Zombie Journalismus oder eben bürgerlicher Journalismus

at his best Für die „Freiheit“ darf wieder gestorben werden
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Erinnert sich noch jemand an die kurze Irritation, die der damalige Präsident des dt. Bundestages 2021 auslöste, nämlich, dass der Schutz des Lebens in dieser Absolutheit nicht richtig wäre, weil es andere Grundgesetze gibt, die sich gegenseitig beschränken und das wichtigste wäre: die Würde des Menschen ist unantastbar.

Nun, Wolfgang Schäuble ist ein beinharter Vertreter der herrschenden Klassen und hatte sicher ökonomische Bedenken, wohin ein ausufernder Gesundheitswahn uns führen und was er wohl kosten könnte?! Leider ist der Gesundheitsgedanke nicht übergesprungen, er blieb schön auf die Spritze als ihr Höchstes beschränkt; dass dafür mehr nötig wäre, blieb fein ausgegrenzt.

Nun haben wir die gegenteilige Situation. Während bisher die Freiheit eingeschränkt wurde, damit angeblich das Infektionsrisiko gesenkt, mehr Menschen „gerettet“, koste es was es wolle, eben unsere paar bürgerliche Grundrechte und die vielleicht schlimmeren „Kollateralschäden“*, so liefern wir nun schwere Waffen und die Ausbildung, diese zu benutzen, damit der neoliberale Herr Selenskyi und Co. ihr Land in eine US-Freihandelszone o.ä. verwandeln können. Dafür darf nun wieder mit dt. Hilfe gestorben werden.

Man sieht, wie schnell sich der Wert des Lebens ändern kann. Aber was ist ein Ei in Richtung einer sozialdemokratischen Hoffnungsträgerin gegen eine Panzerhaubitze? Wir sind 1914 oder 1933 – das wird sich noch herausstellen. (Hätte die „Linke“ irgendeinen Bezug zu der Namensgeberin ihrer Stiftung, hätte sie sofort die Berliner Koalition verlassen müssen.)

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PS: Was ich gerade lese: Marcus Klöckner: Zombie Journalismus. Was kommt nach dem Tod der Meinungsfreiheit? Rubikon Verlag 2021

Am Anfang war ich etwas enttäuscht; das ist mehr ein langer, zurecht wütender Vortrag als eine Schreibe. Vielleicht bin ich aber auch nicht die Zielgruppe und wir sollten das akademische Simsalabim mal vergessen; die Aufklärung ist nun nicht auf die „Dialektik der Aufklärung“ beschränkt. Auch z.B. die „Jungs“ bei BastaBerlin sind recht locker, aber sie klären auf. Wie dieses Buch nehmen sie eine kritische Haltung ein, die Respekt (Unterstützung) verdient, was man bei der bürgerlichen Presse und den ÖR vergeblich sucht. - Das wäre aber doch auch mein Kritikpunkt, die Sache ist etwas moralisch, zwar im besten Sinne, aber man müsste mehr über die Eigentumsverhältnisse sprechen. Von Schmöcken eigenes Denken zu erwarten, das ihren Klassenhorizont übersteigt, hätte schon frühere Medienkritiker erstaunt, auch wenn sie es nicht lassen konnten, Anspruch mit Wahrheit zu konfrontieren. Das ist freilich kein schlechter Anfang.

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* Was will man von Frau Berndt von der SZ anderes erwarten? Wir schlagen ihr dringend vor, auch bei ihren Videos die Maske zu tragen, denn die Gefahr lauert überall! Ich würde sie freilich unter Kollateralschaden verbuchen.

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