Kleber Post

Hotel und Restaurant Ein Erlebnisbericht
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Die Kleber Post ist v.a. deswegen bekannt, weil dort die Gruppe 47 tagte, also ein Schriftstellertreffen stattfand. Es gibt darüber sogar ein Büchlein. Freilich reicht dem Hotel das nicht, so erfahren wir, dass auch Francois Mitterand und Helmut Kohl dort waren. Wir sind natürlich wegen der Gruppe 47 dorthin gefahren!

Saulgau liegt im Zentrum Oberschwabens, in der Nähe (Donau) kann man wunderbar wandern.

Natürlich ist es oft bei Hotels, auch in kleinen Städten, so eine Sache mit dem Parken, das wird ja überall zum Problem. Da ist es doch ganz erfreulich, wenn es eine Tischgarage gibt, in die ich sogleich hinab gefahren bin: bis zu einem Absperrgitter. Dann ging es nicht mehr weiter und zurück natürlich auch nicht. Zum Glück kam gerade ein freundlicher Fahrradfahrer, der sein kostbares Fahrrad auch in der Tiefgarage parken wollte - ein Hotelgast mit Zutrittskarte. Also "Gas geben" und mit hinein fahren. Nun, leider ist die Tiefgarage nicht sonderlich groß, fast alle Parkplätze belegt, aber alle mit Namen gekennzeichnet. Nun, die Dame übernahm, zur Rezeption zu gehen und nach Parkmöglichkeiten sich zu erkundigen. Ich wartete unten.

Da kam hinter mir eines dieses dicken Autos mit schweizer Kennzeichen. Vermutlich ein schweizer Bergbewohner, sonst würde so ein SUV keinen Sinn machen. Ich musste etwas vor fahren, damit er versuchen konnte, in den normalen, also sehr engen Parkplatz zu kurven. Trotz Hilfe seiner Frau gelang das nicht. Ich stieg also aus und half von der anderen Seite, ihn in die Parklücke einzuweisen. Das war Millimeterarbeit, da, wie geschrieben, das eine etwas kleine Parkgarage ist. Das war nun meine gute Tat und der schweizer SUV-Fahrer wird mich hoffentlich in guter Erinnerung behalten. Eine Lehre wird ihm das natürlich nicht sein.

Derweil kam die Dame mit der schlechten Nachricht, wir könnten hier leider nicht parken. Das Auto umzudrehen gelang nur unter verstärktem Piepsen bis Heulen der Abstandsmesser. (Ich bin da ein großer Freund der Technik, sonst wäre das alles sehr teuer geworden.) Es gelang, in der Nähe fand ich einen Parkplatz, der am WE nichts kostet.

Unser Zimmer mit Parkettboden, kleiner Abstellkammer usw. sehr nett! Weniger nett war der Kirchturm gegenüber, der mich am nächsten Morgen um den Schlaf brachte. Was mir überhaupt nicht gefällt, wenn ich im Kleiderschrank die Bibel entdecke. Ich überlege dann immer, ob ich das Ding nicht einfach entsorgen sollte, aber die Dame meint, das wäre irgendwas zwischen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und vielleicht Gotteslästerung?! Nachdem ich unbeschadet aus der Tiefgarage kam, war ich nicht mehr konfliktfähig.

Abends konnte man in einem schönen Garten im Freien sitzen, an der Wand in Neon-Leuchtschrift: infinity and beyond. Ich glaube, so hieß das in etwa. Es ist mir unklar, ob das von der Gruppe 47 oder von Helmut Kohl übrig geblieben ist?

Das Essen sehr gut, keine Frage, ich hatte bunte Tomaten, die aufeinander geschichtet waren mit einer stabilisierenden Zwischenschicht aus Mozzarella, sehr nett, wenngleich man schon fast satt danach war. Vorsorglich nahm ich dann eine kleine Portion im Hauptgang, die aber auch als normaler Gang durchgehen hätte können.

Beim Wein machten wir einen Fehler. Wir bestellten einen von einer Winzerin(!), was ja kein Wein-Kriterium im strengen Sinne ist, aber doch ein Zugeständnis der Übermacht der Damen an meinem Tisch geschuldet und ich bin natürlich auch für Quotierung. Nun meinte es unsere Bedienung sehr gut mit uns und empfahl: der Wein würde allen schmecken. Huu! Ein Wein freilich, der allen schmeckt, kann nicht jedem schmecken! (Das war die Erkenntnis des Abends. ) Die Dame meinte zu recht, er wäre etwas banal. D.h. nicht schlecht, aber doch auch nichts Eigenes, Besonderes, Individuelles. Übrigens aß ich das teuerste Stück Fleisch, ich war eingeladen.

Es gab also eine leichte Genusseintrübung bei dem Wein. Das wollten wir durch eine zweite Flasche wieder gut machen, parlierten lange mit der jungen Frau, die uns betreute, und die mit ihren Kolleginnen, und sie brachte schließlich einen Wein aus dem Keller, der nicht mehr auf der Karte stand. Der erste war übrigens weiß, der nun folgende rot. Der entpuppte sich als perfekte Fortsetzung der ersten Flasche: Ein Wein, der allen schmeckt!

Er war, wie gesagt, nicht schlecht, blieb aber unterhalb des Niveaus der Küche. Übrigens wimmelte das Hotel von Schweizern, womöglich war hier auch eine Rotary-Versammlung, was man auch schon erleben durfte, oder, noch schlimmer, oder auch das Schlimmste: Eine Investorenversammlung?

Kann man das Hotel, das auch Firmen nutzen, empfehlen? Mit gewissen Einschränkungen vielleicht, ich überlege aber doch, wie man vermeiden kann, die evangelikale (christliche) Reaktion zu stärken?!

Vor der nächsten Buchung könnte ich anfragen, ob alle Kreuze etc. aus dem Zimmer (Hotel?) entfernt werden könnten, freilich sehe ich die Gefahr, dass wir dann auf dem Champingplatz landen, wofür ich mich zu alt fühle.

Übrigens gab es zum Frühstück Musik, schlimm, und einen Kaffeeautomaten, bei den vielen Leute im Frühstücksraum..., noch schlimmer. Ich bat also eine Kellnerin um einen Kaffee und kalte Milch. Ich bekam dann eine Tasse heißen Milchkaffee, statt einer Kanne mit schwarzem, und den Hinweis, dass die kalten Milch schon auf dem Tisch stünde. Es blieb mir also nichts anderes übrig als mich im folgenden um den Kaffeeautomaten zu bemühen. Der Service stirb überall: im öffentlichen Dienst, auch wenn die Kassen voll sind (Stuttgart), oder auch in nicht billigen Hotels. Wie soll man das verstehen, die neoliberale Sparideologie frisst sich selber, oder beißt da eine schwarz-braune Katze sich in den eigenen Schwanz?

Aber die Leute, selbst die Schweizer aus den Bergen, nehmen das alles klaglos hin. Und in Stuttgart sind die Mehrheit der Leute resistent gegen alle Erfahrung im Nahverkehr, bei der Post, auf der Bank, in der Bibliothek, im Museum usw. usf. (Oder sie gehen den falschen Propheten auf den Leim, was ein bisschen auch an den "echten" liegt.)

Der SUV ist ein Panzer, da dringt nichts mehr durch.

PS: Großer Dank an X, Y und Z!

07:55 03.09.2019
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