Nixon in China

Minimal Music In der Stuttgarter Oper
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Die Oper ist nicht ganz taufrisch, sondern stammt aus den 80er Jahren, die Zeit der Minimal Music, wenn ich mich richtig erinnere, die wir auch in der Stuttgart Oper genießen konnten. Minimal Musik ist das Pendant zu Techno in der Hochkultur.

Die Oper wurde in einigen Zeitungen gelobt, so auch in der Stuttgarter Zeitung. Nun gebe ich auf das Urteil dieser Zeitung wenig, zumal deren "Kritik" meistens positiv ausfällt bis auf eine Ausnahme: Das Elend in der Staatsgalerie ist selbst für die StZ nicht schönzuschreiben, auch wenn deren Direktorin Beziehungen bis in die höchsten politischen Kreise hat. Sonst hat sie freilich wenig zu bieten, aber für ein warmes Pöstchen ist das bei uns ausreichend.

Nun also Nixon in China. Mit Kissinger. In der Pause nannte ein Besucher Mao ein Monster bzw. Massenmörder, ich denke, das ist so falsch. Und erst recht auf Zhou Enlai trifft das nicht zu. Aber man kann weder von der StZ noch von ihren Leser erwarten, dass sie irgendwas von China verstünden, da ist das Brett vor dem Kopf zu dick. Mao war, das ist nicht falsch, auch ein "Verbrecher" (Großer Sprung, Kulturrevolution), v.a. seine Frau und die sogen. Viererbande, aber er war vorher ein großer Revolutionär, was man z.B. von Stalin nicht behaupten kann. Von Nixon ist derartiges erst recht nicht überliefert - und Kissinger?! Wenn es in diesem unsrem Lande oder in Europa einen Rechtsstaat gäbe, müsste dieser verhaftet und vor ein internationales Menschenrechtsgericht gestellt werden; aber wen interessiert denn Pinochets Chile oder der Vietnamkrieg, und das sind nur die bekanntesten Verbrechen, in die er verwickelt war. (Nixon ist ja schon tot usw.)

Nixon in China sei eine Medieninszenierung, nicht die Oper, sondern angeblich die Bilder der Oper, hörte ich bei der Einführung. Da muss ich wohl geschlafen haben. Der Realismus dieser Oper ist z.B. an den orangenen Farben der Flaggen oder der Kleidung der Chinesen deutlich absehbar. (Freilich verwechsle ich hier nicht Naturalismus und Realismus...)

Die Musik, obwohl sie eher aufpeitschenden Charakter besaß (Lautstärke), und die Frau hinter mir dazu animierte, rhythmisch an meine Lehne zu klopfen, machte mich im ersten Teil doch eher müde. Der zweite ging, war etwas interessanter, obwohl die Darstellung der roten Revolutionsoper in der Oper auf dem durchsichtigen Vorhang vor der Bühne, das Auge etwas strapazierte (Übrigens auch die Unsitte, die Scheinwerfer etwas unmotiviert auf das Publikum zu richten, was nicht direkt Betroffenheit auslöst.) Das war schade, da wurde eine Chance vergeben. Mitunter weiß man nicht, ob das Satire ist oder nicht. Da es heute zum guten Ton der Beschäftigten der Kulturindustrie gehört, wo ich nun auch die Oper dazu zähle, die Wirklichkeit zu "destruieren", gab es in der Einführung auch gleich eine Einladung zu einem dazu veranstalteten Kongress. Verständlich, dass das Bürgertum, seine "Philosophen" und Ideologen, Schwierigkeiten mit der von ihnen produzierten Wirklichkeit haben, und deswegen mit Freude diese dekonstruieren bzw. "eskapieren".

Wenn die Lokalzeitung recht hat, und diese Oper uns zeigt, dass die Stuttgarter Oper jetzt politisch wird, dann haben wir nichts zu befürchten. Nixon und Kissinger in China? Sonst war nichts?!

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PS: Mieterhöhung alle drei Jahre um 15 Prozent. Gut so, da bleiben die reichen Bürger in der Oper bald unter sich und wir dürfen auf die nächste hoffen: Trump in Nordkorea. Nun bis dahin haben die bürgerlichen Zeitungen viel zu tun, um das einzig Sinnvolle, die Enteignung der großen und einiger kleinerer Immobilienfirmen, die es verdient haben, uns zu dekonstruieren.

PPS: Und noch ein kleines Beispiel, wie es die Industrie ihren Freunden dankt: die Grünen, Herr Salomon. Der wird nun Hauptgeschäftsführer der IHK Südl. Oberrhein, nachdem ihn die Freiburger nicht mehr wollten. Ein Hoch auf unsere Demokratie!

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gruener-an-ihk-spitze-salomon-wechselt-in-die-wirtschaft.deb78d6d-1808-491c-b0bd-f74fd0e40cc7.html

12:42 13.04.2019
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