Wahlkampf-Gezwitscher

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Die lustlosen Pflichtübungen der sachsen-anhaltinischen Wahlkämpfer wurden hier bereits thematisiert. Einige von ihnen twittern auch, die Webseite www.halle-waehlt.de gibt eine gute Übersicht darüber. In "meinem" Wahlkreis 37, auch "Halle II" genannt, schreiben mehrere Kandidaten selbst Mikroblogs (CDU, FDP, Piraten), der Rest beschickt Twitter von seinen Parteibüros aus. Nach einer Viertelstunde folge ich ihnen allen, unter meinem Decknamen Winterreisender. Die Piraten schicken mir sofort eine persönliche Nachricht: "Möchtest Du uns beim Plakatieren helfen?" Eher nicht. Dann fragen die Grünen an: "Möchtest Du uns ein Großplakat spendieren?" Habe ich mit diesen Kriegstreibern eigentlich schon zusammen Schweine gehütet?

Der beste Twitterer ist der CDU-Mann. Ich erfahre, welche Veranstaltungen demnächst im Stadthaus sind und er belustigt sich über den durchgebrannten brandenburgischen Schatzmeister. Die SPD-Kandidaten besuchen Polizeiwachen und Kindergärten. Die FDP bejubelt das Gezerre um die Hartz-"Reformen" und geifert gegen Pläne für mehr Gemeinschaftsschulen. Dann versucht die SPD, ihr Wahlprogramm artikelweise in Kurznachrichten zu pressen, was gar nicht gelingen kann. Die Linkspartei tut das, was sie am Besten kann, sie duckt sich weg. Nun meldet sich eine "Piratenlily", sie verlinkt auf Artikel von "BILD" und "ZEIT", wie peinlich. In sozialen Fragen tragen die Piraten gleich zwei Augenklappen, fabulieren in ihrem "Liquid Feedback" etwas von "Schulden-Reset". Als ob man dort einfach nur eine Taste drücken müsste. Aber Liquid Feedback ist schon interessant und eine Möglichkeit, mehr als nur einmal in vier/fünf Jahren seine Stimme abzugeben und den Rest der Zeit nur noch zwitschern zu dürfen.

14:24 25.02.2011
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Geschrieben von

hadie

Was die Arbeitnehmer jetzt brauchen, ist ein Rettungsschirm für die Portemonnaies. (Frank Bsirske)
hadie

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