Denn die einen sind im Lichte...

aus dem Corona-Dunkel Alltagsleben
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Das Buch erinnert mich an Pierre Bourdieus "Das Elend der Welt". Freilich kann man die beiden Bücher nicht vergleichen. Das eine ist eine großartige soziologische Studie, eigentlich eine Sammlung von Erzählungen über das alltägliche Leben in diesen unseren Verhältnissen; das Buch, das Albrecht Müller herausgegeben hat, ist eine Sammlung von Berichten, die normale Menschen über ihre Erfahrungen und Schwierigkeiten seit Corona bzw. dem Lock-down haben. Diese sind z.T. sehr kurz, nur ein paar Zeilen, manchmal ein, zwei und mehr Seiten.

Nachdem wir nun eine erneute Ausgangssperre haben, die Gesellschaft als Gefängnis zu ihrem (leeren) Bilde kommt, kann ich mir keine bessere Lektüre vorstellen.

Dort wird ein Licht auf die gerichtet, die sonst nicht vorkommen, die Opfer der herrschenden monomanen Corona-Politik: Alte, KünstlerInnen, Junge, Behinderte usw. (Siehe die Aufzählung gleich zu Beginn!)

Nein, hier werden nicht Tote aufgerechnet, aber z.B. in einem Brief an Steinmeier darauf verwiesen, dass doch auch dieser Toten zu gedenken wäre! Das tut unsere Politik natürlich nicht, weil es schon immer verschiedene Tote gab. (Über das Leben davor redet lieber keiner.)

Kurz bevor wir nun auch noch Kampf-Drohnen bekommen, ist an den Heldentod zu erinnern, missbraucht wie heute der Corona-Tod. Nein, kann man natürlich nicht vergleichen. Die einen sind "Schicksal", die andern auch?!

Warum soll auch die forcierte soziale und menschliche Verelendung unsere Regierung rühren, rührte sie diese doch auch die letzten 20 Jahre (ff.) nicht, als seit Schröder das Ziel der herrschenden neoliberalen Politik ist, die Reichen reicher zu machen und die anderen - mundtot / hirntot. Vielleicht kommen auch deshalb einige Berichte von Menschen, die aus medizinischen und oder psychologischen Gründen keine Masken tragen können, so mitleidslos daher, die Blockwartmentalität lebt, staatlich gefördert, wieder auf.

Politiker, die sich an Scharfmacherei überbieten, sonnen sich in Umfragewerten, und finden trottelige Nachahmer. Soll man lachen, soll man heulen? - Besser lesen und das Buch verschenken, denn sonst kommen diese Stimmen und Schicksale öffentlich nicht vor.

(Und ja, es ist ein Ärger mit der AfD/CDU, dass die der GEZ einen Tritt verpassen, und wir also einmal mehr nicht zustimmen dürfen. Übrigens, war nicht Hitler angeblich Vegetarier, was der Schreiber dieser Zeilen nur manchmal ist?)

Jetzt ist wieder harter Lock-down und die Polizei überwacht die Ausgangssperre - ohne (Bürger-) Krieg - und es braucht triftige Gründe, wenn man aus dem Haus will. (Warum sollte man auch und wohin?)

Wieder wird verhindert zu fragen, warum es soweit kam, wem diese Politik nützt und wer die Opfer sind.

Die Nachdenkseiten haben gute Artikel zum (öffentlich-rechtlichen) Corona-Wahn veröffentlicht, Analysen, die man nicht oder nur sehr selten in der bürgerlichen Presse las. So konnte man unlängst in der FAZ eine gepflegte juristische Kritik an diesen "Notverordnungen" lesen. Sie wissen es, aber sie tun es trotzdem.

Wir erleben ein soziologisches Experiment bisher nicht vorstellbaren Ausmaßes wie man Menschen manipulieren kann. Vielleicht ist das schon eine Generalprobe auf die kommende Wirtschafts- oder Klimakrise oder für einen neuen Krieg?

Ich beeile mich, das Buch zu empfehlen. Hier in Stuttgart müssen die Buchläden schließen, weil nicht so wichtig wie Klopapier, in Berlin dürfen sie, wenn ich das richtig sehe, weiterhin offen bleiben. Aber bei uns Schwaben ist das ja auch so, da reichen ein, zwei Bücher zum Leben: in der Jugend z.B. die Mao-Bibel, später fällt dann der Mao weg. Hauptsache man glaubt.

Albrecht Müller (Hg.): Die im Dunkeln sieht man nicht.

70 Zeitzeugen zu den missachteten Folgen der Corono-Politik. Eine Dokumentation der NachDenkSeiten (2020).

----------

PS: Es gibt auch lustige Stellen in den Buch:

"Es ist zum Verzweifeln, doch ich denke stets daran, dass wenn wir aufgeben, diese Psychopathen gewinnen und das dürfen wir auf keinen Fall zulassen! Niemals!" Unten an der Seite steht dann eine redaktionelle Anmerkung: "Die Auffassung, die Bundesregierung bestehe aus Psychopathen, teilen wir nicht."

Und manche Sätze können als Zusammenfassung der ganzen Problematik stehen:
"daß es bei den herrschenden Maßnahmen nicht um Gesundheit, sondern um Gehorsam geht."

10:24 15.12.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare