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Staatstheater Stuttgart Kosminski, Horvath und Bieito
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Kauft man ab und an eine Theaterkarte, bekommt man dafür jetzt die Eröffnungszeitung des Stuttgarter Staats(!)theaters.

Die Zeitung ist ziemlich groß, mit entsprechender Schrift, großen Bildern; gut für ältere Leute mit schlechten Augen. Und es täuscht darüber hinweg, dass man nicht viel zu sagen hat. Das dürfen dann die Gastautoren, was freilich, wenn sie etwas Vernünftiges schreiben, auch ok ist, wie der Beitrag von Wolfgang Schorlau. Aber das wäre er auch an jedem anderen Ort.

Herr Kosminski, Intendant, ist der Sternchentyp: "liebe Freunde*innen".

Was erfahren wir von ihm zu Beginn seiner zweiten Spielzeit? "Die Zukunft hat eine Zukunft. Es geht um die Zukunft der Zukunft. Futur III." Ich bin da ganz anderer Meinung, ich bin ein Freund des Endes einiger Zukünfte. Ich will nicht gemeinsam mit Herrn K. spielen und ich fürchte mich etwas vor der ersten Premiere von Calixto Bieito und dessen "analytischer Schärfe", mit der er die "Konfliktlinien von heute und morgen nachzeichnen wird". Der hat sich die "Italienische Nacht" von Horvath vorgenommen. Im Interview dazu lesen wir, dass Horvath in seinem Stück die großen Themen "Sex und Populismus" wunderbar kombiniert hätte. Und dazu noch: woher wir kommen?! Hätte er mal Herrn K. gelesen, dann wäre sicher auch noch ein: Wohin wir gehen (sollen) dazu gekommen. Wir werden dahin gehen, aber, nicht auszuschließen, dass wir auch wieder gehen werden, wenn...

Auf die Frage, ob er einen Zusammenhang sieht zwischen aufkeimenden Faschismus und dem heutigen Rechtspopulismus (welche Frage!), antwortet er korrekt: Er ist kein Politikwissenschaftler, aber er sieht durchaus Gemeinsamkeiten, denn: "Letztlich sind die Menschen immer dieselben." Ist das Philosophie oder Dummheit? Dann werden Links und Rechts in einen Topf geworfen: beide suchen persönliche Vorteile vor das Gemeinwohl zu stellen! Hier spricht einer, der viel herum gekommen ist, und was gelernt hat?

Irgendwie hat es der Mann mit dem Thema Sex. In der Weimarer Republik soll es eine Explosion von Sex gegeben haben, weil Freud damals in der einfachen Bevölkerung ankam. Und Horvath richtet nun seine "Kamera" aus und "fängt die Menschen und ihre Bedürfnisse ein". Jetzt kommt der Höhepunkt: "Und das Tolle dabei ist: Er urteilt nicht, er ist nicht moralisch. Er macht das Gegenteil von Brecht."

Ich habe Brecht und Horvath anders in Erinnerung, aber nichts wissen (wollen), ist ja die Voraussetzung dafür, dass dann einfach(!) ein Mensch, Herr Bieito, seine Emotionen auf der Bühne ausdrücken darf. (Ich darf das hier leider nicht, ich meine, meine Emotionen ausdrücken, wenn ich so etwas lese.) Mit graut schon jetzt vor der Premiere.- Ja, ein Held ist er sicher nicht, einfach ein Mitarbeiter der Kulturindustrie, die uns unterhält, damit ihre Zukunft eine Zukunft hat.

Ich bin für ein Ende!

11:35 19.09.2019
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