GEZ

"Rundfunkbeitrag" Anti-Framing
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Folgender Brief wurde von mir geringfügig sprachlich verbessert für meine kritischen LeserInnen:

Sehr geehrte Herrn von der GEZ (Anti-Framing),


Ihre/"meine" Beitragsnummer ...

Widerspruch zu ihrer Rechnung mit der Bitte um Antwort/Erlass/Stornierung etc.
Ich erlaube mir, gegen ihre Rechnung aus folgenden von einander unabhängigen Gründen Widerspruch einzulegen:

1. Adresse: Offensichtlich wurde gegen meinen erklärten Willen meine Adresse an sie weiter gegeben. D.h.: Sie gehören offensichtlich zu jenen Staatsorganen (Staatsapparat), die über dem privaten Datenschutz stehen, vergleichbar der Polizei oder den Geheimdiensten. Das charakterisiert ihre "Behörde" und steht meiner Ansicht nach im Widerspruch zum Charakter einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, die kein Teil des Staatsapparates wie vor 1945 sein sollte (wollte), faktisch aber wieder ist.

2. Ich habe keinen Fernseher und interessiere mich nur sehr bedingt für ihr Programm. Das letzte, was ich gesehen habe (bei einem Bekannten!), war der Film über Brecht, der so schlecht war, wie man es von ihnen auch nur erwarten kann.
Natürlich habe ich einen PC. Aber auch ich stelle Inhalte ins Internet, leite aber daraus nicht den Rechts-Anspruch ab, bei ihnen dafür zu kassieren. Offensichtlich gilt hier nicht: Gleiches-Recht-für-alle. Zumal es ihnen, siehe Private und andere Länder, ein Leichtes wäre, dieses Programm zu verschlüsseln, so dass es nur die Leute sehen können, die dafür bezahlen wollen.

3. Meine Erfahrungen beim SWR. Vor ein paar Jahren wurde ich beim SWR als Mitarbeiter beschäftigt. Meine Erfahrung war, dass man zuerst mir einen nicht gesetzeskonformen Arbeits-Vertrag vorlegt hatte, was dann korrigiert wurde. (Eine Verschlechterung.) Danach wurde mir ein elementares gesetzliches Recht, das auf bezahlten Urlaub, vorenthalten, das ich nur mit großer Mühe durchsetzen konnte. Aufgrund dieser verdi-gestützten Aktivität(en) flog ich dann aus ihrem schönen Sender. Das Alles ist nachweisbar und, wenn sie sich die Mühe machen, überprüfbar. Insofern verstehen sie vielleicht, dass ich auf diesen Sender nicht gut zu sprechen bin und mit ihm nichts zu tun haben will, schon gar nicht für deren zu gut bezahlte, parasitäre Managerklasse bezahlen...

4. Nun zu meiner persönlichen Situation: Auch dank 3.) habe ich nur noch einen sogen. Minijob, bei dem ich ca. 400 € im Monat Netto erhalte. Dazu kommt Wohngeld. Ich sehe mich also nicht in der Lage, für etwas so viel zu bezahlen, was ich nicht bestellt habe und nicht möchte. Selbstverständlich sind alle diese Angaben nachweisbar.
Aus diesen Gründen erwarte ich also von ihnen die Befreiung ihres (Nicht-)"Nutzungsbeitrags.

Mit freundliche Grüßen

...

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Die Antwort viel erwartungsgemäß aus, ich erspare es mir, das Ding abzuschreiben. Nur:
Sie bedauern die persönliche Situation. Aber: Rundfunkstaatsvertrag!
Und: Haben Sie Verständnis, dass wir das Beitragskonto unverändert weiter führen...

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Nun, was ich meinen LeserInnen empfehle, sollte daraus hervor gehen. Kauft man einen Apfel, der zu, positiv geschätzt, 3/4 schimmlig ist, um dann in das letzte Viertel zu beißen? Da muss man schon sehr verhungert sein. Lieber sollte man die demokratische, fortschrittliche und sozialistische Kultur unterstützen.
(Leider ist die Linke zu staatsverliebt...)

Update 18.4.: Was ich gerade lese und empfehle:
Thomas Rothschild: Verspielte Gedanken. Aufsätze zu Literatur, Film und Medien aus zwei Jahrzehnten. Wien 1996. Darin v.a.: Musik als Fragment. Die Rolle der Medien bei der Zerstörung der Alltagskultur, S. 150 ff.

10:03 17.04.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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