RE: Romantik - Kultur - Klassenverhältnisse | 14.01.2020 | 18:51

Wenn hier niemand etwas zu monieren hat, dann muss ich doch selber den, meinen Kritiker spielen. Was dem Rezensenten entgangen ist, ist doch die Frage nach der Kategorie der Romantik bzw. der romantischen Liebe an sich.

Zwar ist diese in Kunst und (Medien-)Kultur allgegenwärtig, und auch im Privatleben sind wir damit geschlagen, aber sie ist damit doch noch nicht vom Himmel gefallen bzw. der Hölle entstiegen. (Je nach Ausgang...)

Nachdem ich über dieser Kategorie eine Weile schlecht geschlafen habe, ist mir Arnold Hausers "Sozialgeschichte der Kunst und Literatur" eingefallen, ein Buch, das in keiner guten Bibliothek fehlen darf. "Liebe" war nicht immer romantisch, kaum bei den alten Griechen, Ovid hielt sie für eine Krankheit, "die einen elend macht und erniedrigt". Eigentlich ging es mit der Romantik so richtig erst in der mittelalterlichen höfischen Kultur los, d.h. wiederum v.a. bei den Rittern. Was es damit auf sich hat, empfehle ich dort nachzulesen. (S. 201 ff.)

Ist aber eine spezifische Kulturform als historisch erkannt, und natürlich hat sie sich mit ihrer Trägerschicht gewandelt, dann ist ein weiterer Gedanke nach ihrer Funktionalität nicht weit. Mein Gedanke soll hier aber enden, indem ich doch schon die Frage stelle: braucht es Romantik überhaupt? Oder ist deren Vorhanden-Sein vor aller Instrumentalisierung bzw. kommerziellen Infiltration nicht schon ein Zeichen eines Defekts?

Jetzt wäre gefragt, wer von Psychoanalyse und Gesellschaftskritik etwas versteht... und sich an Fragen der Sexualrepression bzw. -Kontrolle und Entfremdung noch heran traut.

RE: In der "Eisenbahn" (Schwäbisch Hall) | 01.10.2019 | 09:05

Sie haben natürlich recht! Und dürfen mich gerne einen interessierten, wahlweise faulen Wein-Banausen nennen, der die Mühen, die dieses Thema durchaus bietet, scheut, dafür aber an deren Früchten gerne teilhat.

Danke für den Mehrwert!