Zeitungslektüre

Kretschmann geimpft! Aufatmen unter der schwäbischen Käseglocke
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Soll man auf seinen (Klassen-)Feind hoffen, d.h. auf einen bestimmten, kann man mit dem Allianzen eingehen oder wenigstens Hoffnung setzen - auf Zeit und begrenzt (Größenwahn!)?

Die FAZ ist bekannt, eine Zeitung des (Groß-)Kapitals mit einer schönen und danach einer unschönen Vergangenheit und gelegentlichen Versuchen, wenigstens im Feuilleton an journalistisch anspruchsvollere Zeiten anzuknüpfen.

Das ermöglicht (vielleicht) dieser Zeitung a) eine größere Distanz zu den aktuellen Vertretern des bürgerlichen Staates, dessen Teil sie zwar ist (Vorhölle, v.a. beim Imperialismus), aber eben doch nicht nur einer Kapitalfraktion verpflichtet wie die gegenwärtige Regierung und ihre Verlautbarungsorgane wie z.B. die Süddeutsche und Stuttgarter Zeitung.

Während die SZ den Söder und die StZ den Kretschmann hochleben lässt und auf Dauerfeuer eingestellt sind, liest man in der FAZ öfters kritische Artikel. Motiviert sind diese Artikel zwar aus den Interessen anderer Kapitalfraktionen, aber das sorgt doch wenigstens für unterschiedliche Perspektiven, die man im Parlament von Links bis CSU nicht findet. (Ausnahme die kluge Frau Wagenknecht, die jüngst in ihrem Kanal die Korruption trefflich beleuchtet, wobei man noch ergänzend fragen könnte, ob, wenn sie noch Kommunistin wäre, nicht mit einer Referenz auf frühere Marxisten, den Parlamentsbetrieb an sich thematisieren hätte können?!)

Wer Zugang zur FAZ hat, nur ein Beispiel, wie immer im Feuilleton vom 15.2. "Fällt Gesundheit vom Himmel?" Es geht um die Opfer der fossilen Brennstoffe.

Derartige Vergleiche findet man sonst nicht. Kaum wird einmal der Inzidenzfetischismus in Frage gestellt, die Willkür der Corona-Repression und deren Folgen thematisiert.

Im Gegenteil, jetzt wird wieder ein harten Lockdown gefordert, der scheint die passende Möglichkeit, dass CSU und CDU ihre schlechten Umfragewerte wieder erhöhen, denn offensichtlich hat unser braves Volk noch nicht genug Stiefel im Genick.

Dazu passt die Russlandhetze, jetzt "Vorwürfe aus Moskau: Russland geht gegen Deutschland vor". Ein journalistisches Glanzstück, das man unbedingt im Schulunterricht behandeln sollte. Es geht um den RT-Sender, der manchmal interessante Sachen bringt (Gegengift) und nun Schwierigkeiten mit der Commerzbank hat. (Siehe dazu auch die Nachdenkseiten und/oder die Forumsdiskussion im Freitag, die erhellender ist als diese Text in der SZ.)

Der russischen Desinformationskampagne wird durch SPD-Maas eine "Positivagenda" gegenübergestellt, die Zivilgesellschaft (also die Grünen, am besten der StZ-Liebling Cem Özdemir) soll helfen, dass die russische Propaganda nicht auf den falschen Boden fällt. Schöne Ablenkung vom schlecht recherchierten, d.h. gar nicht, Thema.

Nach Kretschmann werden hoffentlich bald Söder und Spahn mit AstraZeneca geimpft, damit sie sich wieder beruhigen.

Dann habe ich noch gelesen, in einer dänischen Studie kam heraus, dass Personen, die Corona hatten, ca. ein halbes Jahr rel. geschützt vor einer zweiten oder schweren Ansteckung sind. Kann man daraus schließen, dass das bei der Impfung ähnlich ist? Das würde bedeuten, dass "wir" ca. 80 Millionen Menschen, denn nach dem Kinderimpfstoff kommt der Kleinkinderimpfstoff, zweimal im Jahr impfen müssten?! Welche Geschäftsaussichten sind das, da kann Amazon, Google und Facebook nur davon träumen.

Da sind wir wieder bei der FAZ, die sich in dieser Zeit auch einen großen Artikel über das Reisen leistete, natürlich im Feuilleton und der möglichen mentalen Folge des Dauerlockdown. (Nach der dritten Welle, kommt die Dauerwelle. Wer hat das noch gleich gesagt? Ich hoffe freilich auf eine ganz andere Welle: die Föhnwelle!) Werden die Leute zurückverspießern und in Zukunft Zuhause bleiben? Nun ich habe da zweierlei Einwendungen. Die verarmten Teile der Bevölkerung sicher, die anderen werden, wie immer, ihre mentales Elend mitnehmen und kaum, wie es der Autor hofft, wieder in der Fremde lernen wollen.

Aber nochmals zur FAZ, da ich der Linken außer der Zero-Hirnaktivität nicht mehr viel zutraue, vielleicht gibt es doch ein paar Kapitalgruppen, die die Regierung unter Druck setzen, damit irgendwann wieder ein vernünftiger und eigenverantwortlicher Umgang mit Risiken möglich sein wird? Man sehnt sich nach der Abschaffung der Grundrechte wieder ein bisschen bürgerlichen Rechtstaat herbei, wie er ja eine Weile, wenngleich mehr schlecht als recht, funktioniert hat.

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PS:

Im ND steht gleich ganz Oben auf der Onlineausgabe:

"Rollenbilder. Kultur. Von ...: Neue Männer braucht die Welt"

Es ist schade um jede "linke" Zeitung, die verschwindet, aber ich kann nicht anders, manchmal denke ich, da sind sie selber schuld, auch wenn Frau Dankemeyer dort an die Pariser Commune erinnern darf. Das wäre vermutlich auch für das Feuilleton der FAZ doch zu viel.

18:03 19.03.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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