Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Komische Oper Berlin komischer Brecht
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Man kann manches gegen die "junge Welt" vorbringen, das Beste an ihr ist freilich der Kulturteil. Damit meine ich nicht den im nd (früher Neues Deutschland, jetzt eher: neu divers) über einem Artikel zu der "Linken" befindlichen Text über wechselseitiges, dinghaft gestütztes Penetrieren. (Der Untergang ist dieser Zeitung gewiss!).

Ich meine bei der jW z.B. den Verriss der Mahagonny-Oper von Barrie Kosky, nicht zu verwechseln mit Barry Manilow, der zur Amtseinführung Bill Clintons sang. Barry Kosky wiederum könnte gut zur Regierungsübernahme der FDP irgendetwas inszenieren z.B: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny...

Die Oper findet zwischen zwei großen schräg gestellten, anfangs verhängten Spiegeln statt, davor agieren normal gekleidete Sängerinnen und Sänger, im zweiten Teil, wenn die Oper Fahrt aufnimmt, stehen sie in Glitzeranzügen auf der Bühne, die jeden Manilow gut gekleidet hätten.

Es gibt Löcher (Schächte) im Boden, worin gelegentlich versunken wird, dann wieder aufgetaucht. (Die Hölle ist ebenerdig). Die Einführung hatte uns gewarnt, es gäbe zu den trivialsten Texten die schönsten Lieder. Ja, der Alabama Song wird geträllert als wären wir in der Staatsoper z.B. bei Puccini: Schönster Gesang.

Überhaupt hat sich die lineare Einführung wohltuend zu den öfters grammatisch missglückten der Stuttgarter Staatsoper (Futur 2) unterschieden und freilich auch zur angekündigten Oper. Klar bei Brecht denkt man doch an Montage!

Übrigens ist es auch hier ein Elend mit der Pause, wo man nicht weiß, wo man sein Getränk abstellen soll, weshalb manche die Tische vor der Garderobe besetzten, zwei Damen dahinter nahmen den Kampf auf, denn wer möchte schon seinen Mantel durch Sekt- und Brezelreste gezogen sehen? Wobei: Wäre das hier aufgefallen?

Zwar ist das Paar rechts vor mir gegangen, den meisten aber hat es gefallen, dachten sie wohl, Gott als Äffchen im Gokart fahrend, das ist doch hallo(!) Verfremdung! Ansonsten ist wenig Material auf der Bühne, 3 Wasserspender mit alkoholischem Inhalt ist schon das Maximale. Das Ganze ist also extrem reduziert, ich meine des Kontextes enthoben, jeder darf sich selber einen denken, und auf das sogen. Menschliche reduziert, also Zeit und Raum enthoben. Aus einer Utopie wird eine Dystopie, lesen wir. Im Programmheft erfahren wir weiter: "Die Stadt sind die Menschen", nun damit könnte auch Frau Thatcher oder eben unsere FDP und ihr grünes Pendant leben, und damit sich niemand was falsches denkt: "Die Stadt ist das Volk". Allerhöchstes dialektisches Niveau!

Nun wir sind in Berlin, der Stadt wo wenig funktioniert und Betrug regierungsfähig ist. Die kleinen Immobilienbesitzer stimmen gegen den Volksentscheid, zum Ausgleich hat man einen Syrer. Einmal mehr lässt sich die Mittelschicht für dumm verkaufen, oder anders gesagt: vor den Karren der großen Aktiengesellschaften bzw. deren Besitzer spannen. Und verachtet das "eigene" Volk. Umgekehrt wäre mir lieber. Nein, Brecht war das nicht, er hätte uns vor diesen Leuten und dieser Stadt gewarnt, wo Geld alles ist und der ohne: nichts. Theater und Oper arbeiten daran, dass es so bleibt.

Auf der Heimfahrt durch Thüringen erfahren wir im Radio, dass ein Linkenpolitiker seine Gastronomen und andere denunziert, weil es diese mit den Corona-Kontrollen nicht so ernst nehmen. Er fordert schärfere Kontrollen und Druck auf die Bürgermeister. Ein Grund mehr sich mit Grausen abzuwenden. Aber nein, ich sammle dieses nicht, sie fliegen einem leider hinterher.

Ich kann mich der jW nur anschließen und vom Besuch dieser Oper abraten. Seien Sie statt dessen etwas subversiv. Aus einem mach zwei, aus zwei mach drei, mach viele "Gs".

17:38 23.10.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare