Hajo Zeller

Ein Franke in Hessen. Ein Optimist in schwieriger Zeit.
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Hajo Zeller
RE: Verzicht ist nicht hilfreich | 30.06.2021 | 15:02

rinaldok schreibt: »Ich halte von solchen Artikeln und Beiträgen die von "linken Autoren" verfasst und veröffentlicht werden nichts mehr, wo die "Systemfrage" nicht einmal ansatzweise einbezogen wurde«

Ich glaube, es sind in der Diskussion zwei Ebenen zu unterscheiden. Die eine Ebene, ist die Ebene, auf der Autoren wie Flassbeck und Höfgen argumentieren. Diese Autoren bewegen sich gedanklich im Rahmen der herkömmlichen „politischen Ökonomie“. Sie zeigen die Schwachstellen der neoklassischen Wirtschaftstheorie auf. Diese liegen vor allem bei einem völlig unzureichenden Verständnis von makroökonomischen Zusammenhängen, hier vor allem saldenmechanischen Identitäten, und einem unterentwickelten Verständnis des modernen Geldwesens. Bereits auf dieser Basis ist es möglich, eine „bessere“ Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik zu entwickeln, welche den Interessen der großen Mehrheit der Bevölkerung dienlicher ist, als der jetzige Zustand.

Auf dieser Basis wird es allerdings schwierig bis unmöglich, die wirklich großen globalen Probleme in den Griff zu bekommen.

Auf der zweiten Ebene liegt „Die Kritik der politischen Ökonomie“, wie sie von Marx entwickelt wurde. Marx schrieb meiner Ansicht nach keine „bessere“ oder „richtigere“ politische Ökonomie, wie viele Marxisten glauben, sondern er unterzieht die Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise einer Fundamentalkritik, indem er sie analysiert und darstellt. Im Kern lautet die Marxsche Erkenntnis (Sehr, sehr verkürzt):

Weil die Güter und Dienstleistungen, die zur Reproduktion der Gesellschaft benötigt werden, die „Warenform“ annehmen, entwickelt sich das Gesamtsystem aus sich heraus zum „automatischen Subjekt“, dessen einziger Zweck die „Verwertung des Wertes“ ist und dessen Zwängen sich die Menschen freiwillig/unfreiwillig unterwerfen, ohne zu verstehen was dort eigentlich passiert.

Die Marxsche Lösung lautet: „ Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muß, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muß es der Zivilisierte, und er muß es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehn, daß der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn“

Wie das im Detail aufzulösen ist, darüber schweigt der Altmeister sich aus.

rinaldok schrieb: »Die Frage ist: Wie überwindet man dieses System? Die Formel sollte ersetzt werden, die bisher die Kapitalbildungs-Mechanismen prägt! Man sollte da nicht mehr vom Kapital/Warenwert (Ww) ausgehen, sondern man sollte vom Energie-GEHALT eines Gebrauchsgegenstands (nicht Gebrauchs-"WERT")/Dienstleistung sprechen. Das wäre der erste Schritt im Verständnis hin zu einer gerechteren Gesellschafts-Ordnung, die mit den Schlussfolgerungen bricht, die dem "real-existierendem Sozialismus" vorausgingen.«

Dieser Gedanke sollte diskutiert werden, denn er ist richtig. Wie allerdings die „Qualität Energiegehalt“ in die „Quantität Wert“ bei Beibehaltung unveränderter Basiskategorien transformiert werden soll, sehe ich nicht, da„Wert“ von sämtlichen Qualitäten gereinigt ist und nur als „Quantität“ existiert.

Nach meiner Ansicht sollten in einer linken Partei drei Diskussions- und Handlungsstränge nebeneinander existieren dürfen und in jedem Strang der andere mitgedacht werden: Erstens ein Strang, der die aktuelle Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung auf dem Boden der derzeitigen Basiskategorien kritisiert und verändert. Zweitens ein Strang, der die Kritik der Basiskategorien popularisiert und „unter das Volk“ bringt. Und Drittens ein Strang, der konkrete Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens entwickelt und praktiziert, „diesen Stoffwechsel mit der Natur rationell (zu) regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle (zu) bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen (zu) vollziehn“

rinaldok schrieb: Bei der Linkspartei hingegen müsste man da aber doch offene Türen einschlagen. Oder? Leider ist dem nicht so, weil ihr die Selbstkritik abhanden gekommen ist. Kritik wendet sich zu oft und (fast) ausschließlich gegen andere - jüngstes Beispiel: S. Wagenknecht - "Die Selbstgerechten".

