Abstiegsgesellschaft (Kommentar)

Seufz Und eine solche Soziologie
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Liebe 3 LeserInnen,

nun habe ich den Nachtwey und seine Abstiegsgesellschaft auch schon gelesen, was bei dem dünnen Büchlein aber auch keine Kunst ist, und ich habe auf meiner Rolltreppe nach unten ja Zeit.

Das ist wieder so eine Art von Soziologie, die mir schon öfters aufgefallen ist: Bude, Beck, Rosa etc. Sie nehmen ein schönes Wort und eine einprägsame Metapher und basteln daraus eine kleine Theorie. (Wobei sich diese "linken" Freunde gerne bei jedem Sch... gegenseitig zitieren. Ist das dann die Wissenschaft?)

Am Anfang werden ein paar Romane zum Thema aufgezählt, das gefällt mir, wenn der Mann auch Romane liest, aber dann sofort wieder vergessen. (Dass ihm Schimmelbusch nicht gefällt, verstehe ich gar nicht, das ist eine schöne Satire, die die Mittelschicht mit ihren eigenen Waffen schlägt.)

Bei N. ist es im Gegensatz zum Fahrstuhl nach oben (Beck), die etwas differenziertere Rolltreppe nach unten. D.h., sie fährt eigentlich in zwei Richtungen, aber bei der Rolltreppenmetapher kann man auch laufen, das ist beim Aufzug nicht möglich. Übrigens können, wie in Stuttgart, Aufzüge auch abstürzen, dann geht's noch schneller als mit der Rolltreppe. Das ist nicht falsch, aber auch nichts besonderes. Eigentlich ein aufgeblähter Zeitschriftenartikel. Zum Schluss geht's um Protest, das ist dann schon sehr mühsam. Natürlich kommt ein bisschen Marx vor, aber zusammen mit Weber in einem Topf verrührt, und als Referenz der tote Adorno, schließlich ist er Fellow in Frankfurt, wird dessen Autoritärer Charakter noch zitiert wg. Pegida... Die Wissenschaft besteht im Zitieren und in ein paar eigenen Untersuchungen, die der gute Mann stolz einfließen lässt. Das ist keine große Theorie, nichts Neues und denkbar und dankbar brav. Vermutlich ist es gerade das an Kritik, was heute an der Universität noch geht. Man hätte das Frankfurter Institut nach Adornos Tod schließen sollen, dann wäre Habermas weniger (unangenehm) aufgefallen als "Nachfolger", und man hätte das Institut in guter Erinnerung behalten können. So erschauert man jedes mal, wenn was Neues von diesem Institut kommt.

Aber jede Anregung, danke, ist auch ein Gewinn, auch wenn der in obigen Fall etwas dürftig ist. Manche Gedanken stehen nur da, sind nicht durchdialektisiert oder radikalisiert. Man darf aber die Hoffnung nicht aufgeben, obwohl viel dafür spricht, dass aus diesen dt. Universitäten nichts Gutes mehr kommt.

PS: Das ist immerhin ein guter Gedanke: "Chancengleichheit ist daher das Gerechtigkeitsprinzip einer individualisierten Gesellschaft, denn mit ihr werden Autonomie, Eigenverantwortung und Selbstverwirklichung radikalisiert, die Konkurrenz der Individuen innerhalb und zwischen den Gruppen wird erhöht und schließlich werden soziale und solidarische Bindungen untergraben."

Wer mir dagegen deutlich besser gefallen hat:

Graeber, David: Bullshit Jobs. Vom wahren Sinn der Arbeit. Stuttgart 2018

PS: Reinald Goetz schreibt man mit a: Rainald

Siehe:

https://www.freitag.de/autoren/oliver-nachtwey/boese-banker

11:25 30.01.2019
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