hajo

Jahrgang 1947, aus dem Nahen Osten von Berlin
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RE: Betreutes Epos „Unsere Mütter, unsere Väter“ | 18.03.2013 | 17:34

Bumsen, Blut und Ballern

Kriegsgeschichten Das ZDF gibt sich innovativ und modern. So jedenfalls das Eigenlob. Aber was ist an dem TV-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" eigentlich neu?

Höchsten die Masse an verbrauchtem Kunstblut und die Lautstärke von Schmerzschreien zwischen Schützengraben und Lazarett ist bemerkenswert. Ansonsten ein wenig von amerikanischen Vorbildern abgekupfert und auch aus dem Fundus von der DEFA, des Sowjetfilms und des Neuen Deutschen Films der Faßbinder & Co. geschöpft. Vielleicht spielten auf Grund der DDR-Biografie von Kolditz solche Fernsehromane des DDR-Fernsehens eine Rolle wie "Gewissen in Aufruhr" oder "Wege übers Land", die mehr oder weniger auch den Kriegsalltag zum Thema hatten, eine Rolle. Selbst wenn behauptet wird, dass im ZDF-Drama sehr auf Genauigkeit geachtet worden sei, unterlaufen den Machern doch schon im ersten Teil manch seltsame Fehler oder Merkwürdigkeiten. Da hängt an einer russischen Blockhütte, in der Wehrmachtssoldaten Quartier genommen haben eine weithin leuchtende rote Fahne mit Hakenkreuz und bietet somit dem Feind ein wunderbares Ziel. Die jüdisch-russische Ärztin, die sich zur Arbeit ins deutsche Lazarett meldet, trägt goldenen Ohrschmuck. Und das in einer Zeit, da dort die Bevölkerung an Hunger leidet. Selbst, wenn sie Gold als letzte Reserve bewahrt, dürfte sie die kaum so sichtbar zur Schau gestellt haben. Nicht genug, deponiert sie ihr verräterisches Familienfoto auch noch im Lazarett. So blöd kann man nicht sein. Auch die Geschichte mit dem sowjetischen Kommissar ist unglaubwürdig. Erst wird er im brutalen Nahkampf verschont wird (völlig unrealistisch, wenn es so direkt Zahn um Zahn geht), um dann doch erschossen zu werden. Andererseits waren Kommissare in der Roten Armee erfahrene Kader der Partei, die also kaum so jung waren, wie der in diesem Film. Seltsam auch, dass im russischen Smolensk (gut 200 km von der Grenze zur Ukraine entfernt) ukrainische Handlager der Nazis wüteten. Dabei gab es auch in russischen und weißrussischen Regionen genügend Kollaboratuere. Aber hier kennt man augenscheinlich nur welche aus der Ukraine.

Was durchaus zu loben ist, wie die Autoren des Films versuchen, die Degeneration und Verrohung von relativ normalen Menschen durch den Krieg darzustellen. Aber hat das die 14 Millionen Euro Einstz gelohnt?