Die Selbstgerechten

Teil 2 eine Betrachtung von Außen am Ende
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Nachdem die SZ schon Annalena B. favorisiert hat, kämpft sie als "linksliberales" Organ auch weiterhin für offene Grenzen. Dafür dürfen Geistesgrößen, wie sie nur ein heutiges Politikstudium hervorbringt, ein gewisser Herr Heins, Werbung machen. Vielleicht sind es aber auch die Fragen, die uns zweifeln lassen. War die Suche nach dem "Platz an der Sonne" auch ein Ausdruck unserer Bewegungsfreiheit? Das Ganze ist eine Werbung für ein Buch. Ich finde: eine etwas peinliche.

Wir denken, das ist ein bisschen ärmlich, auch für einen Politologen und halten uns lieber weiterhin an Frau Wagenknecht, wo man mehr Stoff zum Nachdenken bekommt (z.B. zu Europa). Und eine differenzierte Betrachtungsweise. Man könnte auch sagen, Wagenknecht kann etwas Dialektik, was eine eher seltene Denk- und Betrachtungsweise ist und wird.

Die Kapitel empfinde ich als unterschiedlich spannend, am besten fällt ihre Ideologiekritik aus, die sie seltsamerweise "Erzählung" nennt, obwohl sie sich doch von der Postmoderne absetzen möchte.

Ihre Kritik an "Fridays for future" und den ganzen grünen Mogelpackungen wird uns hoffentlich im Wahlkampf begleiten, wenn die Partei der grünen Besserverdiener einen auf Klimaretter machen und den Kapitalismus multikultigrün anstreichen werden.

Manches müsste ausführlicher diskutiert werden, z.B. die Erweiterung der Demokratie durch Losverfahren. Da haben wir in Stuttgart beim Thema Oper gerade die erwartbare Option erhalten. Eine vernünftige Entscheidung erfordert vernünftige Bürger, und da fehlen in diesem Land die Voraussetzungen und Frau Wagenknecht etwas Kritische Theorie, auch wenn man gelegentlich den Schatten von Karl Marx in ihren Texten entdeckt.

Sie steht auf der richtigen Seite der Barrikade, i.G. zu vielen anderen in ihrer Partei, von den anderen möglichen Koalitionsparteien ganz zu schweigen, aber sie tut das in freundlich patriarchaler, anders gesagt, gut meinender Weise, so wie es eben Sozialdemokraten tun, wenn sie von den Armen sprechen. Das revolutionäre Drängen fehlt fast völlig, ist in einem Gerechtigkeits-Leistungsgedanken aufgehoben, ohne die Grundlagen der bestehende Unfreiheit zu thematisieren; sie thematisiert die Auswüchse, nicht das System (die Lohnarbeit). Stellt man die Uhr zurück, hält das nicht die Zeit an, die geht einfach weiter. Wobei sich die Frage stellt, welche Kräfte diese fehlgeleitete Entwicklung stoppen könnten ohne revolutionären Überschwang?

Man muss es wiederholen, nicht nur der (stalinistische) Kommunismus ist gescheitert, gescheitert ist auch die Sozialdemokratie. Nochmals, so gerecht ihre Anliegen auch sein mag, Gerechtigkeit, das könnte man bei Marx lernen, ist nie ein Lohnforderung, so hoch sie auch sein mag. Voraussetzung, um diesen moralischen Begriff ins Leben zu bringen, wäre eine strukturell andere Gesellschaft; sonst landen wir bei: Ewig grüßt das Murmeltier oder Schlimmerem (Beckett).

Freilich: eine bessere Politikerin kenne ich nicht und es ist zu hoffen, das ihr Schicksal nicht das ihres Mannes in der SPD wiederholt.

Das Buch sollte man kaufen und lesen. Die Frau ist weder gekauft noch dumm, das ist mehr als man bei vielen anderen erwarten darf. (Am Schönsten finde ich die Geschichte mit dem früheren bayerischen Justizminister(!) und dem "Vermögensarrest von 1,2 Mio. Mir unklar ist, warum man dieses Verfahren nicht vorsorglich bei Scheuer oder Spahn anwendet, da werden wir doch vielleicht noch die eine oder andere Überraschung erleben...)

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PS: Vielleicht wäre eine Position denkbar, die zwar dem nationalen Kampfboden Rechnung trägt, aber den Internationalismus einer Klasse nicht aufgibt. Noch mein roter proletarischer Großvater erreicht immerhin auf seiner Walz Italien, wo er dann freilich bankrott ging. Einen Weltkrieg früher ging Friedrich Westmeyer, der Führer der linken Stuttgarter Sozialdemokraten auch auf die Walz, und half später die emigrierten russischen Revolutionäre in Stuttgart unterzubringen und zu integrieren. Aber das sind Erzählungen aus einer anderen Zeit, an die niemand anzuknüpfen fertig bringt.

15:24 20.04.2021
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