Hajo Zeller

Ein Franke in Hessen. Ein Optimist in schwieriger Zeit.
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Hajo Zeller
RE: Den Kalten Krieg wagen | 24.02.2022 | 10:46

So lange ein Großteil der Verantwortlichen in Europa und der Bundesrepublik nicht sieht, genauer nicht sehen will, welches Spiel die USA zum Nachteil Europas und Deutschlands spielen, so lange passiert, was gerade passiert. Das Stichwort heißt: Amerikanischer Exzeptionalismus.Ein schönes Stück von Thomas Bargatzky dazu gestern auf den NachDenkSeiten: »Russland, die „Stadt auf dem Berge“ und der große Wahn

RE: Die Wut dreht sich im Kreis | 09.02.2022 | 13:07

Alles richtig beobachtet. Götz Eisenberg schreibt: »Die Menschen sind gehalten, das ihnen zur Verfügung stehende Geld auszugeben, Serien zu gucken, über ihre Smartphones zu wischen und dabei Daten zu hinterlassen, das ist alles.«Ein Punkt wurde vergessen. die Menschen in diesem Satz sind immer noch Subjekte. Derzeit werden sie jedoch gnadenlos in entmenschtlichte Objekte verwandelt, mit deren Optimierung erstens eine schöne Stange Geld verdient werden kann und zweitens die Entwicklung zu tranhumanistischen Dystopien vorangetrieben wird.Die Karotte, die dem Esel Mensch dabvei vorgehalten wird, heißt "Unsterblichkeit". Aus Angst vor dem Tod, der in der Gesellschaft verdrängt und unsichtbar gemacht wird, begeht die Menschheit kollektiven Selbstmord, anstatt sich am Leben zu freuen. Und: Das Leben zu leben.

RE: Geduld am Ende | 11.01.2022 | 23:06

Bereits der erste Satz reicht. Er heißt: "Bei mir im Ort ziehen sie nun jede Woche mit ihrer Demonstration durch die Innenstadt. Selbsternannte Querdenker*innen, Reichsbürger*innen, Antisemit*innen, Nazis, Impfgegner*innen und sonstige Faktenleugner*innen."In amerikanischen Gerichtsserien warf in alten amerikanischen Rechtsanwaltsserien der Held bei solchen Sätzen immer ein: Hörensagen!Eine wesentlich realistischere Sichtweise auf die Protestierenden findet sich hier.

RE: „Fragt nach der Macht, emanzipiert euch!“ | 28.12.2021 | 17:55

Eigentlich ist es schön auch mal einen Artikel zu lesen, in dem die Causa Corona inhaltlich keine Rolle spielt. Dennoch ist für mich bestürzend: Linke diskutieren über "Macht" und die gesellschaftlichen Entwicklungen der beiden letzten Jahre mit den massiven Eingriffen in Grundrechte scheint es nicht zu geben. Ich fürchte: Die gesellschaftliche Linke hat fertig.

RE: Sein Traum war eine vereinigte Linke | 16.12.2021 | 01:35

Georg Fülberth in Bestform. Ergibt eine in Stil und Inhalt treffende Beschreibung des politischen Bürgers Oskar Lafontaine. Schade, dass Oskar geht. Und Georg nach wie vor in der falschen Partei ist. Georg Fülberth endet mit den Sätzen: "Ein Experiment wurde beendet. Mag sein, dass es unter besseren Umständen durch Jüngere noch einmal versucht wird." Notwendig wäre der Versuch. Mögliche Akteure sehe ich nicht. Nirgendwo.

RE: Verzicht ist nicht hilfreich | 30.06.2021 | 15:02

rinaldok schreibt: »Ich halte von solchen Artikeln und Beiträgen die von "linken Autoren" verfasst und veröffentlicht werden nichts mehr, wo die "Systemfrage" nicht einmal ansatzweise einbezogen wurde«

Ich glaube, es sind in der Diskussion zwei Ebenen zu unterscheiden. Die eine Ebene, ist die Ebene, auf der Autoren wie Flassbeck und Höfgen argumentieren. Diese Autoren bewegen sich gedanklich im Rahmen der herkömmlichen „politischen Ökonomie“. Sie zeigen die Schwachstellen der neoklassischen Wirtschaftstheorie auf. Diese liegen vor allem bei einem völlig unzureichenden Verständnis von makroökonomischen Zusammenhängen, hier vor allem saldenmechanischen Identitäten, und einem unterentwickelten Verständnis des modernen Geldwesens. Bereits auf dieser Basis ist es möglich, eine „bessere“ Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik zu entwickeln, welche den Interessen der großen Mehrheit der Bevölkerung dienlicher ist, als der jetzige Zustand.

Auf dieser Basis wird es allerdings schwierig bis unmöglich, die wirklich großen globalen Probleme in den Griff zu bekommen.

Auf der zweiten Ebene liegt „Die Kritik der politischen Ökonomie“, wie sie von Marx entwickelt wurde. Marx schrieb meiner Ansicht nach keine „bessere“ oder „richtigere“ politische Ökonomie, wie viele Marxisten glauben, sondern er unterzieht die Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise einer Fundamentalkritik, indem er sie analysiert und darstellt. Im Kern lautet die Marxsche Erkenntnis (Sehr, sehr verkürzt):

Weil die Güter und Dienstleistungen, die zur Reproduktion der Gesellschaft benötigt werden, die „Warenform“ annehmen, entwickelt sich das Gesamtsystem aus sich heraus zum „automatischen Subjekt“, dessen einziger Zweck die „Verwertung des Wertes“ ist und dessen Zwängen sich die Menschen freiwillig/unfreiwillig unterwerfen, ohne zu verstehen was dort eigentlich passiert.

Die Marxsche Lösung lautet: „ Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion. Wie der Wilde mit der Natur ringen muß, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, um sein Leben zu erhalten und zu reproduzieren, so muß es der Zivilisierte, und er muß es in allen Gesellschaftsformen und unter allen möglichen Produktionsweisen. Mit seiner Entwicklung erweitert sich dies Reich der Naturnotwendigkeit, weil die Bedürfnisse; aber zugleich erweitern sich die Produktivkräfte, die diese befriedigen. Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehn, daß der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn“

Wie das im Detail aufzulösen ist, darüber schweigt der Altmeister sich aus.

rinaldok schrieb: »Die Frage ist: Wie überwindet man dieses System? Die Formel sollte ersetzt werden, die bisher die Kapitalbildungs-Mechanismen prägt! Man sollte da nicht mehr vom Kapital/Warenwert (Ww) ausgehen, sondern man sollte vom Energie-GEHALT eines Gebrauchsgegenstands (nicht Gebrauchs-"WERT")/Dienstleistung sprechen. Das wäre der erste Schritt im Verständnis hin zu einer gerechteren Gesellschafts-Ordnung, die mit den Schlussfolgerungen bricht, die dem "real-existierendem Sozialismus" vorausgingen.«

Dieser Gedanke sollte diskutiert werden, denn er ist richtig. Wie allerdings die „Qualität Energiegehalt“ in die „Quantität Wert“ bei Beibehaltung unveränderter Basiskategorien transformiert werden soll, sehe ich nicht, da„Wert“ von sämtlichen Qualitäten gereinigt ist und nur als „Quantität“ existiert.

Nach meiner Ansicht sollten in einer linken Partei drei Diskussions- und Handlungsstränge nebeneinander existieren dürfen und in jedem Strang der andere mitgedacht werden: Erstens ein Strang, der die aktuelle Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung auf dem Boden der derzeitigen Basiskategorien kritisiert und verändert. Zweitens ein Strang, der die Kritik der Basiskategorien popularisiert und „unter das Volk“ bringt. Und Drittens ein Strang, der konkrete Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens entwickelt und praktiziert, „diesen Stoffwechsel mit der Natur rationell (zu) regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle (zu) bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen (zu) vollziehn“

rinaldok schrieb: Bei der Linkspartei hingegen müsste man da aber doch offene Türen einschlagen. Oder? Leider ist dem nicht so, weil ihr die Selbstkritik abhanden gekommen ist. Kritik wendet sich zu oft und (fast) ausschließlich gegen andere - jüngstes Beispiel: S. Wagenknecht - "Die Selbstgerechten".

Es gibt diese Diskussionen in der Partei DIE LINKE im Umkreis der ökologischen Plattform. Das Problem: Selbst innerparteilich wird diese Diskussion kaum wahrgenommen. Von einer Außenwirkung ganz mal abgesehen. Als sich vor einigen Jahren eine sozial.öko.logische-AG-Rote-Biber beim Kreisverband DIE LINKE Marburg-Biedenkopf bildete, waren die jungen Menschen völlig überrascht, dass diese Themen und Fragestellungen bereits seit 20 Jahren auch innerhalb der Partei DIE LINKE diskutiert werden. Wirkung: Marginal.

Man könnte ein ganzes Buch darüber schreiben.

RE: Verzicht ist nicht hilfreich | 29.06.2021 | 16:52

Der Beitrag von Flassbeck und Höfgen -. sowie die Kommentare darunter - zeigen sehr schön, wie wenig klar und klarsichtig ökonomische und politische Debatten in Deutschland verlaufen. Es wird nicht beachtet, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen die gesellschaftliche Produktion und Reproduktion stattfindet.

Der Altmeister aus Trier war an dieser Stelle schon sehr viel weiter. Er schrieb: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform.“

Und weiter: „Eine Ware scheint auf den ersten Blick ein selbstverständliches, triviales Ding. Ihre Analyse ergibt, dass sie ein sehr vertracktes Ding ist, voll metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken. Soweit sie Gebrauchswert, ist nichts Mysteriöses an ihr, ob ich sie nun unter dem Gesichtspunkt betrachte, dass sie durch ihre Eigenschaften menschliche Bedürfnisse befriedigt oder diese Eigenschaften erst als Produkt menschlicher Arbeit erhält. Es ist sinnenklar, daß der Mensch durch seine Tätigkeit die Formen der Naturstoffe in einer ihm nützlichen Weise verändert. Die Form des Holzes z.B. wird verändert, wenn man aus ihm einen Tisch macht. Nichtsdestoweniger bleibt der Tisch Holz, ein ordinäres sinnliches Ding. Aber sobald er als Ware auftritt, verwandelt er sich in ein sinnlich übersinnliches Ding. Er steht nicht nur mit seinen Füßen auf dem Boden, sondern er stellt sich allen andren Waren gegenüber auf den Kopf und entwickelt aus seinem Holzkopf Grillen, viel wunderlicher, als wenn er aus freien Stücken zu tanzen begänne.“

Im Kapitalismus werden die benötigten Güter und Dienstleistungen (die „Lebensmittel“ im weitesten Sinne) als „Waren“ produziert. Über „Kauf“ und „Verkauf“ werden sie ihrer Bestimmung zugeführt, menschliche Bedürfnisse (seien sie gesamtgesellschaftlich oder individuell) zu befriedigen.„Waren“ haben ein doppeltes Gesicht. Einerseits sind sie Träger von "Wert" und anderseits nützliche Dinge.

Die Menschen brauchen die nützlichen Dinge. Die ökonomischen Einheiten, die Wirtschaftssubjekte, brauchen im Kapitalismus den „Wert" oder den „Mehrwert“. Bei der Produktion von „Mehrwert“ ist es völlig wurscht, mit welchen Produkten der „Mehrwert“ erzielt wird. Jacken wie Hosen, Vorlesungen über Ökonomie an der Uni oder Braunkohleabbau, für die Produktion von „Mehrwert“ ist die „Qualität“ der Produkte unerheblich. Für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse gilt dies nicht.

Aus diesem Widerspruch erwachsen die Scheußlichkeiten des Systems. Und die nicht mehr beherrschbaren Zumutungen. Diesem Dilemma ist nur zu entkommen, indem das warenförmige System aufgehoben wird. Das heißt die Basiskategorien des Kapitalismus, „Ware“, „Wert“, „Geld“, „Zins“ und „Kapital“ und deren Ableitungen müssen aufgehoben und transformiert werden. Ohne diese Aufhebung bleiben alle gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen vergebliche Liebesmüh. Fürchte ich.

Ein erster Schritt wäre, diesen Sachverhalt zu verstehen. Davon ist die Menschheit jedoch meilenweit entfernt. Ivan Illich, Erich Fromm, Rudi Dutschke und Robert Kurz sind tot. Es leben Kevin Künast, Annalena Baerbock, Richard David Precht und Katja Kipping. Na dann.

p.s.: Vor dem Hintergrund der kapitalistischen Wirtschaftsweise haben Flassbeck und Höfgen mit ihren Argumenten völlig recht. Leider führt diese Wirtschaftsweise die Menschheit immer weiter in die Hölle auf Erden. Deshalb muss sie aufgehoben werden. Und kann aufgehoben werden, da nicht gottgegeben sondern durch menschliches Handeln entstanden.

RE: Von "ZeroCovid" zu ZeroMensch | 26.03.2021 | 13:01

"Denke" sollte eigentlich "Danke" heißen. Bei näherem hinsehen ist "Denke" aber auch nicht schlecht - vor allem wenn der Partikel "selbst" hinzutritt.

RE: #SPD-Neoliberalismus vs. #LinkeHeuchler | 06.06.2017 | 12:23

#SPD-Neoliberalismus vs. #LinkeHeuchler

»Dennoch nur ein kleiner und sehr bitterer Trost angesichts des Fortschrittes, der vor nur wenigen Wochen im Hinblick auf Rot-Rot-Grün erreichbar schien.«

Das letzte Wort des letzten Nebensatz Ihres Artikels ist das entscheidende: »schien«.

Nirgendwo waren und sind Anzeichen oder Indizien dafür zu finden, dass die Sozialdemokraten tatsächlich bereit sind, substantielle Korrekturen an ihrer Wirtschafts- und Sozialpolitik vornehmen wollen. Ihr ökonomisches Weltbild ist nach wie vor ein neoklassisch geprägtes. Und so lange dies so bleibt, und die Sozialdemokraten weiterhin die Schuldenbremse verteidigen, so lange sind rot-rot-grüne Regierungskonstellationen auf Sand gebaut.

»It«s the economy, stupid!« Mit diesem Schlagwort gewann einst Bill Clinton seine Wahl zum US-Präsidenten. Und dieser Satz ist auch 2017 noch gültig. Wenn DIE LINKE kein ökonomisches Konzept entwickelt, das die Grundlagen der Neoklassik in die Tonne klopft und endlich wieder gesamtwirtschaftliches Denken in Theorie und Praxis in die Wirtschafts- und Finanzpolitik einführt, so lange bleibt rot-rot-grün auf Bundesebene ein Wunschtraum.


Der nachstehende Artikel von Wolfgang Waldner auf makroskop.eu beschreibt ziemlich präzise, weshalb die gesellschaftliche Linke und auch die Partei DIE LINKE in der politischen Auseinandersetzung keinen Zentimeter an Boden gewinnt. "It's the economy, stupid!" Diesen Satz der Wahlkampagne Bill Clintons hat DIE LINKE offensichtlich vergessen. Es reicht nicht, verbalradikal gegen Flexibilisierung, Rationalisierung, Lohndumping, Privatisierung und die anderen neoliberalen Kunststücke zu wettern. Gefragt ist die Demontage des neoklassischen Weltbildes. Und hier versagt DIE LINKE in Gänze. Leider.

Mein Vorschlag: Man sezte sich doch mal mit Heiner Flassbeck zusammen und bespreche, wie in einer konzertierten Aktion dieses unsägliche Weltbild gestürzt werden kann. Gelingt dies nicht, werden alle Versuche eine andere, bessere Gesellschaft zu formen von vornherein zum Scheitern verurteilt sein. Ebenfalls: Leider.

https://makroskop.eu/2017/05/viel-utopie-und-wenig-risiko/

Denn: Das Bundestagswahlprogramm der Partei DIE LINKE ist von der Sache her völlig richtig. Auch sprachlich ist es in weiten Teilen deutlich besser gelungen, als manch anderer Leitantrag in der Vergangenheit.
Aber: Soziale Gerechtigkeit einzufordern und an Mitgefühl und Solidarität zu appellieren wird nicht ausreichen, um Wähler_innen zu begeistern. Die Forderungen im Wahlprogramm können und müssen auch ökonomisch begründet werden! Nur dann wird es möglich sein, mit diesen Forderungen mehr als ein zustimmendes Nicken bei den Wähler_innen zu erreichen. Meine ich.