Der Dath und das Aleph

FAZ Versuche mit der Kulturkritik
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Warum beschäftigt die FAZ einen bekennenden Kommunisten bzw. lässt ihm viel Platz in ihrem Kulturteil? Wir schenken uns die Frage, warum er - oder ein anderer nicht im Politik- oder Wirtschaftsteil schreiben dürfen, da sei eben Gott bzw. der Eigentümer vor.

Nun, vielleicht kann man sich, nachdem der sogen. Ostblock Geschichte und es hier im Lande keine kommunistische oder sozialistische Partei gibt, die die Herrschenden wenigstens schlecht schlafen lässt, etwas gönnen? Man kann sich an die Vorgängerzeitung erinnern, die Frankfurter Zeitung mit ihrem Siegfried Kracauer als Feuilletonchef, der seine linken Freunde darin schreiben ließ und selber ganz hervorragende Artikel beisteuerte. Die Zeitung hatte mal einen guten Ruf, jetzt hat sie nur noch den, Sprachrohr des herrschenden Kapitals zu sein. Für manche ein Grund sie zu lesen.

Dietmar Dath füllt nun 2 lange Spalten über Computerkunst und Kunst- bzw. Kulturkritik. Wie immer oder doch häufig klingelt es nach der Lektüre kräftig in den Ohren und man bewundert den Zettelkasten dieses Mannes, der zum bersten gefüllt mit "Kultur" ist. Auch für Leute, die sich vielleicht fälschlich für gebildet halten, immer wieder überraschend. Oder sind das Wikipediastreusel? Das wäre für Freunde des Streuselkuchens noch kein Gegenargument.

Lassen wir die etwas oberflächlich dahin gestreute Frage, ob ein Film schlecht sei, weil er wie ein Computerspiel aussieht, mal beiseite, zumal der dann kommende Vergleich attische Tragödie und Ritus etwas befremdet: "mechanisch gedachte Genealogie als Wertbegriff der begrifflich Zukurzgekommenen". Da gab es doch andere Begriffe in dieser Zeitung vor langer Zeit? Nun die liegen wohl weiter hinten im Zettelkasten.

Noch wagemutiger wird es als sich der Autor Adorno vornimmt, Proletkult und Adornos Kunstverständnis, letzteres "etwas anspruchsvoller". Adornos Ästhetische Theorie bekommt ein langes Zitat, auf das wir hier verzichten, da wir es bei bildungsbürgerlichen Lesern voraussetzen. (Mir wurde, wie schon manchen vor mir, vorgehalten: Wo bleibt das Positive? Das weiß ich bis heute nicht.) Aber im Text wird der Liebling der Jungen Welt, Peter Hacks, bemüht, der den Romantiker Adorno mit dem Wetter schlägt: "bei schlechtem Wetter muss die Kunst schlecht sein"... und landet beim Antirealismus, wobei ich nicht sicher bin, ob da Brecht mit seiner Fotografie der Krupp-Werke nicht weiter war. Aber das würde hier zu weit führen.

Eigentlich geht es um Kunst durch oder mithilfe der Computer, wobei hier die Erkenntnis hilft, dass noch kein Computer das Ergebnis unbefleckter Empfängnis war.

Aber zurück, wir sind in der FAZ, was macht den lesenden bürgerlichen Reaktionär aus, bzw. worauf bildet er sich so viel ein? Lassen wir mal diesen Ehren-Käse weg, dann bleibt die "Haltung" bei der auch unser Autor endet. Vorsichtshalber findet sich hier ein Plural, Haltungen, denn deren gibt es viele. Wir halten uns aber damit nicht auf und eilen weiter.

Hebt der Autor nun das kulturkritische Niveau derart, um eine mir bisher unbekannte Hatsune Miku zu schätzen, einzuschätzen, die ganz künstlich, d.h. noch künstlicher als... ist?

In der FAZ vom 16.3. wird auf der letzten ganzen Seite Werbung für die "Frankfurter Allgemeine Selection. Ausgesuchtes für kluge Köpfe" gemacht. Seit es mit den Zeitungen bergab geht, versuchen sie in eigener Sache, Kunst oder auch nur z.B. besondere Kochtöpfe unters Lese-Volk zu bringen. Hier geht es um "Aleph", eine 3-D-Plastik aus dem 3-D-Drucker. Das Ding, das aussieht wie weißen Röhren durcheinander und ineinander verschachtelt, als Klotz, kostet nur knapp 6000 €. Das Postament, das worauf das Ding zu stellen wäre, kann man mit erstehen, hier steht nun kein Preis.

Ja, wenn nun diese Plastik "hoher Komplexität" den Gegenstand des kulturkritischen Diskurs vorgibt, können wir beruhigt wieder ins Bett und weiter schlafen. Irgendetwas versäumt - die algorithmische Revolution?

Wo sind die Bildungsbürger, die sich an den Kopf fassen und laut lachen? Steckt dahinter ein kluger Kopf? Nur, was trägt er darauf: Kochtopf oder Stahlhelm?!

15:41 18.03.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare