Karrieren im Film

heute Die Spur des Geldes
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Ich glaube, mich erinnern zu können, dass der Film "Die Spur des Geldes", nicht "Die Spur der Steine", das war ein anderer Film in einer anderen Gesellschaft mit anderen Problemen, heißt, aber das ist ein Irrtum.

Gleichwohl ein durch den Inhalt des Films motivierter. Denn darin geht es (auch) um die "Kunst" Geld, das man (vielleicht) auf nicht ganz legale Weise "erworben" hat, vor dem Staat zu verstecken. Obwohl das durch Versuche, den Bargeld-Fluss zu kontrollieren, immer schwieriger wird, lernen doch die vielen BWL-Studenten, dass da schon noch was geht. Auch in diesem Film hat einer seine Zeit im Gefängnis genutzt, um sich in dieser Weise fortzubilden. (Anders herum, wäre es für uns alle besser.) Dem Staat sei Dank, der das ermöglichte. Schließlich ist das eine, wenn auch nicht sehr aussichtsreiche Möglichkeit der Resozialisierung.

Ja, die Re- und überhaupt die Sozialisation. Im Mittelpunkt stehen zwei Karrieren, der eine ist promovierter Philosoph und arbeitet bei einem Paketlieferdienst. Ähnlich, wenn ich das bekennen darf, wie dem Schreiber dieser Zeilen, war dessen Promotion Höhe- und Endpunkt seiner akademischen Karriere; danach bleiben die philosophischen Zitate der alten Griechen, so eine Art intelligenter und alternativer Bibelsprüche. Immerhin hat sich unser Philosoph, der aus der Arbeiterklasse stammt, deren humane Moral bewahrt, er engagiert sich in der Obdachlosenhilfe. Seine alte Freundin verlässt ihn, weil, sagen wir es Neudeutsch: er ein Looser ist. Sie arbeitet in einer Bank, weiß aber immerhin wie die Gehaltsunterschiede in der Bank sind, die, wir wissen das alle, nichts mit Leistung etc. zu tun haben: Eher mit unseren Parteien und Regierungen und "kämpferischen" Gewerkschaften.

Seine neue Freundin bekommt er, weil er ein sympathischer Looser ist, der aber immerhin zwei Taschen voller Geld im Hintergrund hat.

Der Film ist ein echtes Feel-Good-Movie, zumindest fühlte ich mich so gut, dass noch ein drittes Glas Pinot Grigio fällig war. Dem fehlte freilich etwas der Esprit, den hatte ich stellenweise aber im Film.

Dass man durch ehrliche Arbeit nichts mehr wird, wissen wir. Es bleiben zwei Möglichkeiten: Klassenkampf oder das Verbrechen, das manchmal davon nicht weit entfernt ist. Da unser Philosoph nicht über die alten Griechen hinausgekommen ist (Ausnahme Kant), zumindest kann ich mich an kein Hegel-, Marx-, Lenin-, Luxemburg-Zitat erinnern, bleibt nur die zweite; wofür man mitunter auch einfach Glück braucht.

Einschub: Hier meldet sich gerade mein Kaspersky-Virenschutz und fragt mich, ob ich im Internet keine Spuren hinterlassen möchte? Ich glaube, das ist unmöglich, also klicke ich das weg.

Ein märchenhafter Film mit einer deutlichen Spur, der des Geldes, Sozialkritik. Dass man sich hinterher gut fühlt, ist in diesem Falle vielleicht nicht ganz schlimm, obwohl mir da doch immer der Adorno im Kopf herum spuckt: Vergnügt sein heißt einverstanden sein...

Apropos Adorno: In der Stuttgarter Zeitung haben sie dessen neueste Veröffentlichung gewürdigt, was ja schonmal erfreulich ist, ohne auch nur einmal vom Kapitalismus zu schreiben. Anders in der Jungen Welt, wo sie freilich dessen begründete Ostblock-Aversion vergessen haben, trotzdem deutlich besser, auch der Text in den Nachdenkseiten lohnt sich.

Apropos Zeitungen und Medien - Das habe ich gerade gelesen: Noam Chomsky: Media-Control. Wie die Medien uns manipulieren. Nomen: 2018 (Lohnt sich!)

Noch etwas zu der neuen Freundin des Helden, hier nichts zu Pretty-Woman. Deren Mutter ist Frisörin mit einem unglaublichen Aufstiegswillen, deren williger Gegenstand ihre Tochter ist. Die ist ebenfalls ziemlich helle, und macht über Studium und Oberschicht-Kultur auch Karriere: Zuerst als Ehefrau, dann Edel-Prostituierte. Zwei Karrieren im Spätkapitalismus.

Sollen sich die Zustände ändern, werden uns die alten Griechen nicht reichen. Irgendwann müssen wir zum Kommunistischen Manifest weiter schreiten und bei Rosa Luxemburg nicht stehen bleiben; aber länger verweilen natürlich. Wo dann einer und eine endet, hängt ab von Moral und Klassenbewusstsein (und den "objektiven" Möglichkeiten) aber, aber sicher nicht in der SPD und kaum bei der "Linken".

Update 19:44

10:53 08.08.2019
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