Die FAZ und Herr Linden

Wissenschaft im Dienst Gegen Frau Guérot

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Vor langer Zeit warb die FAZ mit dem Slogan, ich zitiere aus der Erinnerung(!): dahinter steckt immer(?) ein kluger Kopf.

Das kann man nicht mehr sagen, wobei ich diese Zeit sowieso vor 1933 ansiedeln würde (v.a. für das Feuilleton). Aber sei‘s drum.

Keineswegs scheint mir das auf Autoren wie Herrn Linden zuzutreffen. Ob sich die FAZ mit diesem Erbsenzähler einen Gefallen getan hat? - Die Dame, langjährige Abonnentin und Leserin, meinte klar: Nein!

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten von „Abschreiben“, wobei ich nun hier nicht die Frage nach dem geistigen Eigentum ansprechen will. Oder vielleicht doch? Es gibt Menschen, die denken, haben eine eigene Meinung, und denken kann bei uns nur heißen: (bestimmte) Kritik, ich würde nun negative Dialektik schreiben, aber das ginge zu weit, und ich möchte den braven Herrn Linden nicht überfordern.

Die einen verkaufen sich ans Bestehende, in welcher Form auch immer, Frau Baerbock an andere als Frau Giffey, Herr Guttenberg ist nun sein eigener Graf usw. usf. Andere werden, auch wenn das vielleicht gar nicht geplant war, durch die Sache in eine oppositionelle Richtung getrieben. Schreibt man ab und/oder denkt man nach, das ist der entscheidende Unterschied.

Wissenschaft ist vieles, sie ist eine Institution, über deren Reinheit seit ihrer Gründung gewacht wird. Marxisten wurden vor dem ersten Weltkrieg an keine Universität berufen, danach kamen die sogen. Kathedersozialisten, und ein paar wenige, die aber auch genügend Geld mitbrachten. Ausnahmen waren sie immer, auch nach 1968, als es mit dem Ausbau der Universitäten doch ein paar kritische Geister in die heiligen Hallen des höchstens Geistes schafften. Danach war und ist seit 1989 Schluss.

Die feinen Herren, wie Herr Linden, möchten wieder unter sich bleiben, dass es Frauen an Unis drängt, ist schon schlimm genug. Jedes Buch, das mehr Leser findet, ist des Populismus verdächtig. Nur Frau Guérot weiß, wem sie ihren Lohn verdankt, und versucht auf eine engagierte Weise etwas zurück zu geben, was mir gut gefällt. (Auch wenn es Kleinigkeiten gibt, die auch ich bemängeln würde.) Aber: geht es darum?!

Nein, es ist ein bisschen mit Corona so: Der König ist tot oder für Historiker: abgedankt, aber die Monarchisten an den Universitäten, den Akademien, den Parlamenten, den Gerichten, der höheren Bürokratie und die üblichen Diener ihrer Majestät bleiben bei ihrem Glauben. Angenommen, ihr aller Meister Bill Gates würde nun sagen, ach Corona, ist doch wie eine Grippe… gegen die man sich ja auch impfen lassen kann. Aber nun ist es doch gut so. Nein, sie würden weiterhin an ihrem Glauben festhalten, und wie meine KollegInnen und vor allem Vorgesetzte weiterhin mit FFP2-Maske den ganzen Tag bei zunehmender Hitze herum laufen. Als so einen Menschen muss man sich Herr Linden wohl vorstellen.

Im Übrigen finde ich z.B. Frau Preradovic und ihre Interviews deutlich erhellender als das, was ich so in der FAZ oder SZ oder StZ vor allem nun zum Ukraine-Krieg lese. Dass man abwägt, was man hört und liest, auf sein Glaubwürdigkeit, dass man fragt, wem nutzt das, dass man den „Feindsender“ hört, damit man von zwei Seiten informiert ist, das steht unter Verschwörungsverdacht und ist damit ein Fall nicht für die offene Diskussion sondern für den Verfassungsschutz. Herr Linden mag Fußnoten nachprüfen können, das Corona-Narrativ vermag er nicht zu befragen und natürlich seht er jetzt Gewehr bei Fuß und ist bereit, an der Heimatfront seinen Dienst zu leisten. Wäre es 1914, so wären seine Angriffe eine Denunziation, damit Frau Guérot an die Front kommt, v.a. wenn die warmen Plätzchen im Politikdepartement immer weniger werden.

Nun, vielleicht sollte man öfters die FAZ daran messen, ob ihre Autoren wirklich klug sind, oder nur Fußnoten zählen können, oder sich und ihresgleichen nur immer wieder neu bestätigen. Staatstreue kann auch dumm machen. Mit dieser Art von Wissenschaft ist jede Demokratie tot. Aber, ja…

FAZ vom 4.6. und 8.6.

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PS: Ich lese gerade Altieri, Riccardo: „Antifaschisten, das waren wir…“. Rosi Wolfstein und Paul Frölich. Eine Doppelbiografie. Büchner-Verlag 2022. Auf S. 229 bin ich bei 1299 Fußnoten. Bin nicht sicher, ob Rosa Luxemburg, Paul Frölich oder Rosi Wolfstein, sich das so gewünscht hätten. Aber wer fragt die?

Tipp: Hans Buchhalter im Ossietzky 11/20 zu Rosa Luxemburg und die Ukraine.

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Udate bzw. ein interssanter Hinweise auf meine Blog (5.7.)

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