"Der elende Rest!"

Eine Geschichte. Bananenlose Betrachtungen!
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Der elende Rest aus dem Widerstand, in dem sich Wolf Biermann auch noch heute befindet, sprach diese Worte aus. Zu recht, denn damals, vielleicht war es 1976, wurde er, der einzig wirklich Werktätige der damaligen DDR zwangsweise ausgebürgert. Der Staat, die DDR, konnte sich von dem Verlust des einzigartigen Werktätigen nie erholen. Der Kohlebergbau, Kumpel resignierten und die Landwirtschaft brach zusammen, als Biermann, verankert im Herzen der Menschen, in den Westen ausgebürgert wurde. 13 Jahre später brach der Staat zusammen.

Aufgefangen von Gewerkschaftsauftritten schrammelte der Macher, auch Lieder sollen dabei gewesen sein, im Pakete versendenden Westen, sein Leid. Der Staat, in den er sich freiwillig in den fünfziger Jahren begeben hatte, aus Hamburg, also dieser Stadt, die schillernde Stadt, später, Jahrzehnte später, nannten einige, nicht alle, sie Schillstadt, benannt nach einem gnadenlosen Richter, wird es ertragen haben, wie die Menschen die Elbe ertragen und die Alster genießen.

Der Lessing, nein er ist kein Verteidiger beim HSV, hatte Schreibverbot in Hamburg als er Nathan den Weisen schuf. Über ein Jahrzehnt, hatte die DDR keine Bananen.und auch keinen Biermann. Überlebt hat sie dennoch. Braunkohl im Herbst wurde bananenlos mit Brägenwurst gegessen. Menschen gingen biermannlos auf die Straße, sehr viel später, die noch nicht einmal gerüchteweise Bock auf Margot Honecker hatten, noch nicht einmal darüber nachdachten, ob Margot Bock auf sie hatte.

Von der Resterampe des Singens und Denkens wurde Biermann geholt und durfte vor dem Parlament, dem Souverän der Menschen dieses, nicht seines Staates, obwohl es für ihn ausreichend Bananen gab, die viele sich in dem zusammengewachsenen Land sich nicht mehr leisten konnten, Teile des Kampfes mit einem Drachen zu schildern, den er nie geführt hatte.

Er war Wolf. Eingebettet in ein Rudel. Wohlig eingebettet hatte er sich im Westen. Drachenbrut nannte er einen Rest der gewählten Volksvertreter. Er kannte nur Eier von Drachen und kraulte sich zwischen den Beinen am Gedenktag des Mauerfalls und gedachte der tausenden Opfer, zwischendurch, beim Kraulen, an dem Freitag, dem 7. November 2014 in dem hohem Haus.

Die Mauer ist am 9. November zerstört worden, nicht nur sie. Früher, lang ist es her, wurden Fensterscheiben zerschlagen, am neunten November. An einem nichthistorischen, wie dem siebten Tag kann sich jeder an die Opfer, an die Maueropfer erinnern. Die zerschlagenen Scheiben des Neunten wurden kaum erwähnt. Zu lang ist es her. Das Rudel der Wölfe zog weiter.

Millionen von zerfleischten Körpern verwesten. Am Kraultag im Bundestag, dem Siebten November, zwei Tage vor dem Neuntem, einem Freitag war es, wurde ein Rest diffamiert.

Am 8. November hätte der nette fette Vater, an einem Samstag, Kohlen aus dem Keller holen können. Aber er biss sich fest. Als niederes Mitglied der Rudelgemeinschaft ignorierte er beim Gedenken die Fensterscheiben aus dem Jahre 1938, obwohl sie in späteren Jahren liebevoll verziert wurden mit vergasten Leichen. Fensterscheiben können ersetzt werden. Verzierungen, meistens per Hand erstellt, die oft allerdings maschinell geschaffen wurden, können selten recycelt werden. Restleichen müssen literarisch erwähnt werden. Leichen werden erzeugt und danach verwesen sie in den Gedanken der Nichtdenkenden. Die Gebirge von jüdischem Fleisch, gespickt mit 27 Millionen russischen Kriegstoten, lang ist es her, formen unser Handeln und auch das Denken nicht mehr.

Der kraulende Drachentöter ermahnte den Rest, brav blieb er sitzen. Reste wischt man ab und entsorgt sie wie eine Drachenbrut. Eier sind es, die gekrault werden müssen. Der noch nicht entsorgte Rest, der brav Sitzengebliebenen, der versucht den Elenden in diesem Land noch eine Stimme zu geben, sollte nach dem Kraulen abgeschüttelt, entsorgt werden mit einem Stöhnen.

13:46 16.11.2014
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