Lockdown

2020 Ein verlockendes Feld mit weitreichenden Folgen
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Weihnachten dürfen wir mit viel "Glück" mit 10 Personen feiern, das entspricht ungef. einer Kleinfamilie mit Großeltern oder ein Geschwisterpaar - also die gefühlte dt. Norm. Bei größeren Familien oder Freundeskreisen wird das kritisch. Aber wir sind dankbar für diese Gnade!

Freilich wird es für viele mit der Bescherung eng werden, nicht nur weil der Weihnachtsmann als viruniert ausfallen muss, was soll er auch nach monatelangem Lockdown (Berufsverbot usw.) noch groß mit bringen außer neuen Viren?

Die Regierung gibt uns ein bisschen Zucker nach der Peitsche. Sie hat gelernt, wie wunderbar es sich auf diese Weise regieren lässt. Und bei den vielen autoritären Charakteren in diesem Land werden sie durch gute Sympathiewerte belohnt. Wäre doch dumm, da nicht bis zur nächsten Wahl durchzuhalten.

Wussten Sie übrigens, "dass zwischen dem ärmsten und dem reichsten Viertel Londons 17 Jahre Unterschied an Lebenserwartung zu verzeichnen sind"? Ja, man kann Menschen auf verschiedene Weise töten - anders gesagt: ihre Lebenserwartung reduzieren, aber das gehört natürlich nicht zu jener Pandemie, die uns doch alle(!) bedroht und uns alle ins gemeinsame Boot zwingt...

("Mit jedem Prozentpunkt der Arbeitslosenquote sinkt die durchschnittliche Lebenserwartung in der Gesamtbevölkerung für Frauen um einen Monat und für Männer um drei Monate." usw.)

Als jene wirklich letzte schlimme Pandemie grassierte am Ende des 1. Weltkrieges mit ihren 20-100 Mill. geschätzten Toten, war auch sonst was los in der Welt. Es gab z.B. die Oktoberrevolution, die mit den imperialistischen Kriegen und Morden und Sterben ein für alle mal Schluss machen wollte. Niemand blieb damals Zuhause. Seltsam, unerklärlich!

Wer es sich noch leisten kann, der sollte dieses Buch "Lockdown 2020" auf den Gabentisch legen. Besser noch: schon vorher kaufen und lesen.

Wenn schon keine Revolution bei uns ist, dann wenigstens die Zeit nutzen und den Verstand und die Argumente schärfen, und dazu bietet das Buch in den meisten Beiträgen guten Stoff. Nur zwei Beiträge, wenn es ethisch oder philosophisch wird, fallen deutlich ab. Aber bei ca. 20 Autoren ist das eine gute Bilanz.

Politisch bin ich nicht mit allem einig, muss aber auch nicht sein. Selbst der chin. Blog-Beitrag liest sich spannend, eröffnet mir neue Felder und interessante Autoren (Robert G. Wallace). Wer den Klassencharakter dieser Gesellschaft und aller Maßnahmen der Regierung nicht ganz vergessen hat, oder in der neuen grünen Mitte, im homeoffice, es sich bequem gemacht hat, der wird besonders interessiert den Beitrag über die (österreichischen) Jugendlichen als Betroffene der Corona-Krise lesen. Gibt es hier Ansätze, dass das Klassenbewusstsein zurück kehrt? Hier hätte eine sozialistische oder kommunistische Partei ein Feld, das fruchtbar sein könnte, es sei denn die parlamentarische und andere Linke bleiben engagiert im homeoffice und digitalisieren weiter...

Hannes Hofbauer/Stefan Kraft (Hg.): Lockdown 2020. Wie ein Virus dazu benutzt wird, die Gesellschaft zu verändern. Promedia-Verlag (Wien)

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PS: "Die Maske ist ein Instrument der Freiheit." Markus S. aus B., irgendwas mit Politik.

Wäre hätte das vor ein, zwei oder drei Jahren gedacht? Dazwischen wurde aus dem Vermummungsverbot, das Verdummungsgebot und dann die Vermummungspflicht.

15:03 24.11.2020
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