Griechenland - Nach der (Ab-) Wahl

Regierungslinke Nichts zu lernen? Was zu lernen?
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Syriza, die bei uns gerne zur radikalen Linken gezählt wird bzw. wurde, ist abgewählt, nachdem sie die Krise im europäischen Kapitalsinne - wenn auch widerwillig - gemeistert hat, nun dürfen die Konservativen die Ausbeutung wieder in normale Bahnen (und Banken) lenken. Das Land wurde neokolonialisiert. (Thessaloniki ist da ein schönes Beispiel: Der Flughafen gehört "den Deutschen", der Hafen "den Chinesen" usw. Immerhin hat Syriza noch über 31 % erhalten.

Eine Chance, die in der Krise lag, mit dem System zu brechen, wurde vertan. Das lag vielleicht auch an der mangelhaften Solidarität der europäischen Linken, wer immer das im Einzelnen auch sein mag. Die Kosten eines möglichen Bürgerkriegs in Griechenland stehen gegen die Fortdauer der kapitalistischen Gesellschaft mit ihren zerstörerischen Folgen. Die (blinde) Hoffnung stirbt zuletzt, aber jetzt ist die Situation hoffnungslos und es wird dauern, bis es eine neue Perspektive gibt.

Unsere staats- und regierungstreue Linke darf ebenfalls am Fortbestand des Systems mitarbeiten nun auch im Westen in Bremen.

Ein lehrreiches Beispiel, nicht das erste und sicher nicht das letzte, was linke Regierungen im bürgerlich-parlamentarischen Rahmen zu erreichen vermögen.

(Übrigens ist 1918 ein Beispiel, dass auch die Bilanz einer gescheiterten Revolution positiv sein kann, und 1933 ein Beispiel, dass der Verzicht auf eine solche, es noch viel schlimmer machen kann.)

Im ND darf Herr Strohschneider die griechische Misere in Sinne der transformatorischen Linken schonmal vordenken, damit wir in seinen Bahnen nachdenken können. (Und qualifiziert sich einmal mehr als möglicher Regierungssprecher einer linken Regierung). Ich verzichte darauf lieber - und scharre weiter mit den Füßen.

Das Gute zum Schluss: Immerhin hat es Varoufakis mit seiner „Europäischen realistischen Ungehorsams-Front“ ins Parlament geschafft. Da hat er eine Bühne. Hoffen wir, dass er sie nutzen kann und wird.

- Zum Einstieg: Yanis Varoufakis: (2015) Time for change. Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre.

15:00 08.07.2019
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