Vasarely Sharing Forms

Paris 6 February - 6 May 2019
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Im Centre Pompidou, das man nur durch eine Sicherheitsschleuse ähnlich in den Flughäfen betreten kann, ähnlich auch in anderen Pariser Museen, gibt es von Vasarely eine große Ausstellung. Auf dem englischen Begleitzettel lese ich "inventor of optical-kinetic art" und dass er die "geometric abstraction" revolutioniert habe.

Unsere französische kommunistische Freundin erklärte uns, dass er eine Formensprache entwickelte, die alle, d.h. das Volk, verstünden.

Mir stellt sich da die Frage: Ob das Volk zum Berg muss (und hinauf) oder der Berg kommt zum Volk. Das soll heißen: Ist es demokratisch, sich dem Bildungsniveau des Massen anzupassen, um diesem zu gefallen, es anzusprechen - und was zu sagen? Oder muss dieses, wenn nicht in diesem Leben dann im nächsten, die "Höhen der Kultur" erklimmen?

Vasarelys Bilder erinnern einen an psychologische Tests oder den Besuch beim Augenarzt, mitunter flimmert es einem vor bzw. im Auge. Das sagt viel und wie schon das schwarze Quadrat: nichts. Das war zur Zeit des schwarzen Quadrats sicher anders, aber heute ist das m.E. eine Sackgasse.

Ich kann in diesem Zusammenhang einmal mehr und immer wieder auf Frances Stonor Saunders: "Wer die Zeche zahlt... Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg" erinnern. Das sollte man zur Kenntnis nehmen, auch wenn es erst der Anfang einer komplizierten Dialektik ist, die mit den revolutionären Intentionen mancher abstrakter Expressionisten z.B. (nicht) beginnt, sicher über Adorno führt, den "Ostblock" sozialistischen Realismus nicht schön(er) färbt, und bei Brecht und Beckett oder Peter Weiß verweilt, um sich zu orientieren.

Das ist nicht leicht, aber wenn man nicht im süßlich klebrigen Etwas der Kulturindustrie stecken bleiben will, dann ist die Arbeit des Begriffs gefragt. Und auch ein Misstrauen spontaner Sinnlichkeit und Empfindung gegenüber, die genauso zum Sozialprodukt gehören.

Vielleicht sollte man auch in der Kunst wieder mehr die Eigentumsfrage stellen, auf heutige Weise, aber doch klar genug, dass der Skandal auch einer wäre.

Vasarely Vaselini las ich auf einer Hauswand in der darauffolgenden Nacht im Traum.

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PS: In meinen Prospekt findet man auch die Abbildung jener punktuellen Glanzleistung: Deutsche Bundesbank'headquaters dining room. Frankfurt am Main... Anregende Deko für den guten Appetit der Banker.

16:45 09.04.2019
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