babyklappe des Elisabeth-Krankenhauses in Halle/S. ein Säugling abgegeben. Das Kind ist etwa drei bis vier Monate alt, macht einen gesunden Eindruck und war bisher nirgends gemeldet. Es hat eine helle Hautfarbe und befindet sich zur Zeit in "Bereitschaftspflege" bei einer Art Pflegeeltern. Sozialdezernent Kogge und Jugendamts-Leiterin Brederloh stellten nun messerscharf fest, dass die Babyklappe nur für Neugeborene da sei und stellten Strafanzeige wegen "Kindesaussetzung" gegen die (unbekannten) Eltern des Kindes. Jugendhilfeausschuss und Caritas sind entsetzt: das widerspreche dem Sinn von Babyklappen. Es gebe Absprachen, dass keine Anzeigen gestellt werden. Nun sei zu erwarten, dass "gefallene Mädchen" der Babyklappe nicht mehr vertrauten und statt dessen "dem Kind den Kopf abhackten” (Herr Bognitz). In der Lokalzeitung wird mit großem Getöse nach den Eltern des Kindes gesucht, Polizei-Schnüffler sollen wohl auch unterwegs sein und schon Witterung von den Windeln aufgenommen haben. Wieder einmal ist Halle/S. zum Panoptikum eines Ostens geworden, der noch nicht in der Moderne angekommen ist. Schade eigentlich.

00:10 14.01.2011
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Geschrieben von

hadie

Was die Arbeitnehmer jetzt brauchen, ist ein Rettungsschirm für die Portemonnaies. (Frank Bsirske)
hadie

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sachichma | Community