Au Boeuf Rouge

Niederschaeffolsheim Hotel und Restaurant
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Dieses Restaurant und das Hotel kann man uneingeschränkt empfehlen. Die Küche hat keinen Stern, kocht aber auf diesem Niveau. Das hat manche Vorteile. Das Restaurant ist zwar nicht eben günstig, aber das entscheidende Kriterium der Mittelschicht: das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Weiterer Vorteil: es gibt kein Chichi dort. D.h. natürlich gibt es weiße Tischdecken etc., perfekte Bedienung, aber eben auch nichts Überflüssiges.

Unsere Weine bewegten sich um die 30 € pro Flasche und sind durchwegs zu empfehlen: z.B. Pinot BL Becker, Pinot Noir 3 Cht. Kuentz, so stand das auf der Rechnung, mehr erinnere ich nicht, was nicht am Weinkonsum liegt, aber alles Weine, v.a. weiße, aus der Region.

Die Region, das Elsass, ist ja nicht arm an Sterneküche, umso mehr lohnt sich dieses Restaurant.

Zimmer gibt es verschiedene, unseres war nach einem Gitarristen aus der Region benannt: Biréli Lagrène. Kennt vielleicht der eine oder die andere Jazz-Liebhaberin.

Liest man im Zimmer den Hotelprospekt, muss man freilich gewisse Zweifel unterdrücken: Dass es Glühbirnen mit wenig Stromverbrauch gibt, ist ja nett, dass Abfälle sortiert werden, freut einen, dass der Kaffeesatz als Dünger für die Pflanzen verwendet wird, auch gut, wobei ich der einzige Kaffeetrinker am Tisch war. Gute Nachricht: Es gibt Filterkaffee; die Musik war so leise, dass wir sie am ersten Morgen gar nicht wahrgenommen haben, da herrschte auch etwas der Trubel, beim zweiten Morgen war sie so leise, dass sie nicht weiter störte. Auch das Wasser vom Weinkühler, und wir haben ordentlich Weißwein getrunken, wird für die Pflanzen verwendet - glückliche Pflanzen...

Zweifelhaft wird es aber, wenn ich zweimal lese: "Wir sind alle aufmerksam gegen die Verschwendung". In China wäre das ok, hier hat das einen Drohcharakter.*

Ebenfalls nervös machen einen Sätze wie: Licht brennt nur wenige Minuten im Gang oder Hauseingang, so ist kein entspanntes Herumtrödeln möglich. Leider ist auch der kleine Schreibtisch, an sich schon eine Freude, elektrisch an eine Leiste angeschlossen, die entweder volle Beleuchtung oder nichts bringt. Also, dass die Dame sich ausruht, während ich lese, geht nicht. Aber das sind Petitessen.

Zurück zum Restaurant. Empfohlen sei die Halbpension, es ist mehr als genug, abwechslungsreich, und beim Nachtisch: Käse, dann Süßes, darf hemmungslos zugelangt werden, aber da geht schon (fast) nichts mehr. Wir waren zu viert, es gab keine Kritik am feinen Essen, den vielen Gängen. Auch die Bestuhlung bzw. Tischordnung ist großzügig, was nicht immer der Fall ist; man ist und isst für sich und hat schön Platz auf dem Tisch.

Ein kleiner Mangel, aber das ist eben so in Frankreich, abends gibt es knusprige und verschiedene Brötchen als Beilage, leider findet man die morgens nicht, sondern nur Toastbrot oder Baguette. Anders herum wäre es mir lieber gewesen.

Aber nochmal: Sehr freundliches Personal, unaufdringlich aber präsent und durchaus humorvoll. Alles sehr zu empfehlen.

* Manchmal wird der Sinn des Sparens zu deutlich: Wir steigern die Profitrate - mit dem besten Gewissen. Irgendwer sollte mal ein gerne differenziertes Lob der (gezielten) Verschwendung schreiben.

http://francois-golla.com/

12:49 04.11.2019
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