Es gibt diese Diskussionen in der Partei DIE LINKE im Umkreis der ökologischen Plattform. Das Problem: Selbst innerparteilich wird diese Diskussion kaum wahrgenommen. Von einer Außenwirkung ganz mal abgesehen. Als sich vor einigen Jahren eine sozial.öko.logische-AG-Rote-Biber beim Kreisverband DIE LINKE Marburg-Biedenkopf bildete, waren die jungen Menschen völlig überrascht, dass diese Themen und Fragestellungen bereits seit 20 Jahren auch innerhalb der Partei DIE LINKE diskutiert werden. Wirkung: Marginal.

Man könnte ein ganzes Buch darüber schreiben.

RE: Verzicht ist nicht hilfreich | 29.06.2021 | 16:52

Der Beitrag von Flassbeck und Höfgen -. sowie die Kommentare darunter - zeigen sehr schön, wie wenig klar und klarsichtig ökonomische und politische Debatten in Deutschland verlaufen. Es wird nicht beachtet, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen die gesellschaftliche Produktion und Reproduktion stattfindet.

Der Altmeister aus Trier war an dieser Stelle schon sehr viel weiter. Er schrieb: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform.“

Und weiter: „Eine Ware scheint auf den ersten Blick ein selbstverständliches, triviales Ding. Ihre Analyse ergibt, dass sie ein sehr vertracktes Ding ist, voll metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken. Soweit sie Gebrauchswert, ist nichts Mysteriöses an ihr, ob ich sie nun unter dem Gesichtspunkt betrachte, dass sie durch ihre Eigenschaften menschliche Bedürfnisse befriedigt oder diese Eigenschaften erst als Produkt menschlicher Arbeit erhält. Es ist sinnenklar, daß der Mensch durch seine Tätigkeit die Formen der Naturstoffe in einer ihm nützlichen Weise verändert. Die Form des Holzes z.B. wird verändert, wenn man aus ihm einen Tisch macht. Nichtsdestoweniger bleibt der Tisch Holz, ein ordinäres sinnliches Ding. Aber sobald er als Ware auftritt, verwandelt er sich in ein sinnlich übersinnliches Ding. Er steht nicht nur mit seinen Füßen auf dem Boden, sondern er stellt sich allen andren Waren gegenüber auf den Kopf und entwickelt aus seinem Holzkopf Grillen, viel wunderlicher, als wenn er aus freien Stücken zu tanzen begänne.“

Im Kapitalismus werden die benötigten Güter und Dienstleistungen (die „Lebensmittel“ im weitesten Sinne) als „Waren“ produziert. Über „Kauf“ und „Verkauf“ werden sie ihrer Bestimmung zugeführt, menschliche Bedürfnisse (seien sie gesamtgesellschaftlich oder individuell) zu befriedigen.„Waren“ haben ein doppeltes Gesicht. Einerseits sind sie Träger von "Wert" und anderseits nützliche Dinge.

Die Menschen brauchen die nützlichen Dinge. Die ökonomischen Einheiten, die Wirtschaftssubjekte, brauchen im Kapitalismus den „Wert" oder den „Mehrwert“. Bei der Produktion von „Mehrwert“ ist es völlig wurscht, mit welchen Produkten der „Mehrwert“ erzielt wird. Jacken wie Hosen, Vorlesungen über Ökonomie an der Uni oder Braunkohleabbau, für die Produktion von „Mehrwert“ ist die „Qualität“ der Produkte unerheblich. Für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse gilt dies nicht.

