Das Bergwerk von Falun

Salzburger Festspiele Sagen und Märchen
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Kürzlich las ich von einen Künstler, der eine unsichtbare Plastik erfolgreich verkauft hat. Ganz großartig! Große Kunst!! Und dabei dachte ich mit dem schwarzen Quadrat wäre Schluss. War es aber nicht, denn schwarz ist nicht gleich schwarz und da gab es auch noch eine Leinwand. Nun wurde diese unsichtbare Plastik verkauft.

So weit bringen es nur die wenigsten. Etwas Tiefsinn wünscht sich der gute Bürger schon, nach Innen schauen ist immer wunderbar, sofern der Blick nicht in den ökonomischen Verhältnissen sich verfängt oder gar die Rechnung sucht. Da halten wir es lieber mit der Wiederkehr des Gleichen, Ewigkeit und Vergänglichkeit und ganz lieblich: Das Schicksal.

Dieses hat für die von ihm Geschlagenen ganz verschiedene Wege offen, Hauptsache aber: es erfüllt sich. In wessen Sinne ist eine andere, im Theater nicht oder selten gestellte Frage.

Im Bergwerk von Falun fällt mal als erstes etwas Putz von der Decke, eine oder mehrere Mauern fallen um oder stürzen ein. (Manche) Umfallende Mauern haben ja ihren Reiz, in der Regel stehen die darunter Begrabenen nicht mehr auf, hier beginnt freilich unser Stück.

Die Mauern bestehen auf einer Mischung von Ytong und Lego-Steinen und mit diesen wird im Stück ordentlich gearbeitet, sie sind zu allerhand nützlich wie der Staub und die Dunkelheit. (Und spiegeln die aktuelle Bedeutung der Bauwirtschaft wieder!)

Im Parkett war es nicht ganz dunkel, so dass ich feststellen konnte, dass links und rechts von mir, der mythischen Macht nachgegeben und sich ins Reich der Träume geflüchtet wurde, ein großes Thema auch auf der Bühne. Mein rechter Nachbar, elegant im blauen Anzug, hatte das Programmheft auf seinem Schoß, und tat, als ob er darin lese. Ich vermute, das Ding hat ihm spätestens bei Frau Jelinek den Rest gegeben. (Frau Jelinek war also auch für dieses Textheft gut.) Lese ich, was sie schreibt, zweifle ich sehr, ob das gutbürgerliche Salzburger Publikum damit etwas anfangen kann, außer: ja die Jelinek... Freilich auch nicht mehr als mit dem Stück.

Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen zufällig einen dieser reichen Salzburger Festpielgäste kennen zu lernen, der damit auch nichts anfangen konnte, schnell schwenkte das Gespräch zu den Salzburger Galerien und gerade im Kurs stehenden bildenden Künstler um. Mein Lohn fürs Zuhören soll nicht verschwiegen werden: es gab genügend Wein und eine Kleinigkeit zu essen in einer in der Nähe gelegenen Bar.

Über moderne Kunst und Wein lässt sich besser reden als über den mythischen Unsinn, der im Theater aufgeboten wurde. Ungerechterweise wird im Programmheft auch noch Freud bemüht, wenn es in die bürgerlichen (Un-)Tiefen gehen soll: freilich in die eines Seemanns, der zum Bergmann wird. Und wie mein Gastgeber vermutete, das hat irgendwas mit Sexualität zu tun...

Die Leute mussten ja nun FFP2-Masken tragen und das ist auch ein Beweis, dass sich das Bürgertum nicht für Arbeitsschutz interessiert, denn so ganz lange sollte man die Dinger nicht tragen. Aber ohnehin wird die Luft in diesem Lande dünner, so dass man das als gute Übung für das unterversorgte Gehirn nehmen kann, das ohnehin kaum gefordert wurde.

Welche Kunst braucht eine FFP2-Maske? Ich glaube eher die Oper, die einen Tag davor großen und größeren Zuspruch fand. Im beginnenden Delirium machen Musik und Bilder mehr her, beschäftigen den davon schwimmenden "Geist" - wie jene Plastik, Musikrausch geht immer leichter als Allegorien auf Ewigkeit und Vergänglichkeit und ihrem "Ausgleich".

Bei Nachtkritik werden positive Rezensionen erwähnt, so die in der SZ, die zum Schluss folgendes aufbietet: "Und das ist dann auch eine Erklärung von Welt, die man empfinden, nicht analysieren muss." Ja, die SZ ist immer für ein Kapitel in der "Zerstörung der Vernunft" gut. Sie ist ja auch dafür, dass die Mehrheit, die geimpft ist, nicht unter einer trägen nicht geimpften Minderheit leidet. Ganz hohes Niveau! Ich bin eher für die kleine Minderheit, die sich nicht für dumm verkaufen lassen will und erstmal, auch wenn das beim Rorschach-Test Punktabzug bringt, nicht sieht, wo nichts ist - außer schwarze Nacht.

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PS: Leider interessieren hier niemanden meine Urlaubserlebnisse: Sonst hätte ich von jenem Romantikhotel erzählt, das den müden Wanderer mit folgender Menükarte nachhaltig verstörte:

Bratwürste mit Sauerkraut

Kotelette vom Schwein mit Grillgemüse

Holzofenpizza: mit Vulcana Schinken, mit Salami, mit Beinschinken, Vegetarisch.

(Das war wirklich alles! Nicht ganz: Es gab gratis live Blasmusik zum Essen...)

Obiges Stück läuft bei mir unter Kotelett mit Grillgemüse.

(Update 13.8. Dank an T.!)

18:15 09.08.2021
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