Mackie Messer - Brechts 3Groschenfilm

Filmkritik Eine Aktualisierung
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Großartig!

PS: Der Film wurde in den meisten Zeitungen, die ich gelesen habe, mehr oder weniger positiv besprochen.

In der "jungen Welt" ist man nicht ganz zufrieden, es hapert an der dazu komponierten Filmmusik und, das ist eine seltsame Kritik am Kino: er setzt zu viel auf Schauwerte; auch stört deren Filmkritiker ein als funktionslos betrachtetes Ballett, das freilich, im Kontrast zu den Szenen, diese vielleicht in eine besondere Funktion/Licht setzt. Sei's drum

Die interessanteste Kritik stand in der FAZ. Sie wirf ein bezeichnenden Schlaglicht auf den geistigen-kulturellen Zustand der Bourgeoisie, über den wir uns keine Illusionen machen sollten. Er ist, das sieht man schon an ihrem geschäftsführenden Personal (Parlament) eher bescheiden, um nicht weiter zu übertreiben. Der Filmkritikerin ist der Film des Guten zu viel. Da wird dann die Leichtigkeit vermisst, die einen doch über die immer noch und mehr denn je aktuelle Kapitalismuskritik hinweg gleiten lassen soll. Und es gibt der Dame nach zu viel Brecht, da alles was Brecht in dem Film sagt, von diesem auch tatsächlich gesagt und geschrieben wurde... Sagen wir es in unseren Worten, Frau Scheer vermisst die Fantasie im Umgang mit dem immer noch unbequemen B.B. Und deshalb überfordert der Film leider die guten FAZ lesenden Bürger.- Nun, die wissen ohne hin schon das, was uns Brecht mitteilen will, dass der Unterschied zwischen einem Bürger und einem Räuber höchstens eine Frage des Mutes ist.

Wir haben den Film in Stuttgart gesehen, wo vor nicht all zu langer Zeit "erfolgreich" die Dreigroschenoper aktualisiert und also vernichtet wurde.- Der Film ist Unterhaltung auf hohem Niveau, das uns wieder mit diesem Werk versöhnt hat. Da das, was sich Brecht in dieser Oper zu zeigen vorgenommen hat, aktuell bleibt, bleibt es wohl auch seine Oper. Wir hoffen auf Neuinszenierungen und neue Opern und eine neue Musik, die einen von den Stühlen reißt und trotzdem oder deswegen neue Horizonte eröffnet. Brecht wollte Vorschläge machen, wir hoffen auf weitere.

Und einen, den, der so schwer zu machen ist, wollen wir auch ausführen.

PPS: Für die Stuttgarter: Der Schluß des Films spielt im sogen. Herzen der Stadtbibliothek. Es scheint, als wäre in dieser Szene der Geist des Gebäudes zu sich gekommen.

16:21 16.09.2018
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