Aus diesem Widerspruch erwachsen die Scheußlichkeiten des Systems. Und die nicht mehr beherrschbaren Zumutungen. Diesem Dilemma ist nur zu entkommen, indem das warenförmige System aufgehoben wird. Das heißt die Basiskategorien des Kapitalismus, „Ware“, „Wert“, „Geld“, „Zins“ und „Kapital“ und deren Ableitungen müssen aufgehoben und transformiert werden. Ohne diese Aufhebung bleiben alle gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen vergebliche Liebesmüh. Fürchte ich.

Ein erster Schritt wäre, diesen Sachverhalt zu verstehen. Davon ist die Menschheit jedoch meilenweit entfernt. Ivan Illich, Erich Fromm, Rudi Dutschke und Robert Kurz sind tot. Es leben Kevin Künast, Annalena Baerbock, Richard David Precht und Katja Kipping. Na dann.

p.s.: Vor dem Hintergrund der kapitalistischen Wirtschaftsweise haben Flassbeck und Höfgen mit ihren Argumenten völlig recht. Leider führt diese Wirtschaftsweise die Menschheit immer weiter in die Hölle auf Erden. Deshalb muss sie aufgehoben werden. Und kann aufgehoben werden, da nicht gottgegeben sondern durch menschliches Handeln entstanden.

RE: Von "ZeroCovid" zu ZeroMensch | 26.03.2021 | 13:01

"Denke" sollte eigentlich "Danke" heißen. Bei näherem hinsehen ist "Denke" aber auch nicht schlecht - vor allem wenn der Partikel "selbst" hinzutritt.

RE: #SPD-Neoliberalismus vs. #LinkeHeuchler | 06.06.2017 | 12:23

#SPD-Neoliberalismus vs. #LinkeHeuchler

»Dennoch nur ein kleiner und sehr bitterer Trost angesichts des Fortschrittes, der vor nur wenigen Wochen im Hinblick auf Rot-Rot-Grün erreichbar schien.«

Das letzte Wort des letzten Nebensatz Ihres Artikels ist das entscheidende: »schien«.

Nirgendwo waren und sind Anzeichen oder Indizien dafür zu finden, dass die Sozialdemokraten tatsächlich bereit sind, substantielle Korrekturen an ihrer Wirtschafts- und Sozialpolitik vornehmen wollen. Ihr ökonomisches Weltbild ist nach wie vor ein neoklassisch geprägtes. Und so lange dies so bleibt, und die Sozialdemokraten weiterhin die Schuldenbremse verteidigen, so lange sind rot-rot-grüne Regierungskonstellationen auf Sand gebaut.

»It«s the economy, stupid!« Mit diesem Schlagwort gewann einst Bill Clinton seine Wahl zum US-Präsidenten. Und dieser Satz ist auch 2017 noch gültig. Wenn DIE LINKE kein ökonomisches Konzept entwickelt, das die Grundlagen der Neoklassik in die Tonne klopft und endlich wieder gesamtwirtschaftliches Denken in Theorie und Praxis in die Wirtschafts- und Finanzpolitik einführt, so lange bleibt rot-rot-grün auf Bundesebene ein Wunschtraum.


Der nachstehende Artikel von Wolfgang Waldner auf makroskop.eu beschreibt ziemlich präzise, weshalb die gesellschaftliche Linke und auch die Partei DIE LINKE in der politischen Auseinandersetzung keinen Zentimeter an Boden gewinnt. "It's the economy, stupid!" Diesen Satz der Wahlkampagne Bill Clintons hat DIE LINKE offensichtlich vergessen. Es reicht nicht, verbalradikal gegen Flexibilisierung, Rationalisierung, Lohndumping, Privatisierung und die anderen neoliberalen Kunststücke zu wettern. Gefragt ist die Demontage des neoklassischen Weltbildes. Und hier versagt DIE LINKE in Gänze. Leider.

Mein Vorschlag: Man sezte sich doch mal mit Heiner Flassbeck zusammen und bespreche, wie in einer konzertierten Aktion dieses unsägliche Weltbild gestürzt werden kann. Gelingt dies nicht, werden alle Versuche eine andere, bessere Gesellschaft zu formen von vornherein zum Scheitern verurteilt sein. Ebenfalls: Leider.

https://makroskop.eu/2017/05/viel-utopie-und-wenig-risiko/

Denn: Das Bundestagswahlprogramm der Partei DIE LINKE ist von der Sache her völlig richtig. Auch sprachlich ist es in weiten Teilen deutlich besser gelungen, als manch anderer Leitantrag in der Vergangenheit.
Aber: Soziale Gerechtigkeit einzufordern und an Mitgefühl und Solidarität zu appellieren wird nicht ausreichen, um Wähler_innen zu begeistern. Die Forderungen im Wahlprogramm können und müssen auch ökonomisch begründet werden! Nur dann wird es möglich sein, mit diesen Forderungen mehr als ein zustimmendes Nicken bei den Wähler_innen zu erreichen. Meine ich.

RE: Die Schuld der Griechen | 29.01.2015 | 23:05

Was bei all diesen Betrachtungen ebenfalls nicht erwähnt wird: Ohne Verbindlichkeiten keine Geldvermögen! Wer "Sparen" fördert und "Schulden" verdammt, ist entweder schizophren, Mitglied der deutschen Bundesregierung oder hat keinerlei Ahnung von makroökonomischen Zusammenhängen.
Bestes Beispiel Wirtschaftsminister Gabriel: Heute hat er im Informationsmaterial der Pressekonferenz zum Jahreswirtschaftsbericht 2015 in den Prognoseteil einen "Außenbeitrag" fon 205 Milliarden Euro reinschreiben lassen. Daraufhin schrieb ich:

Sehr geehrter Herr Bundeswirtschaftsminister, In der Prognose-Tabelle des Jahreswirtschaftsberichts 2015 veröffentlichen Sie einen Außenbeitrag von 205,8 Milliarden Euro. Dies ist gegenüber den Jahren 2013 und 2014 noch einmal eine deutliche Steigerung.


Da Sie in der Bundesrepublik eine "schwarze Null" im Haushalt als wichtiges finanz- und wirtschaftspolitisches Ziel ausgeben, bin ich ein wenig verwundert. Der Außenbeitrag von 205,8 Milliarden Euro ist doch nichts anderes als eine zusätzliche Verschuldung des Auslandes gegenüber der Bundesrepublik.

Gilt für Sie und die gesamte Regierung "Schulden des Auslands hui" und "Inlandsschulden pfui?" oder wie ist es zu verstehen, dass Sie in der Pressekonferenz mit keinem Wort auf diesen Betrag eingehen?

Vor allem, wie ist diese Haltung damit zu vereinbaren, dass die europäischen Partner angehalten werden, Schulden abzubauen, wenn Sie gleichzeitig darauf setzen, für eine magere Wachstumsquote in Deutschland eine wachsende Verschuldung des Auslandes zu prognostizieren?

Es wäre schön, wenn Sie mir diesen Widerspruch erklären könnten

Bin gespannt auf die Antwort.

RE: Der Präsident am Zügel | 05.01.2014 | 16:40

Andreas Wehr hat vor wenigen Tagen eine Rezension des Buches <a href="http://www.andreas-wehr.eu/kurz-vorm-sinken.html"> "Titanic Europa" von Vladimiro Giacché</a> geschrieben. Fazit: Die Titanic sinkt.

Und tatsächlich: Ich fürchte, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Menschen in den Unterdecks und Innenkabinen - zu Recht - gegen die Ignoranz auf den "Oberdecks" und der "Brücke" revoltieren. Ob aus diesem Chaos dann eine bessere, humanere Schiffsordnung herauswächst? Oder ob sich die Nationalisten, Rassisten und Chauvinisten vom Steuerbord durchsetzen? Das sind an dieser Stelle die entscheidenden Fragen.

RE: VWL-Heterodoxie = Pseudowissenschaft? | 08.02.2012 | 21:56

Erstens: Es ist schon merkwürdig, wenn das Marshall-Kreuz im Lehrbuch von Mankiv auf jeder zehnten Seite zu ganz unterschiedlichen Fragestellungen auftaucht, ohne dass auch nur ein einziges mal plausibel die Randbedingungen erläutert oder beschrieben wären.

