Staatsgalerie Stuttgart

Ausstellung Staat machend
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Was lesen wir an Werbung für die gerade laufende Ausstellung in der Staatsgalerie in Stuttgart:
»Baselitz, Richter, Polke und Kiefer schufen die Voraussetzungen dafür, dass die Kunst und nicht mehr der von Paul Celan beschworene Tod ›ein Meister aus Deutschland‹ werden konnte.«
(Götz Adriani)

Die Kunst wäscht weißer, d.h. macht das Leben bunter. "Wir" werden wieder wer, und sind nun die, die zum Beispiel die Griechen zu Recht so lieben, weil mit unserer (Nicht-)Hilfe ihr Land rekolonialisiert wurde. Da wir unsere Vergangenheit aufgearbeitet haben, dürfen wir wieder "Verantwortung" übernehmen, d.h. deutsches Militär in die Welt schicken, um unsere Interessen zu vertreten. Also auf: Wdh.!

Auch die Studentenbewegung wird dazu herangezogen, Deutschland wieder weißzuwaschen. Die ausgestellten Künstler haben, das ist hier nicht die Frage, sogen. Meisterwerke geschaffen, auch durchaus witzige oder kritische z.B. bezüglich der Heldenverehrung; was uns hier stört, ist, dass sie dazu benutzt werden, Deutschland in neuem Glanz und alter Stärke erstrahlen zu lassen. Dazu war die Kunst schon einmal nützlich. Damals ging es aber um Richard Wagner und seine Musik, die die deutsche Weltgeltung und dann Weltherrschaft legitimieren sollte. Dass es auch eine andere Richtung gab, habe ich hier schonmal besprochen für die Thomas Mann stand. (siehe: Vaget, Hans Rudolf: "Wehvolles Erbe" Richard Wagner in Deutschland. Hitler, Knappertsbusch, Mann. S. Fischer 2017)

Nun gibt es allerorts Versuche, vom neuerwachten, und nie wirklich trocken gelegten braunen Sumpf abzulenken - und dafür ist die Kunst gut genug. Nun sind in diesem Land schon viele als junge "Wilde" gestartet, um dann als Bettvorleger oder Wandschmuck der herrschenden Klasse zu enden; (auch) die Parlamente und Universitäten waren und sind voller dieser Leute.

Die Bilder können nichts dafür, aber die grüne Kulturpolitik ist so nachhaltig, staatstragend (d.h. kapitalfördernd) und erfolgreich, wie die grüne Umweltpolitik in Stuttgart...

In der Werbung für die Ausstellung steht, dass die Besucher schon im Foyer der Staatsgalerie auf das Spannungsfeld zwischen Heintje und Rolling Stones eingestimmt werden. Ja, Heintje passt sehr gut in die Staatsgalerie, und auch Mick Jagger wurde erfolgreich integriert sogar in den Adelsstand erhoben. Schöne Kultur, wohin man blickt.

Siehe auch:

https://www.zeit.de/2019/17/die-jungen-jahre-der-alten-meister-kuenstler-ausstellung

Buchtipp:

Diamond, Jared: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften. Frankfurt/M 1998

Und Dank an ...

20:41 23.06.2019
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