Stuttgart: ein neues Lokal

Richter's Fine Dining Ein Besuch
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Kürzlich waren wir so um halb 10 nachts auf der Suche nach einem Lokal. Das Block House am Hauptbahnhof war leider überfüllt. Da fiel der Dame eine Besprechung in der StZ ein, in der ein neues Lokal lobgepriesen wurde. Da es gleich in der Nähe ist, d.h man musste nur durch eine sehr unwirtliche Unterführung, aber so ist das eben in Stuttgart, gingen wir hin.

Da ich schon das erste Schorle intus hatte, erlaubte ich mir, den Blick auf die außen ausgehängte Speisekarte, als echter Mann aus der Welt, sparen(!) zu können und wir gingen hinein.

Relativ großes Lokal, nicht ganz enge Betischung, farblicher Eindruck: Graubraun. Die Speisekarte war erklärungsbedürftig. Eine freundliche junge Frau erklärte sie uns. Die Preise waren Hallo. Im Gedächtnis blieben mir, dass das Fleisch einer alten Kuh (80 Jahre?) angepriesen wurde, sowie in der Speisekarte ein 60 Minuten gekochtes Ei. Ich weiß, dass ich das alles missverstanden habe! Es lief auch Barmusik, die etwas leiser hätte sein dürfen. Aber wir wissen, je leerer das Lokal, desto lauter die Musik.

Ich habe Spagettini mit Trüffel und irgendeinem spezial Carpaccio gegessen, etwas über 30 €, aber von der Menge her in Ordnung. Ich bin für korrekte Preise in der Gastronomie, wenn sie denn dem hier reichlich vorhandenen Personal zu Gute kommen. (Zu zweit kommt man hier nicht unter 100 € davon, leicht, das auch alleine zu schaffen.)

Ich zweifle freilich etwas daran, da ich in der StZ später las, dass der Gründer der Firma Wohninvest in Sylt war und den dortigen Koch nach Stuttgart abgeworben hat. "Hinter dem Lokal stehen Investoren, für die immer ein langer Tisch im erhöhten Logenbereich reserviert ist, deren Vorhang sich zum Separee zuziehen lässt." Das erinnert mich etwas an Herrn Oettinger und sein italienisches Lokal, der schon lange in die EU abgeschoben wurde, wo er auf höherer Ebene noch mehr Unheil anrichten darf als früher in Baden-Württemberg. Investoren in Lokalen sind eine veritable Bedrohung der guten Laune und des "guten" Gewissens. Ein Grund dort nicht mehr hinzugehen, trotz gutem Essen und noch besserem Wein.

Freilich, der Schreiber dieser Zeilen ist dringend auf der Suche nach einem Investor, da sein Auskommen in der kleinen Stadtbibliothek weniger als spärlich ist, und es im dortigen Matriarchat kein Chance gibt.

Also bleibt mir nichts anderes übrig als dort in Zukunft öfters hinzugehen und nach einem Investor Ausschau zu halten. Die Herren an einem Nebentisch sahen auch schon so aus... Der Chef des Lokals, der dabei saß, verabschiedete mich freundlich. Ein paar Tische weiter saß ein Hipster mit Freunden. Der arbeitet sicher für Investoren.

In der Toilette, sorry, gab es eine neumodische Spülung, eine Art Touchscreen. Es gelang mir nicht, sie zu aktivieren...

Ja! Die Bussi-Bussi-Gesellschaft in Stuttgart hat eine Location mehr. Wir freuen uns für sie.

PS: Ein paar Tage später: Was ich noch loswerden möchte, ist mein missfallen der "Handtücher" auf den Tischen. Diese sind nicht nichts, auch ein schöner Holztisch kann gefallen, aber auch keine "normale" Tischdecke, sondern ein unschönes, ungutes und unpraktisches Mittelding. Kurz: Nichts Ganzes und nichts Halbes. Ich hatte mir mal vorgenommen, Lokale mit solcher Tischbestückung zu meiden, sie sind kein gutes Zeichen...

Update: 23.7. Nun das Ende, vom dem ich in der Lokalpresse lese:

https://mahlzeit.city/news/gesellschafter-werfen-richter-aus-dem-richters/12295/

Nun, das scheint mir kein ganz großer Verlust für Stuttgart

10:53 28.02.2019
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