Ein Zweites: Im Grundgesetz wurde eine Schuldenbremse festgeschrieben. In weiteren europäischen Ländern wird dies zur Zeit ebenfalls durchgezogen. Dies wird wohl nicht gegen den Rat des volkswirtschaftlichen Sachverstandes der Berater der Bundesregierung von statten gehen.

Hin und wieder ist es durchaus sinnvoll sich mit trivialarithmetischen Zusammenhängen einer Volkswirtschaft auseinanderzusetzen. Die Saldenmechanik eines Wolfgang Stützel zum Beispiel beschäftigt sich mit solchen trivialarithmetischen Zusammenhängen. Und da in einer Volkswirtschaft der Kauf des einen ein Verkauf eines anderen ist, ist ein Einnahmeüberschuss des Einen automatisch ein Ausgabenüberschuss des Reste4s der Volkswirtschaft. Eine Volkswirtschaft als Ganzes kann also gar nicht "sparen".

So lange diese Binsenweisheiten von vielen Volkswirten nicht beachtet werden, hat die VWL ein großes Problem.

RE: Empörte, Occupy und die Mosaiklinke in Europa | 29.12.2011 | 22:23

a) Was mich ein wenig wundert: An keiner Stelle des Textes wird benannt, wie der gemeinsame Nenner der "Mosaiklinken" aussieht.

b) Was mich weiterhin wundert: Wie kann ein "Linker" unreflektiert von "Schuldenkrise" sprechen, ohne die Vermögenskrise (Guthabenkrise) zu benennen? Die Behauptung "Die Geschehnisse auf den Finanzmärkten sind an sich schon schwer begreiflich" ist nur dann richtig, wenn nur die Phänomene an der Oberfläche des Finanzsystems betrachtet werden. Sobald begriffen wird, dass das derzeitige Geldsystem ein "Kreditgeldsystem" ist,- das heißt Geld wird durch Kredite (vor allem der Geschäftsbanken) geschaffen und durch die Tilgung dieser Kredite wieder vernichtet - ist es gar nicht so schwer die Zusammenhänge zu begreifen.

c) Wenn die Linken und DIE LINKE nicht nur "Bankenbashing" betreiben würden, sondern den Menschen in der Bundesrepublik und Gesamteuropa einen Weg aufzeigen würden, wie sie ihr mühsam Erspartes aus den Wirren an den Finanzmärkten heraushalten könnten, wäre eine Basis für breiten Widerstand und gesellschaftliche Veränderungen geschaffen.

d) So lange in der linken Bewegung und bei der Partei DIE LINKE zwar die Vergesellschaftung der Banken gefordert wird - was unter den gegebenen Machtverhältnissen in absehbarer Zeit eher unwahrscheinlich ist- aber die Vergesellschaftung des Geldes - gesellschaftliches Geldregal - nicht einmal gefordert wird, so lange werden Diskussionen über die Mosaiklinke, die Empörten oder Occupy nichts anderes als mehr oder weniger kluge Einlassungen in mehr oder weniger wichtigen Publikationen sein und bleiben.

RE: Die Leichen im Keller des Finanzsystems | 14.08.2009 | 19:51

Robert Kurz hat völlig recht. MisterL ebenfalls. Cui bono? Nicht nur den Regierenden. Auch den neoliberalen Vordenkern in den „wissenschaftlichen“ Instituten und den Nachbetern in den Redaktionen. Schließlich müssen Boni-Zahlungen an HRE-Manager und Nordbank-Versager gerechtfertigt werden.

Was tun? Mit Nachbarn, ArbeitskollegInnen, SportkameradInnen, der zufälligen Bekanntschaft im Biergarten reden. Immer wieder fragen: Wer wird das bezahlen wenn CDU, SPD, FDP, die Grünen oder DIE LINKE das Sagen hätten? Fragen: Welche politische Gruppierung steht für welche Inhalte? Nicht nur in den Wahlprogrammen sondern in praktischem Handeln, sei es in Regierungs-, sei es in Oppositionsverantwortung.

Und fragen: Was ist gut für das Wachstum von Menschen?