Kleine und große K-Gruppe

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Es ist ein Problem v.a. für junge JournalistInnen. Haben sie das große Glück in einem der siechenden bürgerlichen Zeitungen (oder anderen Medien) unterzukommen, lernen sie rasch, wenn sie es nicht schon wissen, dass sie nicht schreiben dürfen, was sie für richtig halten. Die eindimensionale Gesellschaft erwartet sie. Freilich mäandern deren Ränder etwas; das ist, was manche dann für Freiheit halten. Da es mit der freien Berufswahl so eine Sache ist - was bleibt? Man passt sich an. Gelegentlich sitzt einer aber doch der Schalk im Nacken und eine versucht sich ein bisschen gegen den Strom.

Da der Corona-Strom in der Politik für alle nicht ganz verblödeten Menschen kaum noch zu ertragen ist, sucht sich die unterdrückte Wut ein Ventil gegen die autoritären Zumutungen. Das findet sich weniger in den Provinzblättern wie der Stuttgarter Zeitung, wo übereifrige Redakteure und Journalisten auf der Kriechspur die Überholung versuchen (Vorsicht vor vorschnellen Lockerungen usw.) als in Blättern, die mal mehr als (bayerische) Regierungssprachrohre waren.

In der (online) SZ stehen 2 lokale Politiker besonders im Fokus: der große Söder und sein kleiner Bruder Kretschmann. Letzterer hat nun eine Wahl zu gewinnen, und wir vermuten, das Schicksal hat es schon geregelt.

Aber es schadet doch auch nicht, ab und an den harten Mann zu geben und die CDU rechts zu überholen. Da wäre dieser Laschet, der schon vom Namen her etwas zu lasch ist, kein K-Mann, wie unserer, der schon von einer kleinen K-Gruppe zur größten(?) der Welt und in deren ZK es geschafft hat.

Es geht um den Inzidenzwert von 35, der im Gesetz(!) steht, und also heilig ist. Dass ein paar ahnungsschwangere Leute dieses Gesetz geschrieben haben, und man Gesetze auch ändern kann - nun, letzteres grenzt an Ketzerei. (Zum Glück haben schon wieder alle vergessen, wo dieser magische Grenzwert schon überall lag. Ich bin übrigens für - 35!)

Laschet hatte etwas Kluges gesagt, nämlich, dass wir unser Leben nicht nur am Inzidenzwert ausrichten können - oder so ähnlich. Das geht aber in Schwaben nicht: z.B.: S21 und Oper sind (gott-)gewollt und also nicht anzuzweifeln, notfalls mit etwas "Demokratie" durchzudrücken. Das geht bei uns so gut wie Grün wählen und SUV fahren.

Kretschmann hört immer: öffnen, öffnen, aber nie: machen Sie mal was schärfer. Offensichtlich schaut er weder fern noch liest eine Zeitung, sonst wäre ihm unter der Schar der vielen z.B. ein laues Bächlein oder der König der C-Viren begegnet.

Keineswegs schließt er Geschäft aus autoritären Gelüsten(!), denn es droht, wie im Meer, eine dritte Welle. Übrigens, wenn ich hier eine private Warnung aus meiner Erfahrung als Meerschwimmer einfügen darf, danach kommt nochmals eine und dann...)

Denn sonst müsse er einen Lockdown machen, wie es ihn bisher noch nie gab!!

Gut vorstellbar, dass der arme Mann nachts im Bett liegt, und es ihn "öffnen, öffnen" anlockt, aber sein treues Weib, das ihn ja auch schon vom "Kommunismus" exorziert hat, ruft dann laut: lockdown, Winfried, lockdown.

Nein, aus dem Text geht klar hervor, Herr K. hat keine autoritären Lüste, und das ist ziemlich klar.

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PS: Nachdem ich gerade als produktivkraftfrommer Marxist von Huib Modderkolk "Der digitale Weltkrieg den keiner kennt" angefangen habe, warne ich meine Freundinnen eindringlich, sich hier als Leserin zu registrieren.

Ich habe übrigens gegen meine Überzeugung in Stuttgart (Landtagswahl!) die Linken gewählt, genauer gesagt eine Kandidatin, die ich zu gerne im Parlament sehen würde. Schaden würde sie hier, i.G. zu Berlin usw., nicht, zumal keine Gefahr einer Koalition droht. Aber gelegentlich eine Einschätzung z.B. von Luxemburg oder Lenin über die Erben deren Gegner loszulassen, wäre eine kleine Freude, und wir sind ja wenig Gutes gewohnt.

17:11 18.02.2021
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