Schauspiel: Medea (Grillparzer)

Theater Stuttgart
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Im Schauspiel Stuttgart, auch Kleines Haus i.G. zur Oper als Großes Haus hier so genannt, gab es Medea von Franz Grillparzer. Zwar macht der Wikipedia Eintrag von Grillparzer nicht unbedingt Lust auf diesen Dramatiker, aber Medea schon, und es geht auch darum, wie der neue Intendant in Stuttgart inszenieren lässt. Frau Mateja Koležnik führte Regie.

Nun ja, das Bühnenbild erinnerte mich stark an das Treppenhaus eines lokalen Schwimmbades wg. der Wand- und Bodenfliesung; das ganze Stück spielt in diesem Treppenhaus, in dessen Mitte, hinter den Milchglasscheiben, nein, kein Aufzug ist, oder doch? Vielleicht einer nach ganz Oben oder ganz Unten, man sieht fast nackte Gestalten, die dort mitunter herumgeistern. Irgendwann wird klar, dass das die Verstorbenen, getöteten Verwanden von Medea sind...

Die Schauspieler wirken und sehen aus wie "Bankbeamte"; was sie in einer griechischen Tragödie verloren haben, ist nicht wirklich klar. Vermutlich soll das Medea-Thema der betrogenen Gattin, zeitlos inszeniert werden. Freilich, eine Frau, die auf der Bühne raucht, macht noch keine starke wilde Frau; es sei denn, man glaubte der verschwundenen Zigaretten-Werbung, was die Regisseurin vielleicht macht?

Ob es am am "Treppenhaus"-Bühnenbild lag oder an meinem Ohren, aber ich habe doch einiges von dem Dialog akustisch nicht verstanden. Vorsichtshalber habe ich gefragt; anderen, die weiter vorne saßen, ging es ähnlich.

Der Beifall freundlich, bis etwas mehr, was wohl den vielen Schauspieler-Kollegen im Publikum zu verdanken war, freie Plätze gab es auch noch.

Der neue Intendant zeigte sich auch, wie er sich auch sonst gerne zeigt, aber das muss kein Nachteil sein, sondern soll wohl zeigen, dass er i.G. zu seinem Vorgänger, hier ankommen möchte. Ob man man dadurch hier ankommt, indem man eine schwache Medea präsentiert - mit ebensolchen Kontrahenten - weiß ich nicht. Es hätte mutiger zugehen können, etwa wenn Medea einen Ganzkörperschleier getragen hätte; das wäre aktueller gewesen als Kostüme und Hosenanzüge, und hätte für etwas Stimmung im partiell konservativen Publikum gesorgt. Aber der neue Intendant will nichts riskieren... Freilich, wenn man nichts zu sagen hat, ist das auch nicht wirklich spannend. Wir warten also auf Stücke, die wie ein Donnerschlag das Publikum rühren, und für etwas mehr Aufregung sorgen.

Aber auch hier gibt es gute Nachrichten, das Ganze dauerte nur eine gute Stunde! Anschließend Premierenfeier. Was übrigens auch ungerecht ist, warum soll es die Möglichkeit zu Unterhaltung und Austausch nicht jedes mal an diesem Orte geben?

Die große Zeit des Stuttgarter "Kleinen Hauses" liegt lange zurück; wann kommt einer und macht uns den B.B. des 21. Jahrhunderts?

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PS: Die Kritikerin der Stuttgarter Zeitung findet das Stück, v.a. sprachlich von geradezu "zeitloser Strahlkraft". Das war zu Anfangszeiten von Herrn Petras auch nicht anders, wie übrigens auch und immer noch bei S21. Hinter dieser Zeitung steckt eben ein besonders kluger Kopf... Aber von Strahlkraft zum Stahlbad sind es nur ein paar wenige Schritte. Dass unsere schwarz/grüne Regierung diese nicht scheuen, wissen wir. Und wenn das Theater unsere kleine Welt spiegelt, dann erwarten uns "Glanzstücke", die uns noch schaudern werden.

10:44 15.12.2018
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