Mein lieber Covid

Bewerbung Start-Up 2.0
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Durch einen Zufall ist mir folgendes erschütterndes Bewerbungsschreiben in die Hände geraten, das ich der Öffentlichkeit, meinen 6 Leserinnen, nicht vorenthalten möchte. Unabhängig von der zweifelhaften moralischen Substanz des jungen Mannes, denn es handelt sich um einen Mann, keine Frau würde sich so bewerben, ist doch auch die Schwäche dieses Anschreibens deutlich. So fehlt, eigentlich für einen BWL-Studenten überraschend, das weite Feld des Marketing, überhaupt die Produktpräsentation, ist doch der Name das A und O, obwohl das Covid immerhin den Ovid enthält, aber wer kennt den denn heute noch? Selbstverständlich distanziere ich mich von den folgenden Zeilen und keineswegs sind die Folgen der angesprochenen oder hinzuzudenkenden tadellosen Unternehmen mit denen einer Pandemie zu vergleichen! Überhaupt hätte noch das bekannte Zitat aus dem Faust von Mephisto hier unbedingt seinen Platz, aber was will man hier erwarten?!

Wie auch immer, urteilen Sie bitte selbst:

___________________________________________________________________

Mein lieber Covid,

darf ich sie so nennen? Ich mache wie sie keinen Unterschied zwischen männlich und weiblich und so kann ich mir die Sternchen schenken, auch wenn diese ganz nett sind und vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit mit ihnen haben. Als Logo wären die ganz ausgezeichnet - und genderneutral!

Das sind wir beim Thema. Darf ich mich kurz vorstellen, keinesfalls um die Spannung zu erhöhen, aber sie werden schnell merken, mit wem sie es zu tun bekommen und wie vorteilhaft - eine, darf ich es kühn schreiben, Allianz zwischen uns wäre! (Mit der Star Alliance am Himmel ist es dank ihnen ohnehin schon aus - der Rest: ein Kinderspiel. Aber dazu gleich mehr!)

Ich studiere Betriebswirtschaft, schon im Master, kurz vor dem Abschluss. Da ich aber nicht zu lange warten wollte, habe ich schon eine Unternehmensberatung gegründet. Und die will sich ihrer schlechten Performance in mancherlei Hinsicht annehmen. Nur um ein kleines Beispiel zu nehmen, in der uns freundlich gesonnenen SZ las ich, dass an den Folgen des blauen Dunstes ca. 127.000 Menschen jedes Jahr verglühen. Setze ich da ihre Zahlen dagegen, dann sind wir doch beide Start-Ups - aber mit enorm viel Potential nach oben! Da wird in anderen Ländern mehr ausgeschöpft als bei uns treudeutschregierungsgläubigen Deutschen. Ich behaupte: mit meiner Agenda können sie ihre Zahlen leicht verdoppeln, wenn nicht gar potenzieren!!

Zuerst einmal müssten wir ihrer Plattform einen passenden Auftritt verschaffen. Ich schlage aus den bekannten Gründen eine AG vor. Persönliche Haftung ist ausgeschlossen und wir peilen ja unsere Aufnahme mittelfristig in den DAX an!

1. Sollten sie, oder darf ich wir sagen, ordentlich viele Leute einstellen, je mehr je besser. Das Ziel wäre Systemrelevanz, das macht uns unangreifbar und wir können, wenn wir international agieren, uns das Land mit den besten Gesetzen für unsere Zentrale aussuchen.

2. Wären die Zahl der Stipendien, Förderungen, Preise usw. für Virologen und andere -Logen wie für Betriebswirtschaftler, schließlich studieren hier die meisten, und das Fach kennt die wenigsten Hemmungen, deutlich zu erhöhen. Ähnlich wie durch Facebook oder Lidl wären auch Stiftungsprofessuren eine große Hilfe, die unser segensreiches Wirken besingen könnten.

3. Unbedingt sind politische Karrieren längerfristig zu fördern. Unsere Lobbyisten, wenn sie sich bewährt haben, wären ideale Partner für das Parlament bzw. die Regierung. Dazu brauchen wir aber Freunde in den Parteien, deswegen ist auch der Nachwuchs zu locken durch Stipendien, Einladungen in diverse Resorts nah und fern mit der von früheren Ärztekongressen bekannten Mischung aus Fortbildung und Unterhaltung, sehr hilfreich. Auch der positiv integrative Umgang, horizontal und vertikal, mit dem VW-Betriebsrat ist unvergesslich in Erinnerung.

4. Ein neutrales Forschungsinstitut, auch hier haben wir viele Vorbilder, wäre gut geeignet die öffentliche Meinung zu steuern, dazu braucht es selbstverständlich eine gute Verbindung zu den großen Medien. Entsprechende Aktienangebote wären sicher hilfreich, notfalls gehen freilich auch ganzseitige Anzeigen, Briefings mit netter Betreuung usw., darunter sollten wir freilich nicht gehen.

5. Unbedingt brauchen wir eine Flotte von Anwälten, überhaupt Juristen, die unser Geschäftsmodell nach vorn und hinten absichern, und die richtigen Leute aus den passenden Verbindungen kennen. Eine Spende hier und da, ein Tennisclub, eine Golfanlage, wäre nicht zu unserem Schaden. Wie man bei der US-Tabakindustrie lernen kann, bringt es schon viel evtl. kommende Prozesse um ein paar Jahre zu verzögern, bis wir eine gute Regierung an der Macht haben.

Eigentlich wollte ich Ihnen nur 3 Punkte anbieten, wir sind beide ja der Meinung: in der Kürze liegt die Würze bzw. schnell aber gründlich. Apropos: Da hapert es noch etwas und ich würde dringend für das neue Jahr ein Update vorschlagen, schon um dieser albernen Verimpferei ein Schnippchen zu schlagen.

Sollte sie das alles überzeugt haben, woran ich keinen Zweifel habe, dann erwarte ich ihre Einladung, damit wir die Sache persönlich, mit gebotenem Abstand, besprechen können. Wir werden uns einigen und wir werden noch Großes vollbringen!

Mit vorzüglicher Hochachtung

und willkommen in der alten Welt, wo wir gemeinsam noch einmal neu- und durchstarten wollen...

Ihr

...

17:56 26.11.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare