re:publica 11: Artikel zum Nachlesen

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Die re:publica ist vorbei, aber die Diskussion über - ja, wie nennt man sie eigentlich? - die Fachkonferenz/das BloggerInnen-Treffen/die Internet-Selbsthilfegruppe ist noch längst nicht abgeklungen. Alle haben anscheinend tolle Gespräche geführt, aber keinen tollen Reden zuhören können. Bis auf zwei-drei Vorträge fällt das Urteil eher negativ aus. Ganz gleich, ob es um Feminismus geht, die digitale Gesellschaft oder das nicht-funktionierende W-LAN, sämtliche Büsche brennen. Vermutlich liegt es ja tatsächlich daran, dass man es einem immer größer werdendem Publikum nicht recht machen kann, so wie Thomas Knüwer das in seinem Resumée formuliert: "Das eigentliche Problem der Re-Publica ist der menschliche Reflex eines gewissen Anteils der Besucher, sich nach Bekanntem zu sehnen, gepaart mit mangelndem Mut, sich auf Neues einzulassen." Vermutlich liegt es aber auch daran, dass es sich online viel simpler trollen lässt. Aber, anstatt selbst zum Troll zu werden, hier eine kuratierte Linkliste:

1.) Feminismus

Antje Schrupp, die selbst nicht bei der Konferenz war, und somit eine gute Außenperspektive besitzen dürfte, hat zwei interessante Beobachtungen: Erstens: Ein Frauenanteil von knapp 30% heißt in erster Linie, dass alles ja nicht so schlimm sei und man deswegen zur Tagesordnung übergehen könne. Zweitens: Wenn eine Frau in einem Thema, das auf den ersten Blick nichts mit Feminismus zu tun habe, trotzdem (oder gerade deswegen?) eine Gender-Perspektive reinbrächte, habe das automatisch Missmut zur Folge. Eine Frau kann nur dann als Frau ernst genommen werden, wenn sie gerade nicht über Frauenthemen spricht. Tut sie es doch, ist sie eine Feministin - und tappt damit in die "Simone de Beauvoir-Falle", Sie disqualifiziert für alle anderen Themen, da sie von jetzt an in erster Linie als Feministin betrachtet wird. Das Blogposting ist sehr zu empfehlen und hier zu finden.

2.) Digitale Gesellschaft

Viel kritisiert und wenig gelobt: Die neue Initiative namens "Digitale Gesellschaft". Worum geht es? Hat sich das Internet zusammen gefunden und einen Gesprächspartner aus ihrer Mitte hervorgebracht? Nein, natürlich nicht. Das aber ist einer der mehreren, durch sämtliche Blogs, gereichten Vorwürfe. Diese Contrahaltung wird in den Artikeln von "Christian Sickendieck" und, bei dem hier bereits verlinkten, mr.topf zum Ausdruck gebracht.

Nach diesem regelrechten Shitstorm gibt es erfreulicherweise auch genügend Gegenpositionen. Jürgen Vielmeier argumentiert, dass es unmöglich sein wird, irgendeine Form zu finden, in der alle Interessen berücksichtigt werden können und rät zu etwas mehr Gelassenheit.

Christoper Lauer geht noch einen Schritt weiter und unterstellt den Kritikern Neid. Die Kritiker wüssten, so Lauer, nur zu gut, dass die Digitale Gesellschaft in netzpolitischen Themen eine gewisse Relevanz für sich beanspruchen werde und seien deswegen sauer. "Einzelne Akteure ertragen es salopp gesagt einfach nicht, wenn andere im Fernsehen sind als sie selbst."

Interessant auch: Falk Lüke hat über den Twitter-Account der Digitalen Gesellschaft einen (mittlerweile gelöschten) beleidigenden Tweet geschrieben. Wusste man anfangs noch nicht, von wem diese Botschaft kam, hat er sich nun in einem ausführlichen Posting damit auseinandergesetzt.

3.) Gunter Dueck

Auch wenn vielen ein "Peter Kruse"-Moment gefehlt hat, ihnen also beim Zuhören nicht die Gesichtszüge entglitten sind vor lauter Begeisterung, einigte man sich durch Retweets darauf, dass der Vortrag von Gunter Dueck ("Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem", zu sehen auf Youtube) zu dem Großhighlight der Konferenz gekürt wurde. Das mag richtig sein oder nicht, wichtig ist mir nur, auch eine Gegenposition zu bringen. Diese kommt von "Rhizom": Ihm zufolge hat es einen ganz banalen Grund, warum Duecks Rede so zelebriert wird: "Dueck formuliert eine astreine Klassenideologie für verwertungsgeile Internet-Yuppies, die sich vor wenigen Jahren noch als spleenig-alternative Nerds präsentierten, von dem Uni-Philosophen und IBM-Manager aber erstmals die Rolle einer ideologischen "Führungsklasse" im postfordistischen Kapitalismus zugesprochen bekommen." Oder in meinen Worten: Ein elitärer Haufen lässt sich die eigene Vormachtstellung von einer Person mit Macht und Gewicht (IBM-Vorstand) bestätigen. Da ich selbst den Vortrag nicht gesehen habe, werde ich dazu erst morgen näher Stellung beziehen können.

4.) Fotos:

Zu finden hier auf flickR

5.) Party

Warum Peter zwar mit einem Ansturm, aber nicht damit gerechnet hat, dass mehr als 300 Menschen auf die Partyreihe namens #tassebier kommen würden, erzählt er hier.

17:32 18.04.2011
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Geschrieben von

Hakan Tanriverdi

“Ein Rhizom bilden, Maschinen bauen, die vor allem demontierbar sind; ein Milieu schaffen, wo mal dies und mal jenes auftauchen kann: wie mürbe Brocken in der Suppe. Oder besser noch, ein funktionelles, pragmatisches Buch: nehmt euch, was ihr wollt."
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