Karl Marx in Trier

Ausstellungsbildung Ein Staat gedenkt seinem Kritiker
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Karl Marx lockt nach Trier, freilich wäre es erfreulicher, seine Lektüre würde lohnender erscheinen, ohne hier oder noch nicht einen Widerspruch aufmachen zu wollen.

An einem Wochenende kann man das Rheinische Landesmuseum, das Stadtmuseum Simeonstift und das Karl-Marx-Haus schaffen.

Untergebracht in der Klosterschenke, Pfalzel bei Trier, fuhren wir das erste Mal mit dem Zug nach Trier, eine Station, 5 Minuten, sehr gut. Freilich, zwei Züge in der Stunde hört sich gut an, wenn diese aber im Abstand von ca. 10 Minuten fahren, relativiert sich der Bahn-Komfort. Was ein Elend ist, ist, wenn es an Gleisen mangel und zwei Züge auf einem stehen. Zurück fuhren wir mit dem falschen, sahen dafür etwas die Umgebung. Trier ist, was die DB angeht, nicht gut angebunden.

Gleich zur Wertung: Die Ausstellung des Rheinische Landesmuseum widmet sich Marx in seiner Zeit. Es gab wohl günstig in irgendeinem Baumarkt helles Bretterholz und unüblich Farbe, die prägen etwas die Ausstellung. Warum man blaut und rot an den Wänden mischt, ist mir unklar, es flimmert einem vor dem Kopf, wenn man das sieht, und das nicht wg. Marx. Ansonsten mäßig spannend, es waren wohl nur gute Bürger bei den Ausstellungsmachern vertreten, das merkt man schmerzlich, v.a. was die mögliche Aktualität von Marx angeht. Nicht dass es da keine Bemühungen gegeben hätte, aber... Und es fehlen etwas die Nachfolger von Marx, nicht als willkürlichen Bilderstrom, sondern als inhaltliche Auseinandersetzung um das Erbe.

Die Ausstellung im Stadtmuseum gefiel uns besser, auch wenn der Mitmachteil (Schubladen in einem "Koffer" ziehen) einen Dalai Lama beinhaltet, der hat nun bei Vernunft, Aufklärung und kritischem Denken gar nichts verloren. Eher bei den dezidierten Anti-Kommunisten und Anti-Marxisten, denen eine Ausstellung auch hätte einen systematischen Raum widmen können. Gibt es zwar als Momente, aber eben nicht wirklich erhellend.

Leider war ich vom Mittagessen im gegenüberliegenden Weinhaus, sehr(!) guten und günstigen Wein*, etwas benommen, habe deshalb am Eingang geschlafen und erst beim Hinausgehen entdeckt, wem das Karl-Marx-Haus gehört! Das erklärt manches, auch die Schrift an der Wand, die mich an die Besen- und Alternativwirtschaften erinnerte, die mit Kreide ihre Speisekarte an die Wand malen. (Im letzten Raum wurde es dann ganz schummrig. Vermute, nachdem die SPD auch ihre "Historische Kommission" nach Hause schickt, dass auch bald dieses Erbe verramscht werden wird.) Der Marx-Kopf im Garten erfreut die Chinesen, sonst sind die Räume leer, also keine Möbel drin, ähnlich wie bei Freud in Wien, wo aber die Buchhandlung punktet. Die Souvenirs, z.B. die Marx Köpfe sind ein Reinfall, Marx sieht aus, als würde er sehr an Bluthochdruck und falscher Ernährung leiden.

Die chinesische Marx Statue ist freilich ein Blickfang, ein super Foto-Motiv. Dank an die Chinesen!

Vom Beiprogramm haben wir nichts mitbekommen, kann ich nicht beurteilen.

Ja, was kommt dabei heraus, wenn ein antikommunistischer Staat Karl Marx gedenkt? Sicher kein Karl Marx. Hätte man mit Marx etwas aus den "neuerdings" wieder virulenten Wirtschaftskrisen gelernt, wir hätte andere Themen und Regierungen. Schweigen wir vom Klassenkampf, wo man hier in keinem Raum in keiner Ausstellung und auch sonst nirgendwo etwas findet, leider auch auf wenig Straßen usw.

Es gibt Künstler, die den Spuren des Kapitals folgen, sehr erhellende Sache, oder man hätte die Ausbreitung der Marxschen Theorie veranschaulichen können. Überhaupt lohnt es sich möglicherweise, sich selber eine Ausstellung über Marx im Kopf zu kuratieren.

Trotzdem lohnte die Fahrt. Wer wenig Geld hat, der ist freilich besser beraten sich das Kommunistische Manifest zu besorgen und anzufangen, notfalls in einer öffentlichen Bibliothek. Und er/sie sollte sich ein paar "GenossInnen" suchen, denn es wird Fragen geben, denen nachzugehen sein wird.

* https://www.maximingruenhaus-shop.de/product_info.php?info=p42_2016-maximin-gruenhaus-riesling-alte-reben.html

Den sollte man auchmal probieren:

https://www.maximingruenhaus-shop.de/product_info.php?info=p33_2016-maximin-gruenhaus-das-kapital-riesling-alte-reben.html

Tipp:

Dennis Gastmann: Geschlossene Gesellschaft: Ein Reichtumsbericht. Berlin 2014

16:29 13.08.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare