Stuttgarter Nächte sind lang und dunkel

Jugendunruhen Coronana
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Nun haben die bürgerlichen Medien versucht, Licht in die spontan ausbrechenden Unruhen zu bringen. Die Reaktion der Justiz war zuerst brachial, dann etwas moderater. Das lag auch daran, dass es nicht wirklich gelang, die "Rädelsführer" ausfindig zu machen - weil es keine gibt. Das hat immerhin die Stuttgarter Zeitung zu einem seltenen Ausflug in die lichten Gefilde der feinen Ironie geführt, indem sie ihren Lesern einen historischen Exkurs beschert. Rädelsführer waren vor langer Zeit einzelne Aufständische o.ä. in der Mitte einer kreisförmigen Kampfformation, d.h. die anderen standen um diese herum, hatten also die schlechteren Karten.

Vielleicht war das eine Früh- oder Vorform des bürgerlichen Politikers, der sich auch gerne hinter anderen versteckt und idealerweise von dort seine Kommandos zu Eroberung resp. der Interpretation der Welt und des lokalen Geschehens auf ihr gibt.

So interpretiert er, heute würde man das aus der Blase nennen, sie ist akademisch oder aktuell schwarzgrün, das Geschehen, wähnt sich mitten im Kampf und ist doch fein raus, wenn der Kreis der Getreuen hält. (Der wurde im Laufe der Geschichte immer größer, heute umfasst er z.B. einen Großteil dessen, was man Zivilgesellschaft nennt.)

In Stuttgart wurde, nachdem die Polizei oder ihre Hintermänner (Strobl o.ä.), auf der großen Freitreppe am Schlossplatz die Rädelsführer der nächtlichen Randale entdeckt (oder erfunden), diese am Wochenende gesperrt, und man konnte in der Zeitung ein schönes Bild bewundern, wie die Polizei diese leere Treppe bewacht. (Frage an die Germanistin: Gibt es Bezüge zum sogen. Treppenwitz?)

Auch wurde überlegt, ein Aufenthaltsverbot für den Bereich auszusprechen, also die Menge zu zwingen, immer in Bewegung zu bleiben.

Wer sich erinnert, das entsprach früher der Situation auf der Königstrasse in besten Zeiten, wo sich die Ströme des konsumfreudigen Umlandes mit den Stuttgartern mischte, so dass der Neckar nur vor Neid erblassen konnte. Was ist der Wasserstrom gegen den Konsumentenstrom. (Ich meine, was dessen potentiell tödliche Kraft angeht?!)

Nun hat man die Zahl der Sozialarbeiter aufgestockt, die mit Sport, Spiel und Bewerbungshilfe den Bedürftigen Beistand zukommen lassen, und sich gleichzeitig auch ihren Job sichern. Denn schließlich werden die Gefangenen für das Gefängnis gemacht und nicht das Gefängnis für diese. (Zumindest öfters, in den USA besonders, wenn ich mich richtig erinnere, haben die die meisten Gefangenen in westlichen "Demokratien".)

Viel erfahren wir von den Jugendlichen nicht, bisher gab es keine Untersuchung, die auch den Klassencharakter der Unruhen thematisiert. Zumindest nicht extra: Wenn ich an meine Jugend mich zurück erinnere und mir unsere kleine Wohnung vorstelle, Kinderzimmer war auch Esszimmer, das Wohnzimmer war tagsüber zugesperrt (irre Verfallsform des adligen Salons), ja da hätte es auch Mord und Totschlag gegeben oder noch mehr Alkohol...

Die Gewalt geht nicht vom Volke aus, sie trifft es nur am härtesten, da ist die Corona-Politik strenge Lehrmeisterin. Dass das "Gesundheitsnarrativ", sagen wir: die märchenhaften Erzählungen von Spahn und seinen Experten hausgemacht sind, und vor allem dem Profitmotiv* dienen, sei es in eigene zukünftige Taschen oder die der Freunde und Förderer, das ahnen auch die Dümmsten, auch wenn sie sich schon spritzen haben lassen. Was freilich nicht nur zu einer Verhärtung und Blockade innerer Blutflüsse führen kann, sondern eben auch direkt im Hirn Blockaden bildet. Da kann etwa der FFP2-Maskenunsinn noch so deutlich werden, zu spät, die Dinger sind gekauft, und nun müssen sie auch (ab-)getragen werden, so ist das (nicht nur) in Schwaben.

Stuttgart hat nun gerade den hässlichsten Bahnhof in D., der gerade jetzt einen Besuch lohnt, (bitte Stiefel mitbringen, da gerade überschwemmt) und als nächste Baugrube kommt die Oper dran mit ca. 1 Milliarde.

Die Polizei ist dafür nicht verantwortlich, es mögen ihre Wohnungen auch nicht viel größer sein als die der Unruhestifter, aber sie ist der Kreis, den die Rädelsführer um sich gebildet haben, damit sie ihren Geschäften ungestört nachgehen können. Unruhe ist da nicht erwünscht.

* "Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens." T. J. Dunning

---

PS: Feine Geister stören sich, wenn die ungebildeten Jugendlichen auf den Boden spucken. Das hat etwas bedrohliches. Das mag daran liegen, dass er ihnen nicht gehört.

15:27 08.06.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare