Wien - ein paar Kurzreiseeindrücke

Kunst und Kultur Flugzeug, Bruegel, Schiele, Das Rote Wien, Mephisto (K. Mann)
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1. Über ein verlängertes Wochenende flogen wir nach Wien. Beim Hinflug konnte man das Gepäck am entsprechenden Schalter abgeben und man bekam seine Boarding-Card. In Wien, vor dem Rückflug, die Wiener sind hier schon weiter, gab es diesen Schalter nicht mehr. Man darf auch das selber machen, d.h. sich mit einem Automaten vergnügen, das Gepäck auf ein Laufband legen und selber einscannen... - Eines der vielen Beispiele, dass nichts besser wird. Bahnfahrer und Post-Benutzer können davon ein Lied singen. Wie soll das weiter gehen?! Und sollten wir da nicht etwas dagegen tun? Technik soll das Leben erleichtern, wir erleben das Gegenteil, von der Jobvernichtung ganz zu schweigen. Wer wählte die dafür verantwortliche Regierung?

2. Am Flughafen machen sie Werbung für regionale Kostbarkeiten: Ein großes Plakat zeigt Klimts Bildnis der Adele Bloch-Bauer. Komisch ist nur, dass das Bild in einem New Yorker Museum Zuhause ist!

3. Die Schiele Ausstellung im Unteren Belvedere lohnt sich! Klein und fein, nur das Musikgedudel im Hintergrund ist nervig. Ein Museum ist doch kein Supermarkt?! Wobei zugegeben, es bei unserem REWE viel lauter ist - zu laut!
Bei der Brueghel-Ausstellung hingegen braucht man außer einem "Time-Slot" (Zeitfenster) gute Nerven: Es gibt interessante "Wimmelbilder", aber davor ist zu viel Gewimmel.

4. Gut und empfehlenswert ist die Aufführung im Burgtheater: Klaus Manns Mephisto. Zeitweise ist das Stück von fast brutaler Aktualität. Schauspielerisch sehr gut, nur die Bühnenbilder, die Szenerie, sind nicht immer geglückt. Man fragt sich manchmal, was diese aussagen soll?! Wir sehen aber ein Beispiel, dass man tatsächlich aus einem Roman etwas herausholen kann, das auf eine aktuelle Bühne passt. (Das geht natürlich nicht mit allen Romanen, aber hier gab es was zu sehen.)

5. Gut und preiswert gegessen; es gibt viele Lokale mit guter österreichischer Küche zu vernünftigen Preisen.

Siehe:
https://faustkultur.de/3739-0-Restaurantfuehrer-Gault-und-Millau-Oesterreich-2019.html

6. Ach ja, und am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt in Museen frei. So konnten wir noch eine Ausstellung über das "Rote Wien" besuchen. So viel Hoffnung 1918/19, und was kam dabei heraus? Einen schönen Ausspruch Freuds findet man dort. «Die Habsburger haben nichts als einen Dreckhaufen hinterlassen.» Wenn die Zeiten einmal besser werden, was wird man dann wohl über unsere Regierungen sagen?

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Tipp: Elisabeth Sandmann: Der gestohlene Klimt. Wie sich Maria Altmann die goldene Adele zurückholte. München 2015

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Update 11.1.

Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich etwas wenig zum Bühnenbild geschrieben habe, deshalb hier noch ein paar Bemerkungen:

Das Bühnenbild möchte ich symbolistisch nennen. Zentral ist ein Laufband, auf dem die Protagonisten sich bewegen. Das macht sich auf der Bühne immer gut, vermittelt es doch eine ordentliche Dynamik. Die tiefere Bedeutung ist bekannt: Die Figuren gehen, laufen, rennen - aber kommen doch nicht von der Stelle; stehen sie still, fallen sie zurück. Das passt gut in jene Zeit wie in unsere auch, die auch still steht und alles ins Rückwärts schiebt.

Dass man z.B. Höfgen an einem Seil aufhängt, wohl um seine Abhängigkeit vom General und Ministerpräsidenten zu zeigen, ist nicht nötig, das sieht man auch so. Das Bühnenbild sollte nicht die Handlung illustrieren ("verdoppeln"), sondern eher umrunden, einbetten, kommentieren?

Positiv ist die minimalistische Bühnengestaltung, die eine Konzentration aufs Wesentlich, die Sprache, die Dialoge und Monologe ermöglicht.

Die Geschichte vom Opportunismus, der sich als Widerstand missversteht, ist aktuell und doch auch wieder nicht. Denn, wer könnte z.B. heute die Staatsaffinität der Linken (Rosa-Luxemburg-Stiftung etc.) als radikalen Widerstand missverstehen? Da fehlt denen leider die Chuzpe, der subversive Witz.

Und was auch noch dazu gehört. Freunde waren im Heeresmuseum, wovon sie die herrliche Losung mitbrachten: Krieg gehört ins Museum. Daran ist dringlich zu arbeiten.

21:20 07.01.2019
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